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Europa / Großbritannien

Highlights in Edinburgh für deinen Citytrip

Highlights Edinburgh: Royal Mile

Die schottische Hauptstadt ist eine echte Schönheit und perfekt für einen Citytrip. Zu Füßen von Edinburgh Castle gibt es viel zu sehen und entdecken, und mit all den Walks und wunderbaren Museen bist du ein paar Tage beschäftigt. Wenn du genug vom Pflastertreten hast, steigst du einfach in den Zug und bist ratzfatz am Meer – in North Berwick zum Beispiel. Hier gibt’s jede Menge Edinburgh Reisetipps inklusive ein paar Empfehlungen zu Guided Tours und zum Ausflug zur wunderbaren Rosslyn Chapel, der Bestsellerautor Dan Brown zu Kultstatus verhalf.


Highlights in Edinburgh – Old Town

Die Old Town und New Town von Edinburgh sind UNESCO-Welterbe. Eine Auszeichnung und gleichzeitig eine Bürde. Die Welterbestätte ist mit 4,5 km² und mit 4500 Bauwerken ganz schön groß, es gibt viel Schwergewichtiges und Einzigartiges zu sehen in den beiden so ganz unterschiedlichen Hälften – hier die mittelalterliche Altstadt, dort die georgianische Neustadt. Und das alles will gehegt und gepflegt werden.

Edinburgh Castle

Am ersten Vormittag ging’s gleich rauf auf die Burg, die auf einem 340 Millionen Jahre alten Vulkankegel hoch über der Altstadt thront. Trotz vorgebuchtem Slot (unbedingt empfehlenswert!) stand ich erstmal in der Schlage, was aber zwischen lauter netten Schulmädchen im Schottenrock höchst amüsant war. 

In der Burg erwarten dich nationale Symbole Schottlands – die Kronjuwelen oder der Krönungsstein („Stone of Destiny“), den die Engländer an sich rissen und erst 1996 zurückgaben. Fast 1200 Jahre wurden auf ihm schottische, später englische Könige gekrönt und zur Krönung von Charles III. wird er wohl wieder nach London reisen und zum Einsatz kommen. Du blickst auch in den Raum, in dem Mary Stuart ihr einziges Kind gebar, und stehst in der Great Hall, wo schon Renaissance-Könige und EU-Minister speisten. Jahrhunderte schottischer Geschichte ziehen vorbei. Die drei Euro für den Audio-Guide waren gut investiert!


Royal Mile

Von der Burg zieht sich die Royal Mile, die aus mehreren Straßen besteht und erst seit 1925 „königliche“ Meile“ heißt, bis zum Holyrood Palace, der offiziellen Residenz des britischen Königs in Schottland. Entlang der Flaniermeile kannst du Whisky probieren in der Scotish Whisky Experience. Dudelsackmusik an jeder Ecke hören, Souvenirs mit Tartan-Muster kaufen, aber auch in die Closes (Hinterhöfe) schauen und dich durch Wynds (Gassen) zwängen, die mal ins Nichts führen, mal zwei Straßenzüge verbinden. Oft liegen dort kleine Perlen wie das Literaturmuseum, das die schottischen Poeten Robert Burns, Sir Walter Scott und Robert Lewis Stevenson, den Autor der Schatzinsel, feiert. Zu sehen sind zum Beispiel Burns‘ Schreibtisch oder die Presse, mit der man Walter Scotts erste Romane druckte.

In der Old Town mischten sich im Mittelalter und der frühen Neuzeit die Schichten. Die Hausbesitzer lebten im ersten Stock, die Mittelklasse darüber und die Armen im Souterrain. Für strikte Klassentrennung sorgte erst der Bau der New Town. Wie man in einer Mietskaserne im 17. Jahrhundert lebte, erfährst du beim Besuch in Gladstone’s Land. Geschichte zum Anfassen.


Gastro-Tipp: Das Amber Restaurant der Scotch Whisky Experience (354 Castlehill, The Royal Mile) ist berühmt für gute schottische Küche. Die Speisekarte klingt absolut verlockend.

An der Royal Mile liegt auch die St Giles’ Cathedral, die eigentlich keine Kathedrale ist, weil die schottische Kirche keine Bischöfe hat. Auf jeden Fall ist sie die Hauptkirche der Church of Scotland in Glasgow und ein höchst eindrucksvoller Bau. Im Innenraum spazierst du durch die Jahrhunderte vom 12. bis 20. Jahrhundert.

Charakteristisch für die Royal Mile sind unzählige Denkmäler – für den Denker David Hume zum Beispiel, dem die Studenten für Glück bei der Prüfung den Fuß tätscheln, der schon ganz blank gescheuert ist. In einem Hinterhof haben sich wie auf dem Walk of Fame in Hollywood Stars mit Handabdrücken verewigt – allerdings keine Filmstars, sondern Stars der Literatur. Mit von der Partie: Joanne K. Rowling, die in Edinburgh manches Kapitel von Harry Potter schrieb und viele Motive in der Old Town von Edinburgh fand. Oder Ian Rankin, dessen Krimis Edinburghs dunkle Seiten zeigen.

Auf manchem Sockel, auf mancher Wand taucht das Einhorn auf, das schottische Nationaltier. Es ist das stärkste aller Tiere, das nur von einer Jungfrau gebändigt werden kann, erzählt die Legende. Es ist auch das einzige Tier, das einen Löwen (das Nationaltier Englands!) töten kann. 


Holyrood Palace und Parlament

Am Ende der Royal Mile liegt Holyrood Palace, der Königspalast. Ich war ein paar Minuten zu spät für die Besichtigung und kam gerade noch dazu, im Souvenir Shop einen Jubilee Tea zu kaufen. Ein paar Stunden später war die Queen tot, der Palast wurde für Tage verriegelt und ich habe ihn nur von außen gesehen. Ein Grund zum Wiederkommen. Gegenüber vom Palast ein Bau des katalanischen Architekten Enric Miralles aus dem Jahr 2004: das Scotish Parliament Building. Das schottische Parlament tagt erst seit rund 25 Jahren wieder. Parlamentsferien von 1707 bis 1999 sozusagen. Aber das ist eine lange Geschichte, die viele Bücher füllt. Hier bekam es auf jeden Fall ein Zuhause und du kannst du dich einer kostenlosen Führung anschließen. 

Hinter dem Palast geht es zum Arthur’s Seat, dem Gipfel eines erloschenen Vulkans. In rund 45 Minuten wanderst du ca. 250 Meter bergauf und genießt einen Panoramablick über Edinburgh bis zur Küste. Wenn das Wetter mitspielt!

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Highlights in Edinburgh: Holyrood Palace, die offizielle Residenz des britischen Königs in Schottland
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Highlights in Edinburgh: das Schottische Parlament

Viktoria Street und Grassmarket

Eine Lieblingsstraße ist die Viktoria Street mit elegantem Schwung und kunterbunten Häuser. Hier findest du Läden, die nicht Massenware, sondern besondere Schottland-Souvenirs verkaufen. Auch Harry-Potter-Fans pilgern hierher, denn man munkelt, dass die Viktoria Street Vorbild für die Winkelgasse war, in der Zauberlehrlinge einkaufen. Sie mündet auf den Grassmarket. Wo man früher Vieh handelte und zum Tode Verurteilte am Galgen baumelten, reihen sich heute Pubs aneinander. Zum Beispiel der von Maggie der Fischhändlerin, die den Galgen überlebte. Jedes Mal, wenn ich den Grassmarket passierte, musste ich zwanghaft in Mary’s Milk Bar einkehren, wo es das beste Eis der Stadt gibt. 


Stadtführungen in Edinburgh

Mal keine Lust allein auf Entdeckungsreise zu gehen? Es gibt eine Riesenauswahl an Stadtführungen für jeden Geschmack. Mein Favorit war die Tour mit Angus von Invisible Cities. Das Sozialunternehmens gibt ehemaligen Obdachlosen eine neue Aufgabe. Dank Angus habe ich die Royal Mile mit den Augen der Schmuggler, Fischweiber und Leichengräber gesehen und jede Menge über die Bausubstanz gelernt, weil Angus in seinem früheren Leben Bauarbeiter war. 

Sehr nett war auch die Food Tour mit Maggie, die ihre kleine Gruppe von der Old zur New Town führte – mit vier Stopps in Lokalen. In jedem davon gab es einen Gang inklusive Getränken. Köstlich war der Spritz mit schottischem Himbeer-Gin statt Aperol. Und für mich gab’s immer eine tolle fleischlose Alternative zu Haggis & Co, die köstlich war. Der Whiskey dazu rauchte in der Kehle.


Die Big Three: Museen in Edinburgh (National Museum, National Gallery, Modern Art Gallery)

Eine Stadt lernt man nur kennen, wenn man sich die Füße wund läuft, oder? Auf Städtereisen laufe ich, was das Zeug hält. Museen sind für mich bei der ersten Begegnung mit einer Stadt Schlechtwetterprogramm. Im National Museum of Scotland strandete ich denn auch bei strömendem Regen. Aber ich war hin und weg und hätte eine Woche dort verbringen können. Ein Ort des Wissens, des Staunens, des Lächelns. Kulturgeschichte, Mode und Industriedesign, Wissenschaft und die Zukunft der Mobilität – alles kurzweilig, fantasievoll und zum Anfassen präsentiert. Und dann auch noch kostenlos. Unbedingt anschauen – auch bei strahlendem Sonnenschein!

Die Scottish National Gallery mit der nationalen Kunstsammlung Schottlands habe ich nicht von innen gesehen – einfach nicht mehr geschafft. Hier steht die Malerei im Fokus – schottische genauso wie internationale Künstler von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert. Sie ist fürs nächste Mal fest eingeplant. Immerhin bin ich im Scotish Café & Restaurant des Museums eingekehrt, wo es liebevoll komponierte regionale Gerichte gibt – und tolle Süßigkeiten wie diese Scones mit Clotted Cream und Konfitüre. Die National Gallery liegt übrigens direkt an den Princess Gardens und damit bist du auch schon fast in New Town. 

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Süße Sünden am Nachmittag: Scones mit Clotted Cream und Konfitüre

Wenn du die Nummer drei der großen Museen von Edinburgh mitnehmen willst – es fährt manchmal ein Gallery Bus, was sehr komfortabel ist. Ansonsten erreichst du die Modern Art Gallery über Dean Village (siehe unten).

Die Scottish National Gallery of Modern Art verteilt sich gleich auf zwei Häuser, die beide von Gärten umgeben sind. Landschaftskunst von Charles Jencks gibt es dort zu entdecken oder Skulpturen von Magiern moderner Kunst wie Barbara Hepworth stimmen auf die Ausstellungen in den Innenräumen ein. „Everything is going to be alright“, steht in Neon-Schrift über dem Eingangsportal. Und es wird bestimmt alles gut mit soviel Kunst, die Seelen trösten kann. Ein schönes Café gibt’s natürlich auch.


Highlights in Edinburgh – New Town

Die Princess Gardens trennen die Old Town von der New Town – eine grüne Oase mit tollem Blick auf die Burg und an Sommertagen der Platz zum Spazierengehen, Picknicken und Leutegucken. An der Kreuzung zu The Mound liegt die Floral Clock, die Blumenuhr, die Gärtner jedes Jahr im Sommer seit mehr als 100 Jahren aus bis zu 30 000 Pflanzen gestalten.


Wenn du ein Stück weiterläufst. landest du auf dem wunderbar verwunschenen Friedhof der Gemeindekirche St Cuthbert, für mich ein besonders romantischer Winkel der Stadt. An der Stelle, wo heute die neogotische Kirche steht, bauten man im 7. Jahrhundert das älteste Gotteshaus der Stadt. In St Cuthbert heiratete die Lady of Crime – Agatha Christie – und Schmuckstück ist ein Tiffany-Fenster, das David auf dem Weg zum Kampf gegen Goliath zeigt.


Die New Town ist nicht so neu, wie der Name vermuten lässt. Sie entstand im 18. Jahrhundert, als die Old Town aus allen Nähten platzte. Breite, rechtwinklig angelegte Straßen entsprachen dem Zeitgeist und in eleganten georgianischen Town Houses waren die Wohlhabenden fortan unter sich. Die Gegend zwischen St. Andrews Square und Charlotte Square, wo die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon wohnt, sind immer noch feine Wohnadressen. Im Zentrum thront Prinz Albert, der Göttergatte von Queen Victoria.

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Charlotte Square in New Town mit dem Denkmal für Prinz Albert

New Town ist aber der Ort zum Shoppen. Vor allem in der Princess Street reihen sich die Kaufhäuser aneinander. Ein Hingucker ist das viktorianische Monument für Nationaldichter Sir Walter Scott, das ein bisschen wie ein Kirchturm ohne Kirche aussieht. Das mit 61 Meter Höhe größte Denkmal, das jemals einem Dichter gesetzt wurde, ist auch beliebter Aussichtsturm. Nicht weit davon die feinste Bleibe der Stadt, die selbst eine Sehenswürdigkeit ist: das Balmoral Hotel aus dem Jahr 1902 neben der Waverley Station, wo schon viele Berühmtheiten nächtigten. Hier schrieb J.K. Rowling angeblich die letzten Kapitel von Harry Potter. Vielleicht gönnst du dir ja die Tea Time im Palm Court – kein Schnäppchen, aber sehr stilvoll.

Am Rande von Newtown liegt der Calton Hill, einer der Hügel der Stadt, und der perfekte Platz für den Sunset zum Beispiel. Nach 10 Minuten Fußweg stehst du vor den Säulen des unvollendeten National Monument, das an den Parthenon in Athen erinnert. Hier liegt dir Edinburgh zu Füßen. Bei Sonnenschein zumindest. Ich marschierte bei solidem Wetter los, stand oben im Regen und blickte nur auf Wolkenberge. Keine Sicht und keine Fotos. Scottish weather! 

Gastro-Tipp: Die Weinbar Le Di-Vin (9 Randolph Place Off Queensferry Street) in einer ehemaligen Kirche serviert gute Weine, dazu Platten mit schottischem Lachs und feinen Käsespezialitäten. Supernette Atmosphäre!

Süße Sünden aus dem UK

Drei coole Stadtviertel: Dean, Stockbridge und Leith

Romantisches Dean Village

An den Waters of Leith – 15 Minuten Fußmarsch von der New Town entfernt – liegt Dean Village. Im Mittelalter ein Dorf vor den Toren der Stadt, in dem hauptsächlich Müller lebten. Der River Leith trieb damals mindestens 10 Getreidemühlen an, woran noch der ein oder andere Mühlstein am Wegesrand erinnert. Heute ein beliebter kleiner Stadtteil mit viel Romantikflair und tollen Fotomotiven. Immer am Water of Leith entlang kannst du von der Dean Bridge bis zur National Gallery of Modern Art (siehe oben) laufen und unterwegs schon mal das erste Kunstwerk entdecken: der erste Teil der Installation „6 Times“ von Antony Gormley. Fünf weitere Figuren entdeckst du, wenn du immer am Leith entlang bis zum Hafen von Leith läufst.

Trendy Stockbridge

Nächste Station: Stockbridge, das du ebenfalls auf dem Water of Leith Path erreichst. Die Häuser sind deutlich schmuckloser als in der New Town nebenan, die Mieten aber auch nicht mehr wirklich günstig, denn Stockbridge ist megatrendy. Es gibt Buchhandlungen mit Botschaft wie der Rare Birds Bookshop, in dem nur Bücher von Frauen in den Regalen stehen. Dazu unzählige kleine Cafés und Konditoreien neben Wäschereien, Gemüseläden und Sozialkaufhäusern. Ein bisschen schick, aber noch nicht total durchgentrifiziert. Ein Wohnviertel, in dem wohl jeder gern wohnen würde. Sonntags ist der Stockbridge Farmers Market mit Köstlichkeiten aus der Region „the place to be“.

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Highlights in Edinburgh: Circus Lane in Stockbridge

Um die Ecke liegt der Inverleith Park und mittendrin, wo der Royal Botanic Garden liegt, der zu den schönsten botanischen Gärten Europas zählt. Obwohl das viktorianische Palmenhaus, auf das ich mich gefreut hatte, noch restauriert wurde, verbrachte ich zwei wunderbare Stunden im Grünen. Mal fühle ich mich wie in der Toskana, mal wie in den Highlands. Pflanzensammler waren am Werk im Auftrag des Empire in aller Welt unterwegs und sammelten seltene Gewächse, die heute Kolonialgeschichte erzählen. Eines meiner Lieblingsthemen, zu dem ich gerade ein wunderbares Buch entdeckt habe (siehe unten). 

Buchtipp: Ambra Edwards: Pflanzenjäger, 2022


Edinburghs Hafen: Leith

An warmen Sommerabenden (auch die gibt es in Schottland!) sitzt gefühlt halb Edinburgh vor den Pubs und Restaurants in Leith, an der Mündung des Flusses Leith in die Nordsee, oder steht mit einem Drink in der Hand am Wasser. Leith war Schottlands wichtigster Handelshafen, und einst legten hier die Segelschiffe mit Luxusprodukten aus dem Empire an. Lange vorbei. In den 1980er-Jahren verkam Leith zum Drogenumschlagplatz. Davon handelt der Kultfilm Trainspotting, der in Leith gedreht wurde.

Aber auch die Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Ein gibt noch immer ein bisschen raue Industrieatmosphäre, aber zumindest am Wasser ist Leith längst sehr angesagt – mit reichlich schicken Lokalen, darunter mehreren Sternerestaurants. Es lebt aber auch noch die Subkultur: Viellicht schaust du am Wochenende auf dem Street-Food-Market in The Pitt vorbei, im Kulturzentrum Leith Theatre oder in der Biscuit Factory, einem Zentrum für Kunst und Mode in einer ehemaligen Keksfabrik.

Die meisten Besucher in Leith steuern aber das Ocean Terminal an, ein Shopping Center, vor dem die 1997 ausgemusterte Royal Yacht Britannia, nun Museumsschiff, ankert. Per Audioguide kannst du das einstige schwimmende Ferienhaus der Royals erkunden, wo die Queen und ihre Familie ein paar Tage im Jahr etwas genossen, das viel kostbarer ist als goldene Wasserhähne: Privatsphäre. Du siehst das Schlafzimmer, in dem Charles und Diana die Hochzeitsnacht verbrachten und fühlst dich ein bisschen wie ein Voyeur. Ein sehr besonderes Museum – nicht nur für Fans der Royals! 


Kleine Entdeckung: der Union Canal

Manche Orte entdeckt man zufällig, indem man sich verirrt. So ging es mir mit dem Union Canal, der in meinem Reiseführer keine Erwähnung fand. Ich stand da und schaute und staunte vor diesem Monument der Industriegeschichte, an dem die Zeit vorbeiging. Im 19. und frühen 20. Jahrhunderte waren hier Frachter mit Kohle unterwegs und an seinen Ufern lebten Arbeiterfamilien. Wie die Familie von Ex-James Bond Sean Connery. Der kleine Sean fischte im Kanal mit den Seidenstrümpfen seiner Mutter, ist auf einer Infotafel zu lesen. Der Union Canal wurde vor ein paar Jahren wachgeküsst und ist seither bei den Locals beliebt zum Spazierengehen und Radeln. In der Umgebung entstehen schicke Apartmentanlagen, was nicht jedem gefällt.


Ausflug nach Rosslyn Chapel

Hast du den Megabestseller Sakrileg von Dan Brown gelesen oder die Verfilmung gesehen? Eine Hauptrolle spielte darin eine Kirche in Schottland: Rosslyn Chapel bei Edinburgh. Im Stil der Spätgotik ließ William St. Clair dir Kirche unweit seiner Burg im ausgehenden 15. Jahrhundert erbauen. Ein Mann, der von normannischen Rittern abstammte, die 1066 mit Wilhelm dem Eroberer auf die Britischen Inseln gekommen waren.

Mit der Reformation unter Heinrich VIII. wurde die Kirche aufgegeben und von der Natur überwuchert. Im viktorianischen Zeitalter gab es Schönheitsreparaturen, doch erst im 20. Jahrhundert brachten Restauratoren die ganze Schönheit der Kapelle wieder zum Vorschein. Vor allem im Kirchenschiff, wo man nicht fotografieren darf.


Es kamen damals kaum 20 000 Besucher im Jahr – zu wenig, um die Kosten für die Erhaltung zu decken. Dann hörte Dan Brown von einem geheimnisvollen Gemäuer, in dem der Schatz der Tempelritter und der Heilige Gral versteckt sein sollen. Der Rest ist bekannt: Das Buch wurde zum Welterfolg, weil der Vatikan es mit einem Bann belegte. Ein Filmteam reiste nach Schottland und fortan erlebte Rosslyn Chapel einen Besucheransturm, der auch 20 Jahre nach Erscheinen des Buches noch nicht abgerissen ist.

Ich kann mir vorstellen, wie es hier vor vor dem großen Boom ausgesehen hat – ohne Visitor Center und ohne Busparkplatz. Ein mystischer Platz muss Rosslyn Chapel gewesen sein. Als ich kurz vor 9 Uhr eintraf, parkten bereits fünf Busse vorm Eingang und Besuchermassen drängen in die Kirche.

Doch plötzlich waren die Reisegruppen verschwunden – weitergehetzt zum nächsten Besichtigungspunkt – und ich hatte die Kirche mit ihrer mittelalterlichen Zauberwelt für ein paar Minuten zumindest für mich ganz allein. Bibelgeschichten erzählten die Steinmetze, meißelten aber auch die Todsünden und Fratzen von grünen Männern aus dem Stein. Dazu anmutig musizierende Engel – einer davon mit Dudelsack. Die früheste Darstellung eines Dudelsacks überhaupt. Wunderschön!

Dazu geheimnisvolle Muster und Symbole, die die Fantasie beschäftigen. Tatsächlich Hinweise auf Geheimkulte? Wahrscheinlich wurde das ein oder andere Detail erst im 19. Jahrhundert hinzugefügt. Auch über die zugemauerte Krypta, die in Sakrileg eine Hauptrolle speilt, wurde reichlich spekuliert. Birgt sie den Schatz des Ritterordens der Templer, den es bei Baubeginn gar nicht mehr gab, oder den mumifiziertem Kopf Jesu oder die schottischen Kronjuwelen? Wahrscheinlich alles Blödsinn.

Der wahre Schatz ist die Kirche selbst mit ihren kleinen Geschichten und Geheimnissen. Sieht nicht eine der Pflanzen aus Sandstein wie Mais aus? Der kam aber erst nach Kolumbus nach Europa – nach dem Bau der Kirche. Ich schwebte ein bisschen über dem Boden, als ich mich auf den Rückweg nach Edinburgh machte.

Praktische Infos für deine Städtereise nach Edinburgh

Übernachten in Edinburgh

Ich habe im Budget-Boutique Point A am Haymarket übernachtet: Die Zimmer sind minimalistisch, aber stylisch, das Frühstück ist lecker, das Personal reizend und die Lage prima. Ein perfekter Ausgangspunkt für eine Städtereise nach Edinburgh.

Unterwegs in Edinburgh

  • Vom Airport in die City Mit dem Flughafenbus Airlink 100 (4,50 GBP) kommst du in ca. 30 Minuten in die City. Die Tram kostet 6,50 GBP, ein Taxi 15–20 GBP.
  • Unterwegs in der Stadt Die Innenstadt kannst die problemlos zu Fuß erkunden, ansonsten ist sind die Stadtbusse zuverlässig und günstig (Einzelfahrt 1,80, Tagesticket 4,50 GBP ). Das Trambahnnetz wird ausgebaut, denn bis 2030 soll die Innenstadt weitgehend autofrei sein.
  • Ins Grüne und an die Küste Nach North Berwick beispielsweise kommst du prima mit dem Zug am besten mit dem Zug (2,60 GBP one way nach North Berwick). Rosslyn Chapel erreichst du mit dem Bus Nr. 37 (3–5 GBP).

Offenlegung: Ich habe Edinburgh im Rahmen einer Pressereise besucht. Flug und Unterkunft übernahm freundlicherweise VisitScotland. Die Einladung hatte keinen Einfluss auf meine Meinung.

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12 Kommentare

  • Susan
    7. November 2022 at 16:02

    Hallo Elke,

    dein Beitrag macht richtig Lust, gleich wieder nach Edinburgh zu reisen. So viel, was ich bei unserer letzten Reise nach Edinburgh zu Festival Zeiten nicht gesehen habe, einfach, weil die Stadt so voll war, sodass wir uns im Umland umgesehen haben. Rosslyn Chapel ist mir aber durch die Lappen gegangen, auch wenn ich Dan Brown vor vielen Jahren gelesen habe. Ich habe mir jedenfalls gleich ein Lesezeichen auf deinen Beitrag gesetzt, damit ich vor der nächsten Edinburgh Reise noch einmal nachschauen kann, was ich bisher alles verpasst habe.
    Liebe Grüsse Susan

    Antwort
    • Elke
      7. November 2022 at 17:06

      Liebe Susan,
      Edinburgh in Festivallaune muss auch toll sein – aber ganz sicher entsetzlich voll! Im September waren immer noch sehr viele Leute unterwegs. Kaum war ich angekommen, starb die Queen, was meinen Citytrip ein bisschen verkomplizierte. Aber sonst hätte ich einige versteckte Highlights vermutlich gar nicht entdeckt. Wiederkommen lohnt sich auf jeden Fall!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Britta
    7. November 2022 at 16:55

    Liebe Elke,
    Edinburgh und ganz Schottland stehen schon sehr lange auf meiner Reiseliste und ich hoffe sehr, dass ich es demnächst endlich schaffe! Deine Tipps habe ich mir auf jeden Fall direkt vorgemerkt 🙂
    Viele Grüße
    Britta

    Antwort
    • Elke
      7. November 2022 at 17:07

      Liebe Britta,
      Schottland und die Bretagne ergänzen sich bestens und auch das Wetter ist sehr ähnlich ;-). Freut mich, wenn ich ein bisschen Lust auf Edinburgh machen konnte!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Julia
    7. November 2022 at 18:12

    Ach nach Edinburgh würde ich auch gerne noch al. Das letzte Mal ist schon bestimmt 12 Jahre her…

    Antwort
    • Elke
      7. November 2022 at 18:24

      Liebe Julia
      bei mir war der erste Besuch auch ziemlich genau 12 Jahre her. Da tut sich ja doch viel in einer Stadt. Edinburgh ist auf jeden Fall immer eine Reise wert!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Marie Schade
    7. November 2022 at 18:13

    Liebe Elke,
    bis jetzt wusste ich nicht, wie schön Schottland und vor allem Edinburg ist. Dein interessanter und bildreicher Beitrag hat gezeigt, dass ich eine völlig falsche Vorstellung hatte. Er macht richtig Lust, dorthin zu fahren und Deinen Tipps zu folgen.
    Liebe Grüße
    Marie

    Antwort
    • Elke
      7. November 2022 at 18:27

      Liebe Marie,
      ich war im Nachhinein ein bisschen traurig, dass ich mir nicht mehr Zeit für Schottland genommen hatte. Für nächstes Jahr ist ein Roadtrip durch die Highlands fest eingeplant. Und ich bin sicher, es würde dir gefallen!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Romy
    8. November 2022 at 13:54

    Leider hatte ich nur mal einen halben Tag in Edinburgh. Aber Dein Beitrag macht Lust auf mehr! Vor allem wusste ich nicht, dass Rosslyn Chapel so nah ist! Danke für all die Tipps.

    Antwort
    • Elke
      8. November 2022 at 15:28

      Liebe Romy,
      ein Tag ist definitiv zu wenig für Edinburgh. Es gibt viel zu entdecken – auch in der Umgebung. Rosslyn Chapel ist ein Schatzkästchen!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Dagmar
    9. November 2022 at 20:38

    wow, das ist mal ein sehr umfangreicher Beitrag zu Edinburgh. Die schottische Stadt steht schon seit längerem auf meiner Wunschliste.

    Antwort
    • Elke
      9. November 2022 at 22:56

      Liebe Dagmar,
      Edinburgh ist tatsächlich eine tolle Stadt, für die man sich länger als einen Tag Zeit nehmen sollte. Einfach mal hinfahren!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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