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Bayern / Kunst & Kultur

Zwischenstopp in Bamberg – eine fränkische Stadtperle

Zwischenstopp in Bamberg: Rathaus und Regnitz

Nach Stunden auf der Autobahn muss ich zwischendurch einfach mal eine Abfahrt nehmen und neue Eindrücke sammeln. Geht dir das auch so? Auch eine längere Bahnfahrt unterbreche ich ab und zu und schaue mir eine Stadt an, die ich noch nicht kenne. Bamberg stand schon lange auf der Liste und so habe ich mir 2,5 Stunden Zeit genommen für einen Zwischenstopp in Bamberg. Natürlich nicht genug Zeit, um die Stadt wirklich kennenzulernen, aber genug für einen ersten Eindruck. Und jetzt weiß ich: Ich komme mit mehr Zeit wieder, denn auch die Umgebung von Bamberg hat einiges zu bieten. Hier nehme ich dich aber erstmal mit auf einen kleinen Stadtrundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Bamberg.

UNESCO-Welterbe Bamberg

Seit 1993 schon zählt die Altstadt von Bamberg zum UNESCO-Weltkulturerbe und feiert damit 2023 ihr 30jähriges Jubiläum als Welterbestätte. Zur Altstadt gehören drei Stadtviertel: die Bergstadt, das geistige Zentrum des mittelalterlichen Bamberg mit Dom und Bischofssitz; die bürgerliche Inselstadt mit ihrem Mix aus Fachwerk und Barock sowie dem Handwerker-Quartier Klein-Venedig und schließlich die Gärtnerstadt


Mein erster Anlaufpunkt ist deshalb das Zentrum Welterbe Bamberg, das in einer ehemaligen Mühle liegt, Hier bekomme ich die nötige Orientierung. Jedem der drei Stadtteile Bambergs ist ein Bereich gewidmet. Heute habe ich nur Zeit für eine Stippvisite in Bergstadt und Inselstadt, die Gärtnerstadt hebe ich mir für den nächsten Besuch in Bamberg auf.

Ich lerne im Welterbezentrum auf jeden Fall, dass die Gärtnerstadt zur Versorgung der Stadt angelegt wurde und dort immer noch Gemüse und Obst – darunter Bamberger Spezialitäten wie die Kartoffelsorte Hörnla – angebaut werden. Im 16. und 17. Jahrhundert aber war Süßholz der Exportschlager der Stadt.

Bamberger Süßholz

Der Ausdruck „Süßholz raspeln“ ( jemandem schmeicheln wollen) klingt heute ein bisschen aus der Zeit gefallen, verrät aber, dass Süßholz einst recht bedeutend war. Und die Wurzeln, die bis zu acht Meter lang werden können, raspelte man früher tatsächlich. Wie der Name vermuten lässt, schmeckt Süßholz süß. Aus dem eingedickten Wurzelsaft entsteht Lakritz, aber man nutzte ihn auch als Heilmittel gegen Husten. Als Kunst galt, die Wurzelmonster ans Tageslicht zu befördern, ohne es zu verletzen. Nach und nach ging die Kunst des Süßholzanbaus verloren, vor ein paar Jahren wurde sie in der Bamberger Gärtnerstadt aber wiederbelebt. Solche Geschichten liebe ich. Ein Grund zum Wiederkommen. 

Die Stadtgründer Kaiser Heinrich II. und Gattin Kunigunde kommen im Welterbezentrum zu Wort und es gibt viel zum Anfassen und Mitmachen – perfekt für Familien mit Kindern. Sehr nette Spielerei für alle, die gar nicht auf die Stadtbesichtigung vorbereitet sind: die „Touren-Maschine“, wo man Wetter und Interessen eingeben und sich einen persönlichen Tourenvorschlag aufs Smartphone schicken lassen kann.

Zentrum Welterbe Bamberg

  • Adresse Untere Mühlbrücke 5
  • Öffnungszeiten täglich 11–16 Uhr
  • Eintritt: frei
  • Weitere Informationen: welterbe.bamberg.de

Das Inselrathaus in Bamberg

Nur ein paar Schritte vom Welterbezentrum entfernt das erste Highlight: das alte Alte Rathaus auf einer Insel in der Regnitz und zwischen Berg- und Inselstadt. Die Legende erzählt, dass der Bischof von Bamberg den Bürgern keinen Platz für ein Rathaus zur Verfügung stellen wollte. Daraufhin rammten sie einfach Pfähle in die Regnitz und bauten ihr Rathaus auf einer künstlichen Insel. Das sagt schon einiges über das Machtstreben des Bürgertums im späten Mittelalter aus. 

Zwischenstopp in Bamberg: Rathaus
Zwischenstopp in Bamberg: Altes Rathaus auf einer Insel in der Regnitz

Das Alte Museum ist ein mittelalterliches Juwel, das mit den Baumoden der folgenden Jahrhunderte sein Gesicht veränderte: Vorne ragt die mittelalterliche Fachwerkfassade auf, an den Seiten dagegen farbige und sehr plastische Fresken im Trompe-l’œil-Stil.

Zwischenstopp in Bamberg: Rathaus
Zwischenstopp in Bamberg: Fassadenmalereien am Alten Rathaus

Wie der Name schon erahnen lässt: Das Alte Rathaus ist heute Museum, die Stadtverwaltung ist längst in ein größeres Gebäude am Maximiliansplatz umgezogen. Innen findet sich neben einem Rokoko-Festsaal die sehr sehenswerte Porzellansammlung Ludwig. In der Weihnachtszeit lockt außerdem eine barocke Großkrippe mit 450 Figuren.

Altes Rathaus

  • Adresse: Obere Brücke
  • Öffnungszeiten der Sammlung: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr
  • Eintritt: Erwachsene 6 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei
  • Weitere Informationen: https://museum.bamberg.de

Fake-Barock in der Bamberger Inselstadt 

Jetzt laufe ich aber erstmal in Richtung Bergstadt – vorbei an unzähligen barocken Bürgerhäusern. Erst wenn du von der Seite schaust, fällt die Mogelpackung auf: Die meisten vermeintlichen Barockbauten sind mittelalterliche Fachwerkhäuser, denen eine Barockfassade vorgeblendet wurde. Fake-Barock also. Des Rätsels Lösung: Im 18. Jahrhundert waren die Bamberger Fürstbischöfe Fans moderner Architektur und wünschten sich ein einheitliches Stadtbild im Stil des Barock. Umgestaltungen der Bamberger Bürger förderten sie mit Steuererleichterungen für Bauherren und Bereitstellung günstiger Baustoffe. Im Welterbezentrum kannst du am Barock-O-Mat deine eigene Barockfassade entwerfen.


Du kannst für den Weg zur Bergstadt die Fußgängerzone wählen, die sich vom Maximiliansplatz durch die Inselstadt zieht und bekommst einen Eindruck vom Reichtum der Stadt durch die Jahrhunderte. Kein Wunder, die fränkische Stadt war ein wichtiger Marktplatz zwischen Nürnberg und Frankfurt. Und auch heute noch ist die Innenstadt beliebtes Ziel zum Shoppen.

Die Bamberger Brücken

Die Brücken vor und hinter dem Rathaus sind Orte zum Sehen und gesehen werden und tolle Aussichtspunkte – auf Klein-Venedig zum Beispiel, wo ich später noch unterwegs sein werde. Dass Bamberg nicht in Ehrfurcht vor der großen Vergangenheit erstarrt ist, zeigt hier und da ein modernes Kunstwerk. Aber auch die historischen Hebekräne an der Regnitz fügen sich – längst ihrer Funktion beraubt – wie Kunstinstallationen ins Stadtbild ein. 

Bamberger Bergstadt mit dem Dom

Treppauf und treppab geht es zur Bergstadt mit dem Dom, der das Herz der Bergstadt ist. Aber auch ringsum prächtige Architektur: In der Neuen Residenz gegenüber vom Dom residierten die Fürstbischöfe in großer Pracht. Über Machtstreben und Vorliebe für Glanz und Glamour der Gottesmänner mag man denken, wie man will – das Bauensemble ist zweifellos prächtig. Gegenüber liegt das erste Domizil der geistlichen Herrscher: die Alte Hofhaltung.

Die neue Residenz

Zwischenstopp in Bamberg: Residenz
Zwischenstopp in Bamberg: Neue Residenz der Fürstbischöfe

Die Neue Residenz vereint bauhistorisch Renaissance und Barock und 1604 bezogen die Bamberger Fürstbischöfe das Gebäude, denen die Hofhaltung gegenüber nicht mehr gut genug war. Ab 1803 war der Bamberger Prunkbau königliche Residenz, die Herzog Wilhelm, Maximilian II. und Otto von Wittelsbach nutzten. Heute ist hier die Staatsbibliothek Bamberg untergebracht, außerdem kannst du 40 Prunkräume besichtigen.


Mein Highlight: der gut versteckte Rosengarten. Durch ein Schlupfloch im nördlichen Teil der Residenz, kommst du in den Garten der Fürstbischöfe, wo Besuchern im Sommer vermutlich eine zarte Duftwolke entgegenweht, dann dann blühen hier 4500 Rosen. Ende April kann ich das nur erahnen. Ein weiterer Grund zum Wiederkommen. Den Garten entwarf Mitte des 18. Jahrhunderts Balthasar Neumann im Auftrag von Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn. Ein klassischer französischer Garten mit einem Wasserbecken zwischen den symmetrisch angelegten Beeten. Trotz fehlender Blütenpracht bei meinem Besuch – allein der Blick auf die Altstadt von hier oben war unbedingt den Abstecher wert. 

Die Alte Hofhaltung

Durch die „schöne Pforte“ neben dem Dom gelangst du in einen kopfsteingepflasterten Innenhof mit dem spätgotischen Fachwerkgebäude der Alten Hofhaltung. Sie war der erste Sitz der Fürstbischöfe. Feinstes Mittelalter! Perfekt als Filmkulisse. Und tatsächlich drehte man hier 2011 Szenen des Abenteuerklassikers Die drei Musketiere. Heute ist in der Alten Hofhaltung das Historische Museum der Stadt Bamberg untergebracht, in der Katharinenkapelle finden Konzerte und andere Events statt und sie dient außerdem als Standesamt.

Bamberger Dom

Der Kaiserdom St. Peter und St. Georg gehört zu den Vermächtnissen von Kaiser Heinrich II. und erhebt sich wahrhaft kaiserlich über der Stadt. Heinrichs Bau stammte aus dem zweiten Jahr des zweiten 2. Jahrtausends, wurde 1012 nach nur 10jähriger Bauzeit fertiggestellt. Er brannte ab, wie auch der Nachfolgebau. Keine Seltenheit im Mittelalter. Aber der dritte Versuch, der stilistisch Spätromanik und Frühgotik vereinte, überdauerte die Zeiten. Ein mittelalterliches Meisterstück – von außen wie von innen. Und einer von acht Kaiserdomen in Deutschland – neben Mainz, Worms, Speyer, Aachen, Königslutter, Magdeburg und Frankfurt.

Heinrich und Kunigunde

Heinrich II. und seine Kunigunde, an denen in Bamberg kein Weg vorbeiführt, lebten an der Wende zum 1. Jahrtausend. Bamberg war das Hochzeitsgeschenk von Heinrich an Kunigunde und beide legten den Grundstein zum Bamberger Dom.


Im Dom gehört das Hochgrab des Kaiserpaars Kunigunde und Heinrich II., gestaltet von Tilmann Riemenschneider, zu den Schätzen, aber auch der Marienaltar von Veit Stoß und das einzige Papstgrab nördlich der Alpen, in dem Clemens II. (1005–1047) begraben liegt. Noch berühmter ist aber das mysteriöse lebensgroße Standbild des Bamberger Reiters. Man weiß weder, wer dargestellt ist, noch wer der Künstler war.

Bamberger Dom

  • Adresse Domplatz
  • Öffnungszeiten April bis Oktober: Montag bis Mittwoch 9–18 Uhr, Donnerstag und Freitag 9.30–18 Uhr | Samstag 9–16.30 Uhr, Sonntag 13–18 Uhr.
  • Eintritt: frei
  • Weitere Informationen: https://bamberger-dom.de

Klein-Venedig an der Regnitz

Warum bloß immer diese Vergleiche! Hätte Bamberg gar nicht nötig. Das Bamberger Klein-Venedig mit den windschiefen Häusern am Ufer der Regnitz, die träge dahinfließt, ist auf jeden Fall bildhübsch. Manche der Fachwerkhäuser der ehemaligen Fischersiedlung haben Gärten, Anlegestellen für Boote und winzige Terrassen direkt am Wasser. Ein Träumchen. Und deutlich idyllischer als das überfüllte Venedig.

Bamberger Bier

Das Bierbrauen hat in Bamberg eine lange Tradition, die erste Bamberger Brauerei soll 1122 eröffnet worden sein. Mindestens elf Brauereien gibt es heute, nach anderen Zählungen sogar 15. Unweigerlich landest du beim Stadtspaziergang in der Dominikanerstraße beziehungsweise der Oberen Sandstraße, wo die Bierfans an warmen Abenden mit dem „Gassenbier“ in der Hand auf der Straße stehen.


In der berühmten Brauerei Schlenkerla kannst du das typische rabenschwarze Rauchbier probieren, an dem sich die Geschmäcker scheiden. Es riecht wie Räucherschinken, aber erstaunlicherweise hat es mir geschmeckt. Wenn das Wetter nicht mitspielt, kannst du das Bier natürlich auch in der Gaststube probieren. Eine weitere Bamberger Spezialsorte ist der „Bambergator“ der Brauerei Fässla mit stattlichen 8,5% Alkoholgehalt.

Zwischenstopp in Bamberg – Hinkommen und Rumkommen

Hinkommen Bamberg ist bestens ans Netz der Deutschen Bahn angeschlossen und liegt außerdem am Autobahnkreuz von A70 und A73 – ist also auch mit dem PKW gut erreichbar.

Rumkommen Bamberg ist ein Paradies für Fußgänger. Vom Bahnhof läufst du in rund 15 Minuten bis in die Altstadt.

Zeitbudget Der beschriebene Rundgang ist problemlos in 2–3 Stunden machbar, aber zum Genießen solltest du mindestens einen Tag, besser ein Wochenende einplanen.

Offenlegung: Die Recherche in Bamberg erfolgte auf Einladung von FrankenTourismus und Forchheim erleben. Vielen Dank für die Unterstützung!

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