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Tagesausflug Burghausen – zur längsten Burg der Welt

Blick vom Aussichtspunkt in Ach auf das Gesamtensemble von Burghausen mit Stadt, Burg und Salzach

Burg, Altstadt, Badesee: Zwei Stunden östlich von München liegt eine wunderbare kleine Stadt, die alle Zutaten zu einem perfekten Ausflugsziel hat – auch mit 9-Euro-Ticket. Hier findest du alle Infos für deinen Tagesausflug Burghausen.

Burghausen an der Salzach gehört zum Landkreis Altötting. Ein Name, bei dem die Katholiken vor allem an die Schwarze Madonna denken. In Burghausen dagegen steht ein Meisterwerk der profanen Baukunst im Fokus: Auf dem Hügel oberhalb der Altstadt liegt die Burg Burghausen, die mit mehr als 1000 Metern Länge das längste mittelalterliche Befestigungswerk Europas ist. Ob auch die längste Burg der Welt, ist umstritten. Aber Weltrekord oder nicht – höchst beeindruckend ist sie auf jeden Fall! Scheinbar endlos ziehen sich Mauern, Zinnen und, Türme, Lagerhäuser, Wehrtürme und Wohnräume über die schmale Bergzunge. 1255–1503 war die Burg die Zweitresidenz der in Landshut residierenden niederbayerischen Herzöge, die über beträchtlichen Wohlstand verfügten und in Burghausen ihren Gold- und Silberschatz verwahrten.

Der Burg zu Füßen liegt eine mittelalterliche Altstadt im Inn-Salzach-Stil wie aus dem Bilderbuch. Zu einer Seite ist sie umflossen von der Salzach, auf der anderen Seite liegt mit dem Wöhrsee einer der schönsten Badeseen Oberbayerns.

Besichtigung der Burg Burghausen

Sechs Burghöfe, ein Burgmuseum, eine Gemäldegalerie und weitere Museen, jede Menge Aussichtsplattformen, eine Schatzkammer, ein Gefängnis, mehrere Kapellen und Wachtürme. Die Burg Burghausen hat einiges zu bieten. Außerdem ist sie nach wie vor Wohnort für einige Bürger der Stadt. Nicht die schlechteste Adresse.

Bevor du die Hauptburg erreichst, musst du fünf Burghöfe passieren und spazierst unterwegs vom Hochmittelalter bis in die frühe Neuzeit auch durch die Kunst- und Architekturgeschichte. Hier findest du einen Plan der Gesamtanlage.

Tagesausflug Burghausen: die Planung

Die Bahn fährt ab München über Mühldorf/Inn in circa zwei Stunden nach Burghausen. Vom Bahnhof sind es 15 Minuten Fußweg zur Burg, für die du dir mindestens 1,5 Stunden Zeit nehmen solltest. In einem der Burghöfe gibt es ein Gasthaus und einen Kiosk. Von der Burg spazierst du in wenigen Minuten in die Altstadt, wo mehr Lokale warten. Für den besten Blick auf Stadt, Burg und Fluss läufst du über Salzachbrücke nach Ach/Österreich und stehst nach 10 Minuten am Aussichtspunkt. Quer durch die Altstadt läufst du in 10 Minuten zum Strandbad Wöhrsee.

Spaziergang durch die Vorhöfe der Burg

Der fünfte Vorhof der Burg von Burghausen, der direkt am Parkplatz liegt, war ursprünglich stark befestigt. Hier lagen auch damals Wohnhäuser, außerdem Amtsgebäude und die Werkstätten herzoglicher Handwerker. Burggraben, Zugbrücke, Wachtürme und Mauern sicherten die Burg nach Norden ab.

Diese Befestigungen wurden Anfang des 19. Jahrhunderts entfernt. Im Zentrum des Hofes steht ein Brunnenhaus mit Uhrturm und Sonnenuhr, außerdem siehst du Roßschwemme und Forstmeister-Turm, einen Wehr- und Wohnturm mit dem ehemaligen Forstgericht aus dem 14. Jahrhundert. Vom Aussichtspunkt schaust du schon mal auf den Wöhrsee, wo später die Badepause lockt, und Pulverturm.

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Burg Burghausen: Brunnenhaus im Uhrturm im ersten Vorhof

Hingucker im vierten Vorhof ist die Hedwigskapelle, ein spätgotisches Schmuckstück, das Herzog Georg der Reiche (1455–1503) für seine Frau Hedwig bauen ließ. Die polnische Königstochter Hedwig war sicher die glamouröseste Bewohnerin der Burg. An ihre Heirat mit dem Bayernherzog erinnert noch heute die Landshuter Hochzeit, die alle vier Jahre in Landshut gefeiert wird. Die Kapelle ist leider verschlossen.

Außerdem liegt im vierten Vorhof das ehemalige Hofkastenamt, wo die Einnahmen des Herzogs verwaltet wurden. Er bekam – wie damals üblich – Abgaben von der Bevölkerung in Form von Naturalien wie Getreide, Eier oder Schmalz.

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Burg Burghausen: Hedwigskapelle

Im dritten Vorhof der Burg liegt das überwucherte Aventinus-Haus – ein ausgebauter Wehrturm mit spätgotischem Treppengiebel. Dort lebte vermutlich Johannes Aventinus Anfang des 16. Jahrhunderts, der Hauslehrer der Söhne von Herzog Albrecht IV. (1447–1508).

Außerdem liegt hier die Fronfeste aus dem 16. Jahrhundert, in der Straftäter im Gefängnis schmorten. Heute ist hier ein privates Foltermuseum untergebracht. Bis zum Abriss im 19. Jahrhundert lag im Westen des Hofes der Marstall, in dem die herzoglichen Pferde sicherlich ein standesgemäßes Leben führten.

Im zweiten Vorhof liegt das Alte Zeughaus aus dem 15. Jahrhundert, in dem vor allem Waffen und Munition lagerten, aber auch Getreide für Notfälle. Nebenan der Büchsenmeister-Turm, wo der für die Verteidigungsgeräte verantwortliche Büchsenmeister wohnte. Gegenüber liegen die so genannten Pfefferbüchsen, mehrere Geschütz- und Wehrtürme in Reih und Glied. Daneben führt ein Tor durch die Burgmauer mit Fußweg zum Wöhrsee. Auch hier gibt es einen Aussichtspunkt mit tollem Blick auf Wöhrsee und Pulverturm.

Zum ersten Vorhof führt das Georgstor mit Graben und Brücke aus dem Jahr 1494 – geschmückt mit den Wappen von Bayern und Polen. Es erinnert an die Landshuter Hochzeit der polnischen Prinzessin Hedwig mit Herzog Georg von Wittelsbach.

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Georgstor mit den Wappen von Bayern und Polen zum ersten Vorhof

Wo früher Brauhaus und Pisterei dafür sorgten, dass die Burgherren nicht darben mussten, wird heute im Restaurant mit Biergarten für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt. Gegenüber führt der Burgsteig in die Altstadt hinunter.

Museen und mehr in der Hauptburg

Die Anfänge der Hauptburg lagen im 12 und 13. Jahrhundert, im 15. Jahrhundert wurde sie beträchtlich erweitert und bekam ihr heutiges Aussehen. Durch den Zwinger betrittst du den Burghof. Dort ragt der Bergfried, der Hauptturm der Burg mit Schirm- und Schießkammern, auf. Ein wehrhaftes Ensemble. Mit ein bisschen Fantasie kannst du das Klirren der Waffen und Pferdegetrappel hören.

Im Osten liegt der so genannt Dürnitzstock mit der Dürnitz, einem beheizbaren Gemeinschaftsraum, in dem der herzogliche Hofstaat speiste. Heute ist im Untergeschoss das Besucherzentrum untergebracht, der Dürnitzsaal im ersten Obergeschoss dient als Veranstaltungsraum.

Gegenüber der Dürnitz liegt die Kemenate, die die Herzogin mit dem weiblichen Hofstaat bewohnte. Hier ist heute das Stadtmuseum mit Ausstellungen zum Burgenleben im Mittelalter mit seinen Festen, Turnieren, Jagden und mehr und zur Stadtgeschichte untergebracht. Die Mitmach- und Hörstationen sind toll für Familien, Kinder können zum Beispiel ihr Geschick als Turnierreiter beweisen.

An der Spitze im Süden des Burgrückens liegt der Palas, auch Fürstenbau genannt, in dem die Wohn- und Amtsräume des Herzogs lagen. Von hier hatten die Bewohner Zugang zur Burgkapelle Sankt Elisabeth – ein spätgotisches Schmuckstück. Museumsbesucher können von oben in die Kirche blicken. In den Wohnräumen ist das Burgmuseum eingezogen, das unbedingt den Besuch lohnt. Mit Möbeln, Wandteppichen und anderen Einrichtungsgegenständen vermittelt es einen Eindruck vom Leben im Mittelalter. Im 2. und 3. Stock liegt die Staatsgalerie Burghausen mit rund 60 Gemälden aus dem Spätmittelalter und dem frühen 17. Jahrhundert.

Es lohnt sich unbedingt, bis aufs Dach zu steigen. Auf der Aussichtsplattform dort hast du 360-Grad-Blick auf die Burg, die Stadt, die Salzach und den Wöhrsee.

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Die Altstadt von Burghausen

Nach dem Besuch der Burg schlenderst du gemütlich in die denkmalgeschützte Altstadt von Burghausen an der Salzach. Bevor du dich dem Stadtplatz widmest, lohnt ein Abstecher nach Österreich.

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Weg von der Burg in die Altstadt


Die Salzach entspringt in den Kitzbühler Alpen und mündet nach 226 Kilometern bei Markl – Geburtsort von Ex-Papst Benedikt XVI. – in den Inn. Sie ist Grenzfluss zwischen Deutschland und Österreich und war vor allem zu Zeiten des Salzhandels im Mittelalter eine Größe im lukrativen Salzhandel. In Burghausen wurde das Salz, das aus den Salzbergwerken kam, verzollt, auf Flöße geladen und auf dem Wasserweg nach Passau gebracht.

Direkt hinter der Grenzbrücke – bewacht von einem Ikarus mit ausgebreiteten Schwingen – über die Salzach verläuft die Grenze. Ein steiler Fußweg ist ausgeschildert zum Aussichtspunkt. Dort liegt dir Burghausen mit der Salzach und der Burg zu Füßen. Dann geht es zurück nach Bayern.

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Blick vom Aussichtspunkt in Ach/Österreich auf Burghausen mit seiner Burg

Die Altstadt von Burghausen

Am Stadtplatz reihen sich die pastellfarbenen Giebelhäuser im Inn-Salzach-Stil nur so aneinander. Die meisten entstanden nach einem Großbrand 1504. Eine traumhafte Platzanlage. Davon, dass Burghausen kein Armenhaus ist und Steuergelder der Industrieunternehmen in der Stadt reichlich fließen, zeugen zahlreiche moderne Skulpturen und – der Radler mit Hund oder die Damen beim Einkauf zum Beispiel. Ein tollerer Kontrast zur mittelalterlichen Bausubstanz.

Burghausen ist der wichtigste Standort des ChemDelta Bavaria, des bayerischen Chemiedreiecks. Hier ist der weltgrößte Standort der Wacker Chemie AG ansässig, aber auch andere internationale Unternehmen wie OMV Deutschland GmbH, Borealis Polymere GmbH, außerdem Produktionsstandorte der Linde AG und der Vinnolit GmbH & Co. KG.

Im Viertel Grüben siedelten im Mittelalter die Handwerker. Heute liegen hier die Werkstätten von Kunsthandwerkern und etliche Second-Hand- und Antiquitätengeschäfte. Ein Hingucker mittendrin ist das Mautnerschloss. Eine Renaissanceperle mit Arkaden im Innenhof. Einst wurde von dort aus der lukrative Salzhandel überwachte, heute ist hier der„Jazzkeller“ untergebracht – Bühne für das Jazz-Festival Burghausen. An all die Jazzgrößen, die in Burghausen schon zu Gast waren, erinnert ein Walk of Fame.

Strandbad Wöhrsee

Vom Grüben sind es nur noch ein paar Minuten Fußweg zur verdienten Erfrischung, die am Wöhrsee wartet. Gegen eine überschaubaren Eintrittspreis kannst du die Infrastruktur im Strandbad Wöhrsee mit Badestegen, Badeinseln, Toiletten und Umkleiden nutzten. Ein kleines Lokal gibt es außerdem. Und dann ab ins Wasser! Schwimmen mit Burgblick gibt’s nicht alle Tage.

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Burghausen: Strandbad Wöhrsee mit Burgblick

Der Weg zurück zum Bahnhof führt erst unterhalb der Burg vorbei, dann über die Burg in die Neustadt. Unterwegs warten noch zwei Attraktionen. Zum einen der Burghauser Weinberg. In den Genuss des Grauburgunders aus Burghauser kommen nur Burghauser, der Wein wird vom Bürgermeister zu Jubiläen verschenkt. und die Ziegen, die am Burgberg grasen. Zweitens die 14 Bergziegen, die während der Sommermonate am Burghang grasen. Sie stehen unter der Obhut von Absolventinnen des Freiwilligen Ökologischen Jahres bei der Stadt Burghausen. 

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