Menu

Wanderung durchs Murnauer Moos – Naturparadies im Blauen Land

Wollgrasbüschel auf dem Moorrundweg am Kloster Benediktbeuern

Heute geht’s in Moor! Und zwar ins größte lebende Moor Mitteleuropas – das Murnauer Moos. Hier bist du im Herzens des Blauen Landes, das vor dem Ersten Weltkrieg die Künstler des Blauen Reiters wie Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Franz Marc und Kollegen zu traumhaften Bildern inspirierte. Eine Region, die du am besten auf Fahrradtouren oder zu Fuß erkundest. Und ein Klassiker unter den Wandertouren rund um Murnau ist natürlich die Wanderung durchs Murnauer Moos.

Die Moorwanderung vor Alpenkulisse mit Estergebirge, Wetterstein und Labergruppe ist rund ums Jahr machbar – besonders schön ist sie im späten Frühjahr oder Frühsommer, wenn unzählige Blüten für Farbzauber sorgen und an den langen Abenden das Moor so geheimnisvoll bläulich schimmert, wie es der Name Blaues Land verspricht. 

Murnauer Moos mit Alpenblick
Murnauer Moos mit Alpenblick

Infos zur Wanderung durchs Murnauer Moos

  • Länge: 12,5 km
  • Höhenmeter: 90 m
  • Wanderzeit: 3–3,5 Stunden
  • Abkürzung: Wer lieber nur eine Schnupperrunde (2,3 km) durchs Moor drehen möchte, überquert nach ca. 700 m eine Brücke zur Rechten und läuft wiederum rechts zum Ramsachkircherl zurück. 
  • Parken: Kostenpflichtiger Wanderparkplatz an der Ramsachstraße
  • Anreise mit der Bahn: Vom Bahnhof Murnau ca. 2,5 km bis zum Ausgangspunkt der Wanderung
  • Jahreszeit: zu allen Jahreszeiten gut begehbar. Besonders schön im späten Frühjahr oder Sommer, wenn das Moor in voller Blüte steht.
  • GPS-Track

Thema Naturschutz – ein lehrreicher Auftakt zur Wanderung durchs Murnauer Moos 

Ausgangspunkt der Wanderung durchs Murnauer Moos ist der Parkplatz an der Ramsacher Straße. Ein kleines Infozentrum („Biologische Station“) informiert dort über Naturschätze und Naturschutz in der Region. Das größte lebende Moor Mitteleuropas vereint alle Entwicklungsformen von Nieder- bis Hochmoor und ist Heimat seltener Pflanzen und Tiere. Wachtelkönig, Zwerglibelle und Wanzen-Knabenkraut zum Beispiel gehören zu den Raritäten unter den Moorbewohnern.

Nun läufst du in Richtung der kleinen Kirche, die von einem Hügel grüßt – das Ramsachkircherl oder Ähndl (offiziell die Kirche St. Georg). Den Besuch hebst du dir für später auf. Gleich nebenan liegt der Biergarten des Restaurants Ähndl, wo deine Tour genussvoll ausklingen könnte. Letzte Chance zum Reservieren!

Ramsachkirche am Murnauer Moos
Ramsachkirche am Murnauer Moos

Das Murnauer Moos

Der Loisachgletscher, dessen Zungenbecken sich einst bis zum Ammersee zog, war der Landschaftsarchitekt der Region. Als er vor 20 000 Jahren zu schmelzen begann, entstand durch Verschiebung von Eis- und Geröllmassen ein gewaltiger Trichter, in dem ein eiszeitlicher See zurückblieb. Wo, wie im Murnauer Moos, das Gletscherwasser nicht abfließen konnte, kam es zu Versumpfung durch Schlamm und absterbende Pflanzenreste. 

Mit 4200 ha (davon 2355 unter Naturschutz) ist das Murnauer Moos das größte zusammenhängende Moorgebiet nördlich der Alpen. Das Feucht-Biotop weist alle Stadien der Moorbildung auf – Niedermoore, Übergangsmoore, Hochmoore. Dominierend ist das Niedermoor, das im Gegensatz zum Hochmoor artenreich ist. So findet sich hier eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die anderswo längst ausgestorben sind. 

Blütenpracht im Moor

Unterhalb von Kirche und Biergarten beginnt die Wanderung durchs Murnauer Moos. Ein bequemer, geschotterter Wanderweg schlängelt sich sanft und ebenerdig durch die Landschaft. Zu deiner Rechten gurgelt die Ramsach, zur Linken ragen unzählige Gipfel – im Frühjahr noch mit Schneezipfeln – in den Himmel. Darunter charakteristische Spitzen des Voralpenlandes wie Jochberg, Großer Illing, Herzogstand, Heimgarten, Hohe Kiste und Krottenkopf, Wank, Scharnitzspitze, Teufelsgrat, das Ettaler Mandl, das sich keck wie ein Zeigefinger in die Höhe reckt, und das Hörnle. 

Wenn du im Frühjahr oder Frühsommer unterwegs bist, erwartet dich ein Feuerwerk der Farben: Rosa, blau, gelb und violett blüht es auf den Wiesen. Sibirische Schwertlilie, fleischfarbenes Knabenkraut, Heilziest und Prachtnelke, Sumpfdotterblumen, Mehlprimel, Alpen-Fettkraut oder Trollblumen kannst du entdecken. Schneeweiß wiegen sich die Wollgrasbüschel im Wind. Aber auch im Spätsommer finden sich noch ein paar Farbtupfer, wenn zum Beispiel Duftlauch und Schwalbenwurz-Enzian blühen.

Moorspaziergang und Waldbad

Nachdem sich die Begeisterung über die Vielfalt der Vegetation gelegt hat, erscheint der erste Teil der Wanderung durchs Murnauer Moos manchem Wanderer eintönig. Und als ich zuletzt an einem heißen Sommertag im Moor unterwegs war, wünschte auch ich mir, mit einem der Radler, die auf der ersten Etappe der Wanderung ebenfalls unterwegs sind, zu tauschen. Durchhalten heißt die Devise, denn das Beste kommt noch! Nach vier Kilometern und einer Stunde Wanderzeit führt ein Abzweig zum Moorrundweg nach rechts in Richtung Wald. Der richtige Platz für die erste Pause ist ein Picknicktisch am Waldesrand

Murnauer Moos mit Alpenblick
Murnauer Moos mit Alpenblick

An heißen Sommertagen erschwert die Sonne zusätzlich die ersten Kilometer, denn es gibt weit und breit keinen Schatten. Umso schöner, wenn du plötzlich für eine Weile zumindest in einen kühlen Nadelwald eintauchen kannst. Ein echter Zauberwald. Zumindest erschien er mir so nach dem ausgiebigen Sonnenbad auf dem ersten Teil der Strecke. Waldbaden ist gerade angesagt. Hier fühlte ich mich tatsächlich wie eine Waldbadende, habe Nadelduft und kühle Luft aufgesogen. Ein wunderbarer Frischekick, bevor es ins Hochmoor geht.

Zauberwald auf der Wanderung im Murnauer Moos
Zauberwald auf der Wanderung im Murnauer Moos

Auf dem Bohlenweg durchs Lange Filz

Nach dem Waldintermezzo erreichst du eine Kreuzung und nimmst den Weg, der für Radler und Reiter gesperrt ist. Der nächste Teil des Wegs durchs Murnauer Moos gehört den Wanderern allein. Du läufst vorbei an einer Ruhebank und hast nach ca. 500 m das Lange Filz erreicht, ein Stück Hochmoor im Murnauer Moos. Eine so faszinierende wie schwermütige Landschaft in Brauntönen, durch die du auf einem Bohlenweg (Vorsicht – rutschig an Regentagen!) spazierst. Ein tolles Erlebnis!

Hochmoor contra Niedermoor

Im Gegensatz zum Niedermoor sind Hochmoore nähstoffarm, weil sie nur von Regenwasser genährt werden. Junge Birken ragen vor krüppeligen Moorkiefern auf. Nah am Boden wachsen Torfmoose, Rosmarinheide und Sonnentau. Hier und da passierst du sumpfiges Gelände, in dem du nicht versinken möchtest. Ein gutes Zeichen! Es zeigt dir, dass sich das Moor von den Sünden der Vergangenheit erholt hat.

Bis in die 1980er-Jahre entwässerte man das Murnauer Moos wie viele andere Moorlandschaften zur Torfgewinnung. Erst dann erkannte man, wie kostbar und schützenswert Moore sind und wie wichtig ihre Renaturierung für den Reichtum an Flora und Fauna ist. Ein aufwändiges Renaturierungsprojekt versetzte das geschädigte Moor ab 2001 nach und nach wieder in seinen Naturzustand.  

Bohlenweg durchs Murnauer Moos
Moorlandschaft auf der Wanderung im Murnauer Moos

Bei aller Faszination für die Vegetation am Wegesrand – ab und zu umblicken nicht vergessen! Die Mooslandschaft vor der Kulisse der Berge ist höchst fotogen. 

Berge, Moor und Kuhorchester

Wenn der Bohlenweg endet, passierst du ein Gatter und folgst dem Wegweiser „Moosrundweg“ nach rechts in Richtung Westried. Du läufst durch eine Siedlung und erreichst die Bahngleise. Zur Ramsachkirche noch eine Stunde, verrät der nächste Wegweiser. Schon bald tut sich ein herrlicher Blick auf Moos und Bergkette auf, den du später noch häufiger genießen kannst. Nach einem Stück auf der Moosrainerstraße biegt der Wanderweg nach links ab. Du folgst immer dem Hinweis „Moosrundweg“

Radtouren und Wanderungen im Voralpenland

Der Wanderpfad schlängelt sich kurz durch einen Wald mit plätscherndem Bach, erreicht dann eine Anhöhe. Hier beginnt mein Lieblingsstück der Wanderung durchs Murnauer Moos, denn der Blick übers Moor zu den Bergspitzen ist einfach herrlich. Wie schön, dass mehrere Bänke am Wegesrand auf Wanderer warten. So kannst du in aller Ruhe das Panorama aufzusaugen. 

Am schönsten ist es im Abendlicht an langen Sommertagen, wenn das Moos bläulich schimmert. Hier haben die Maler der Künstlergruppe Blauer Reiter ganz sicher ab und zu ihre Staffeleien aufgebaut und die Farben der Landschaft auf der Leinwand verewigt. Aber auch im Herbst, der den melancholischen Charakter der Landschaft verstärkt, ist die Wanderung ein Genuss.

Finale der Wanderung durchs Murnauer Moos

Zweimal überquerst du im weiteren Verlauf der Wanderung durchs Murnauer Moos die Bahngleise. Kuhglockengebimmel im Hintergrund. Wenn du eine Gabelung erreichst, führt der Moorrundweg in beide Richtungen. Du folgst dem Abzweig „Ähndl, 2 km“ nach rechts. Der kleine Abstecher zu einem hölzernen Info-Pavillion lohnt sich allein wegen der Überblicksskizze zum Gipfelpanorama. 

Auf dem letzten Wegstück tauchst du noch einmal in den Wald ein. Über Stufen geht es abwärts und weiter auf einem bequemen Schotterweg dann am Rande der Wiesen entlang. Die Kirchen von Murnau und Ohlstand grüßen zur Linken im Hintergrund. Wenn der Abend sich über die Landschaft senkt, beginnen die Spitzen des Wettersteingebirges zu glühen, minütlich verändern sich die Farben. Dann kommt auch schon das Ramsachkircherl ins Bild. 

Ramsachkirche am Murnauer Moos
Ramsachkircherl am Murnauer Moos

Kirchenkunst trifft Kochkunst

Das ehrwürdige Ramsachkircherl thront laut Überlieferung schon seit Mitte des 8. Jahrhunderts über dem Moor. Längst zeigt es sich bunt und barock. Mit vielen Darstellungen des Drachentöters Georg, dem es geweiht ist. 

Ähndl mit Biergarten
Ähndl mit Biergarten

Nebenan im Biergarten wartet unter alten Kastanien die Kochkunst. Im Ähndl ist die Stimmung zauberhaft und das Essen köstlich. Kein Wunder: Am Herd steht Thilo Bischoff, der im Alpenhof Murnau einen Stern erkochte. Die Preise sind trotzdem überaus fair. Ein genussvolles Finale der Wanderung durch das Murnauer Moos.

++ Werbung (unbeauftragt und unbezahlt) durch Namensnennung und Verlinkung. ++

2 Kommentare

  • Netreisetagebuch
    21. Juli 2021 at 8:13

    Hallo Elke,
    das ist ja eine total schöne Wanderroute mit herrlichen Aussichten 😍
    Aber anscheinend eher was für den Frühling, wenn es noch nicht allzu heiss ist. Danke für den Tipp!
    Viele Grüße
    Annette

    Antwort
    • Elke
      21. Juli 2021 at 8:19

      Liebe Annette,
      auch im Sommer ist die Wanderung ein Traum – wenn man am Spätnachmittag oder frühen Abend unterwegs ist! Und auch im Herbst eine schöne Runde, weil die Jahreszeit zur Melancholie der Landschaft passt.
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

Kommentieren (deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)

Cookie Plugin von Real Cookie Banner