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Bayern / Münchner Voralpenland / Wanderungen

Wanderung auf den Großen Illing bei Ohlstadt

Ausblick vom Großen Illing übers Voralpenland

Viele Wanderer steigen zum Heimgarten (1790 Meter), dem Hausberg von Ohlstadt, auf. Eine anspruchsvolle Bergwanderung. Deutlich weniger Beachtung findet der Große Illing (1341 Meter), der wie eine Aussichtskanzel unter dem Heimgarten liegt. Auch dort wartet ein wunderbares Panorama auf dem Gipfel.

Warum der Illing dennoch ein Schattendasein führt und kaum bekannt ist? Weder schwebt eine Bergbahn nach oben, noch wartet am Gipfel eine Hütte auf hungrige Wanderer. Außerdem ist der Weg nach oben nicht einmal ausgeschildert. So ist der Große Illing ein Berg für Kenner, der anders als so viele andere Gipfel in der Region nie überlaufen ist. Kurz und gut: eine entspannte Halbtagestour mit tollem Ausblick übers Voralpenland. Eine Brotzeit und reichlich Flüssigkeit gehören aber unbedingt in den Rucksack.

Von Ohlstadt zu den Kaltwasserfällen


Ausgangspunkt für die Wanderung auf den Großen Illing ist der Wanderparkplatz am Ortsrand von Ohlstadt. Von dort geht es durch ein Gatter zum Wanderweg, der zunächst an der Kaltwasserlaine entlang führt. Der Bergbach stammt aus Gräben an den Nordhängen des Heimgartens und plätschert über Felsen bergab munter nach Ohlstadt. Später mündet er in die Loisach. Kühe, die am Ufer grasen, empfangen Wanderer mit reichlich Kuhglockengebimmel. Ein netter Einstieg. Dann zweigt der Weg schon bald in den Wald ab und wird schnell schmaler.

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Wanderung auf den Großen Illing: Weg entlang der Kaltwasserlaine

Jetzt wird es romantisch: Über Kaskaden stürzt sich das Wasser der Kaltwasserlaine an den Kaltwasserfällen über bucklige Felsen, die moosgrün schimmern und von Farnbüscheln umrankt sind. Auf einer Brücke überquerst du den Bergbach. Eine verwunschene Landschaft, in der ich mich ein bisschen wie in der Szenerie eines Fantasy-Films fühlte. Wäre ein Hobbit plötzlich hinter den Felsen hervorgesprungen, hätte ich mich tatsächlich nicht gewundert. 

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Wanderungen bei Ohlstadt: mystische Stimmung an den Kaltwasserfällen

Kurzporträt der Wanderung auf den Großen Illing

Abstecher ins Mittelalter zur Veste Schaumburg

Nach dem Abstecher ins Reich der Fantasie mündet der Waldpfad auf einen breiten geschotterten Weg. Wenn dieser sich gabelt, folgst du nach links dem Wegweiser in Richtung Veste (20 Minuten). Damit ist die Veste Schaumburg, gemeint, die manchmal auch als Schauenburg bezeichnet wird. Nach einer Weile folgst du einem weiteren Wegweiser ebenfalls nach links. Der Weg schlängelt sich nun angenehm durch den Wald, bis ein gewaltiger monolithischer Felsen in Sicht kommt. Du schiebst dich am Fels vorbei und erklimmst den Felsen über Serpentinen zum Mini-Ausflug ins Mittelalter.  

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Wanderung auf den Großen Illing: Blick vom Standort der ehemaligen Veste Schaumburg

Die Veste liegt oder besser lag auf einem Felsvorsprung in 904 Meter Höhe und war als „castrum Skoyenburg“ wohl die älteste Höhenburg des Loisachtals. Ein paar aus dem Stein gehauene Stufen erinnern heute noch daran, dass hier vom 11. –15. Jahrhundert Menschen lebten. Die Veste Schaumburg war eine Gipfelburg auf dem Felsplateau, die unweit des Kleinen Illings 250 Meter über dem Loisachtal schwebte. Vermutlich war sie um 1100 Sitz der Grafen von Ohlstadt, erlebte aber im Laufe der Zeit viele Herren, bis sie 1414 nach elfwöchiger Belagerung zusammenfiel.

Die Burg zerfiel zusehends, nachdem die letzten Bewohner ausgezogen waren, und die übrig gebliebenen Steine trugt man Ende des 19. Jahrhunderts ab. Heute steht auf dem Gipfel (904 Meter) nur eine Bank unterhalb eines hölzernen Kreuzes. Und während du den Blick über Ohlstadt genießt, kannst du in Gedanken zurück ins Mittelalter reisen. Wohnten die Grafen von Ohlstadt auch abgelegen, einen tollen Ausblick hatten sie auf jeden Fall.

Schattige Waldpassage

Auf dem gleichen Weg läufst du zurück zum Hauptwanderweg, der geschottert ist und stetig bergauf führt. Wenn du magst, kannst du immer wieder auf Alternativwege zur Rechten und Linken ausweichen, die nach einer Weile zurück auf den Hauptweg führen. Es sind allesamt Waldpfade, die über Stock und Stein führen und deutlich mehr Spaß machen als der monotone Wirtschaftsweg. Nur nach Regentagen ist Vorsicht geboten, dann kann es rutschig sein. 

Wenn du nach vielen Abwegen endgültig wieder auf dem Hauptweg landest, zweigt rechts ein Weg zum Heimgarten ab. Du läufst jedoch geradeaus auf dem unbeschilderten Weg weiter. Es wechseln schattige Waldpfade und offene Passagen.

Endspurt zum Gipfel des Hohen Illing

Wenn du aus dem Wald kommend direkt wieder auf den breiten Wanderweg stößt, heißt es aufpassen. Der Kammweg zum Gipfel führt geradeaus über den Schotterweg hinweg wieder in den Wald. Er ist schmal und auf den ersten Blick als Wanderpfad kaum zu erkennen. Eine Weile geht es relativ steil bergauf, dann wird es nach und nach flacher und durch die Bäume blickt du auf bewaldete Hänge. Faszinierende Formationen unterwegs: Wurzeln, die Felsen umwuchern, als wollten sie sie an sich klammer. Über die licht bewaldete Gipfelflanke des Illing geht es weiter bergauf und nach wenigen Minuten erreichst du eine Abbruchkante. Nun heißt es aufpassen. Der Weg ist nicht gefährlich, aber schwindelfrei solltest du sein. 

Auch im Spätsommer blühen hier oben noch Blumen in allen Farben, unzählige Schmetterlinge umschwirren dich. Zwischendurch auch mal den Blick nach vorne richten: Nach einer Weile lugt nämlich das Gipfelkreuz des Illings auf einem Gipfelplateau unterhalb des Heimgartens vor dir auf. Endspurt: Jetzt ist es nicht mehr weit.

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Panoramablick vom Gipfelkreuz

Noch ein paar Serpentinen, dann hast du es geschafft. Das Gipfelkreuz liegt in 1313 m Höhe vor dir. Vielleicht hast du Glück und ergatterst eine der beiden Bänke mit Ausblick. Ansonsten genießt du den Ausblick übers Loisachtal zu den Ammergauer Alpen, aufs Murnauer Moos, den langgezogenen Hohen Peißenberg und auf Staffelsee und Riegsee erst einmal ausgiebig vom Gipfelkreuz aus, das sich leicht unterhalb des Plateaus erhebt. Dann suchst du dir einen Platz im Gras und breitest die Picknickdecke aus. 

Rückweg ins Tal

Zurück geht es ein kurzes Stück auf dem Weg, auf dem du gekommen bist. Wo sich die Wege gabeln, biegst du aber nun rechts ab und läufst über einen netten Wurzelweg bergab. Überall türmen sich Felsen, von der Vegetation überwuchert, am Wegesrand auf. Wenn du auf einen breiten Wanderweg stößt, gehst du rechts zunächst sanft bergab, dann ein kurzes Stück links. Endlich taucht ein Wegweiser auf, der nach Ohlstadt (1 ¼ Stunden, Nummer 441) weist.

Beim nächsten Abzweig hast du wieder zwei Optionen. Ein Weg führt rechts steil bergab. Besser nimmst du den Wanderpfad links an einem hoch aufgetürmten Felsen vorbei. Dann weiter auf einem gut präparierten Pfad, der auf einen breiten Weg mündet. Nach links gehst du in Richtung Ohlstadt auf dem kürzeren Weg (1 Stunde). Wenn du dich umblickst, lugt oben noch einmal der Gipfel des Illings hervor. Noch ein Stück Schotterweg, dann weist der Wegweiser nach links in Richtung Ohlstadt (30 Minuten).

Sobald du das Rauschen des Baches hörst, hast du es fast geschafft. Du hältst dich links in Richtung Parkplatz und läufst noch einmal an den Kaltwasserfällen vorbei. Wunderbar erfrischend ist an heißen Tagen die kühle Luft, die vom Bach aufsteigt. Wer Lust auf eine kleine Kraxeleinlage hat, kann die Füße im Wasser baden. 

Die Schleifmühle in Ohlstadt

Hungrige Wanderer finden im Ort ein paar nette Gasthöfe für die Einkehr und können bei der Gelegenheit auch noch ein bisschen Kultur tanken. Die Schleifmühle im Ortszentrum, die nach historischen Vorbild erst 2020/21 errichtet wurde, erzählt von der Vergangenheit Ohlstadts als Zentrum der Wetzsteinmacherei. 1350 wurde das Handwerk erstmals erwähnt und war 600 Jahre lang wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die östlich von Ohlstadt gelegenen Steinbrüche lieferten das Rohmaterial, das Steinmetze hier zeitweise in 24 Schleifmühlen verarbeiteten. 

Die Kaulbach-Villa

Kunstfreunde können in Ohlstadt ein kleines Museum mit Werken des Malers Friedrich August von Kaulbach (1850–1920) besuchen. Dieser gehörte neben Franz von Lenbach und Franz von Stuck zu den Münchener „Malerfürsten“ und war zu seiner Zeit einer der bestbezahlten deutschen Porträtmaler. Adelige und Industrielle standen Schlange für ein Porträt des Meisters. Entsprechend seiner Stellung pflegte Kaulbach einen repräsentativen Lebensstil. Dazu gehörte neben der Villa in München auch ein Sommerhaus inklusive Atelier und großem Garten in Ohlstadt, das er 1893 nach eigenen Entwürfen bauen ließ. Heute ist die Villa Museum, und in den historischen Wohnräumen kannst du 50 Werke Kaulbachs sehen und in die Lebenswelt des Künstlers eintauchen.

Fazit

Eine tolle Bergtour auf einen der kleinen Aussichtsberge im Voralpenland. Die breiten Schotterwegen sowie die schmalen Berg- und Waldpfade sind gut begehbar. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind dennoch hier und da gefordert, Bergschuhe und Wanderstöcke gehören sowieso zur Ausrüstung. Da keine Bergbahn auf den Illing schwebt und keine Berghütte mit Wanderverpflegung lockt, ist er ein Berg für stille Genießer, die das Gipfelpicknick rummeligen Berghütten vorziehen. Wenn du nach der Bergtour noch ins Wasser springen möchtest, findest du hier den passenden Badesee im Voralpenland.

Infos zur Wanderung auf den Großen Illing

Hinkommen

PKW: Der kostenpflichtige Wanderparkplatz in Ohlstadt liegt am Ende der Heimgartenstraße.

ÖPNV: Vom Bahnhof Ohlstadt führt ein Fußweg (2,1 Kilometer) zum Ausgangspunkt der Wanderung. Ohlstadt liegt im Geltungsbereich des Regio-Tickets Werdenfels.

Genießen 

Zwei Adressen mit bayerischer Küche für die Einkehr nach der Bergtour in Ohlstadt:

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