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Reiseziele / Dänemark / Färöer

Landschaftsdrama im Nordatlantik: Sehenswürdigkeiten der Färöer in 5 Tagen

Sehenswürdigkeiten auf den Färöern: Insel Kalsoy mit Leuchtturm

Zwischen Norwegen, Schottland und Island liegt der Archipel der Färöer („Schafsinseln“) mit 18 Inseln mitten im Nordatlantik. Eine der abgelegensten Ecken Europas, mit rauem Klima und wilder Schönheit. Und längst ein Trendziel für Entdecker.

Dass das Färöer-Wetter launisch ist, lernte ich während meiner Tage auf den Inseln schnell. Nicht zufällig nennt man die Inseln auch „Land of Maybe“. Wird es morgen regnen? Vielleicht. Wird die Fähre fahren? Vielleicht. Eigentlich wollte ich an einem Tag nach Suduroy schippern, auf die südlichste Insel des Archipels. Die Fähre musste vor dem orkanartigen Wind kapitulieren. Auch das Boot nach Mykines, der Insel der Papageitaucher, blieb im Hafen. Doch glücklicherweise gab es immer einen Plan B. Hier nehme ich dich mit zu meinen Highlights auf den Hauptinseln Vagar, Streymoy, Estyroy und der kleinen Nordinsel Kalsoy.

Sehenswürdigkeiten der Färöer: Highlights auf Vagar

Vollbremsung. Die Landung auf dem einzigen Vagar Airport auf der östlichen Insel Vagar ist für Piloten nicht ohne, denn die Landebahn ist superkurz. Gutgegangen. Die Maschine wurde nicht vom Winde verweht und musste nicht nach Reykjavik ausweichen, was ab und zu vorkommen soll. Jetzt den Mietwagen abholen und eine halbe Stunde später bin ich schon mitten in einer surrealen Landschaft. Gigantische Felsbrocken erheben sich vor dem Puppenstubendorf Boer aus dem Meer – lauter Trolle, die den richtigen Zeitpunkt verpassten und zu Stein erstarrten. Ringsum schwarz geteerte Holzhäuser mit den typischen Grasdächern und mittendrin eine schneeweiße Kirche.

Einsamkeit hinter dem Tunnel: Grasdalur

Dann gleich weiter zum ersten Insta-Hotspot der Inseln: das Dorf Grasdalur, das bis 2003 nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreichbar war. Ein dunkler, einspuriger Tunnel führt seither in den Bilderbuchort, wo sich der Mulafossur aus 30 Metern Höhe in den Atlantik stürzt – eingerahmt von grasgrüner und basaltschwarzer Landschaft. Bei meinem Besuch von der Sonne effektvoll beleuchtet. Naturkino vom Feinsten. Am Ende meines Küstenspaziergangs wehen mir schwermütige Melodien entgegen. Der Dorfchor hat seine Probe bei milden Temperaturen in die Natur verlegt. „Wir Fähringer sind ein Volk der Sänger“, das sollte ich auf meiner Reise noch öfter hören.

Färöer, Insel Vagar, Dorf Grasdalur
Sehenswürdigkeiten der Färöer: das Dorf Grasdalur mit dem Mulafossur auf Vagar

Sandavágur und der Trollfinger

Der Weg zur Nachbarinsel Streymoy führt zwangsläufig durch Sandavágur, das Wikinger vor rund 1000 Jahren gründeten. Ein Hingucker ist die hübsche Dorfkirche mit dem roten Dach. Wenn sie geöffnet ist, unbedingt reinschauen: Ihr größter Schatz ist der Sandavágsstein, ein Runenstein aus dem 12. Jahrhundert. Im Süden des Ortes lagen vor hundert Jahren die Hallen, in denen Kabeljau eingesalzen wurde, der als Bacalao in Spanien und Portugal auf den Tisch kam. Ein Viertel voller Atmosphäre mit dem netten Café-Restaurant Fiskastykkid (siehe Kasten).

Ausflug nach Mykines

Vagar ist auch Ausgangspunkt für den Tagesausflug zur Vogelinsel Mykines, die vor allem berühmt ist für die Papageitaucher, die dort nisten. Das Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung – es war zu stürmisch für die Überfahrt. Deshalb leite ich dich weiter zum Blog Julie en Voyage mit allen Infos zur Anreise nach Mykines und zum Programm auf der Insel.

Färöer, Insel Vagar, Kirche
Sehenswürdigkeiten der Färöer: die Kirche von Sandavágur

Next stop: der berühmte Trøllkonufingur (Trollfinger) am Südostzipfel Vagars. Eigentlich nur ein dreißigminütiger Spaziergang vom Parkplatz, aber das Wetter schlägt urplötzlich Kapriolen. Ich stemme mich gegen den Wind, trotze erbsengroßen Hagelkörnern und sehe erstmal – nichts. Die erste Begegnung mit färöischem Wetter. Zehn Minuten später schält sich der 313 Meter hohe Monolith aus dem Nebel, den angeblich nur 11 Menschen bisher bestiegen haben. Und einer davon stürzte der Legende nach in den Tod, als er den auf dem Gipfel vergessenen Handschuh holen wollte. Dummheit wird bestraft.

Der Legende nach gehört der Trollfinger einer Trollfrau, die von den Färöern nach Island reisen wollte. Als sie bei Vagar das Meer erreichte, ging die Sonne auf, sie erstarrte – das Los aller Trolle mit schlechtem Zeitgefühl – zu Stein und fiel ins Meer. Weil sie eine Riesin war, ragen ihr Hinterkopf und ihr Finger jedoch bis heute aus dem Wasser ragten. Der Hinterkopf ist die Insel Koltur, der Finger ist Trøllkonufingur.

Färöer, Vagar, Trollfinger
Sehenswürdigkeiten der Färöer: Im Süden der Insel Vagar erhebt sich der Trollfinger

Übernachten und Essen auf Vagar

  • Das 4-Zimmer-Gästehaus Hjalgrímsstova liegt in aussichtsreicher Lage auf einem Schafsbauernhof in Gásadalsgardur (2 Nächte Minimum-Aufenthalt). Kleine Schlafzimmer, dafür ein Wohnzimmer zum Teilen. Im Sommer mit Café.
  • Das Café Fiskastykkid liegt in einem restaurierten Bootshaus, bietet viel Atmosphäre und serviert nachhaltige Küche mit Akzent auf Fisch. Aber auch ein netter Stopp für Kaffee und Kuchen (Mo, Di geschlossen).
Färöer, Vagar, Restaurant
Gut essen auf den Färöern: Restaurant Fiskastykkid

Wieviel Zeit für die Färöer einplanen?

Ich hatte 5 Tage und ein ehrgeiziges Programm, wollte eine Nacht auf Suduroy verbringen und Mykines besuchen. Wegen Wind und Wetter mussten die Abstecher mit der Fähre ausfallen. So blieb genügend Zeit für das restliche Programm und einen Abstecher nach Nolsoy, die kleine Insel gegenüber von Tórshavn, die meiner Meinung nach aber kein Muss ist.

Sehenswürdigkeiten der Färöer: Tórshavn – eine coole kleine Hauptstadt

Mein Basislager für Ausflüge in die wilde Natur der Färöer war die gemütliche Hauptstadt Tórshavn (14.000 Einwohner) auf der Hauptinsel Streymoy, die im Vergleich zu all den Puppenstuben-Dörfern und Städtchen schon fast eine Metropole ist. Hier lebt auch mehr als ein Viertel der Insulaner.

Strickdesign von den Färöern

„Eine kleine Stadt, aber mit einem besonderen Vibe“, versichert mir Strickdesignerin Johanna, eine von vielen Kreativen hier. „Vor 10, 15 Jahren blieben junge Leute nach dem Studium in Dänemark oder England. Jetzt kommen alle schnell wieder zurück, denn die Wirtschaft brummt und es ist richtig viel los.“ Die Wolle der Schafe und die Produkte, die Frauen an langen Winterabenden daraus strickten, waren vor dem Boom der Fischerei das „Gold“ der Färöer.

Aus der lanolinreichen, wasserabweisenden Wolle strickte man Outfits für Fischer und schneiderte die Uniformen der dänischen Armee. Seit Kommissarin Lund aus der gleichnamigen TV-Serie einen Pullover des Designerinnen-Duos Gudrun & Gudrun von den Färöern trug, ist Strickmode „Made in Faroe Islands“ wieder ziemlich angesagt. Johanna hat mit ihrer Geschäftspartnerin das traditionsreiche Ullvøruhúsið („Wollhaus“), 1918 eröffnet, in einen schicken Showroom verwandelt. Ihre Färöer-Pullover mischen traditionelle Muster und modisches Design. Perfekte, weil tragbare Souvenirs von den Inseln. 

Einkaufen in Tórshavn


  1. Ullvøruhúsið, 27 Niels Finsens gøta – Strickdesign
  2. Gudrun & Gudrun, 13 Niels Finsens gøta – Strickdesign
  3. H.N. Jacobsens Bókahandil, 2 Vaglið – Bücher & nette Souvenirs

Das Regierungsviertel Tinganes

Auf der Halbinsel Tinganes versammelten sich schon im 9. Jahrhundert Wikinger-Häuptlinge. Heute liegt hier das Regierungsviertel von Tórshavn. Stände nicht unmissverständlich „Finanzministerium“ und „Justizministerium“ an den Türen, hielte man das Ensemble der ochsenblutroten Holzhäuser mit Grasdächern eher für ein Bauernhofmuseum. Gehören die Färöer auch zu Dänemark – sie sind weitgehend autonom. So ist man – anders als der Mutterstaat – nicht Mitglied der EU, denn beim Thema Fischerei, dem Hauptwirtschaftszweig, wünscht man keine Einmischung vom Kontinent. Und auch beim Thema Walfang, eine heilige Kuh auf den Inseln, will man sich nicht reinreden lassen. 

Seeigel & Co. – Nordic Cuisine auf den Färöern

Die traditionelle Färöer-Küche war bescheiden: Fisch und Fleisch wurden für den Winter fermentiert und getrocknet. Dazu gab es Kartoffeln – die einzigen Feldfrüchte neben Rhabarber, die im rauen Inselklima gedeihen. Vor einigen Jahren dann eine kleine Küchenrevolution. Von 2019 bis 2021 servierte das Koks in Tórshavn feine Nordic Cuisine, die die Michelin-Tester mit zwei Sternen belohnten. Neben Outdoor-Liebhabern kamen plötzlich auch Gourmets in den Nordatlantik.


Gerade ist das Koks-Team für zwei Jahre nach Grönland abgewandert – ab 2024 will man wieder die Feinschmecker in Torshavn beglücken. Die müssen zwischenzeitlich nicht darben: Im stylischen Roks, der kleinen Schwester des Koks, kommt Köstlichkeiten aus dem Meer auf den Tisch. Seeigel zum Beispiel. „Damit haben wir als Kinder Fußball gespielt und mein Vater hat das Fleisch als Köder für die Angel genutzt“, erzählt der Kellner. Mit einer feinen Zitronengrassauce schmecken mir die Stacheltiere vorzüglich – genauso wie der Grönland-Hummer mit karamellisierter Butter oder die Schwertmuscheln. Hmmm …

Restaurants

  • Roks ist ein Restaurant im Bistro-Stil mit kreativer Küche. Im Mittelpunkt stehen beste Produkte aus dem Meer wie Grönland-Hummer, Fisch und Seeigel. 
  • Im Katrina Christiansen serviert man im gemütlichem Ambiente eines traditionellen Holzhauses färöische Tapas. 
  • Perfekt für ein kleines Lunch oder Kaffee und Kuchen ist das Paname Café, 4 Vaglið, das einer Buchhandlung (siehe Einkaufen) angeschlossen ist.

Übernachten in Tórshavn 

  • In Fußnähe zur Altstadt liegt das erst 2020 eröffnete Hotel Brandan mit geräumigen Zimmern und gutem 4-Sterne-Komfort. 
  • Die Zimmer des Hotel Hafnia sind etwas in die Jahre gekommen. Die Lage im Zentrum ist aber top – wie auch der Blick aus dem Restaurant über den Hafen.
  • Ein gutes Preis-Leitungs-Verhältnis bietet das Marna Guesthouse (nur über Portale buchbar) mit kleinen, aber gemütlichen Zimmern mit Gemeinschaftsbad und netten Gemeinschaftsflächen.

Sehenswürdigkeiten der Färöer: Highlights auf Streymoy

Eine Buttercup-Route, wie alle Panoramastraßen auf den Färöern heißen, zieht sich durch ein weites, einsames Tal, in dem mir nur Schafmütter mit ihren frisch geschlüpften Lämmern begegnen. Einige von den 80.000 Schafen, die der Inselgruppe den Namen Färöer („Schafsinseln) gaben. Zum Vergleich: Nur 55.000 Menschen leben auf den abgelegenen Inseln.

Saksun und Tjørnuvík

Am Fjord ist Endstation. Ein ganzes Netz aus Wasserfällen stürzt aus den Bergen rund um Saksun – ein Mini-Dorf, das zu den Besuchermagneten der Färöer zählt. Kein Wunder – das Ensemble aus Grassodenhäusern und einer weißen Kirche inmitten ungezähmter Natur erinnert an die Kulisse eines Fantasy-Films. Fünf Busparkplätze lassen erahnen, dass Saksun im Sommer überrannt wird. An einem Morgen im Mai habe ich die ganze Pracht für mich allein. Ein Lob auf die Vorsaison! 


Am Ende der nächsten Buttercup-Route wartet ein weiteres Highlight auf Streymoy, der Hauptinsel der Färöer: Tjørnuvík, wo der Atlantik ungestüm an den schwarzen Strand klatscht. Mit Blick auf die Felsnadeln Risin und Kellingin („Der Riese und das Weib“). Ein Isländer und seine Trollfrau wollten die einsam im Meer treibenden Färöer einfangen, erzählt die Sage. Die Mission scheiterte und heute ragen sie – zu Stein erstarrt – wie riesige Mikkado-Stäbe 70 Meter hoch aus der ewigen Brandung. 

Färöer, Insel Stremoy: Felsnadeln Risin und Kellingin
Sehenswürdigkeiten der Färöer: die Felsnadeln Risin und Kellingin in Tjørnuvík

Auch die Fahrt entlang der Ostküste ist eindrucksvoll und aussichtsreich mit vielen tierischen Begegnungen.

Ein Ort mit Aura: Kirkjubøur

Kirkjubøur im Süden von Streymoy war im Mittelalter das kulturelle Zentrum der Färöer. Daran erinnert die schneeweiße Olavskirche aus dem 13. Jahrhundert, die älteste erhaltene Kirche des Archipels. Mindestens so eindrucksvoll die Ruine der gotischen Magnuskathedrale, durch die der Wind pfeift, und der Königsbauernhof, wohl das älteste noch bewohnte Holzgebäude Europas, das noch aus der Wikingerzeit stammt. Pferde grasen an den Hängen und Wellen, auf denen Eiderenten schaukeln, brechen an den Strand. Wilde Natur trifft auf Zeugen des frühen Christentums. Ein ganz besonderer Ort.

Sehenswürdigkeiten der Färöer: Highlights auf Eysturoy

Durch eine spektakuläre Röhre unter dem Meer geht es auf die Nachbarinsel Eysturoy – der einzige Tunnel weltweit mit einem Unterwasser-Kreisverkehr. Den schmückt sogar ein Kunstwerk: Die Lichtinstallation mit Stahlskulptur, die an eine Raumstation erinnert, gestaltete der einheimische Künstler Tróndur Patursson. Naturverbundenheit und Hightech-Verliebtheit passen auf den Färöern gut unter einen Hut. Wer die richtige Radiofrequenz findest, bekommt angeblich sogar die passende Musik zum Erlebnis aufs Ohr. 

An Esturoys Westküste habe ich noch einmal Blick auf die Felsnadeln Risin und Kellingin – fast noch ein bisschen spektakulärer als von Streymoy aus. Und dann ein Kuriosum: ein Fußballplatz am Meer, der als Campingplatz zu neuen Ehren kam.

Färöer, Insel Vagar: Felsnadeln Risin und Kellingin
Sehenswürdigkeiten der Färöer: Felsnadeln Risin und Kellingin
Färöer, Esturoy: Fußballfeld am Meer
Sehenswürdigkeiten der Färöer: Fußballfeld am Meer

Wie die meisten Besucher will ich die wilde Natur der Färöer auch mit Trekkingschuhen erkunden, und der Wanderweg oberhalb der Küste von Gjógv – ein Bullerbü-Dorf mit kunterbunten Holzhäusern an Eysturoys Nordküste – ist ein Traum. Unverschämt fotogen glitzert die Landschaft bei Sonnenschein in Grün und Blau. Gleichzeitig pfeift mir der Wind mit einer Kraft um die Ohren, die mich Landei das Fürchten lehrt. Respektvoll halte ich Abstand von den Klippen und der Wandertag endet früher als geplant.

Färöer, Esturoy: Gjógv

Übernachten auf Eysturoy

  • Gemütliche kleine Zimmer mit Gemeinschaftsbad (Minimum-Aufenthalt 3 Nächte) bietet das Gøtugjógv Log House in ruhiger Lage mit kleinen Extras wie einem Hot Tub. Idealer Ausgangspunkt für Ausflüge im Nordosten der Färöer. 
  • Perfekt für Wanderer: Das gemütliche Gjaargardur Guesthouse in Gjógv, wo tolle Küstenwanderungen starten. 

Sehenswürdigkeiten der Färöer: Highlights auf Kalsoy

Von Torshavn geht es gleich zweimal durch die Röhre, bevor ich in Klaksvik, der zweitgrößten Stadt der Färöer (4900 Einwohner) eintreffe. Der Hafen ist Ausgangspunkt für die kleine Seereise zur Insel Kalsoy. Bevor die Fähre ablegt, bleibt noch ein bisschen Zeit für einen Besuch der modernen Christianskirche. Dann parke ich das Auto und gehe zu Fuß auf die Fähre.


„Was für ein herrlicher Sommertag“, begrüßt mich Rani Noelsøy auf Kalsoy, einer der Nordinseln. Bescheidene 13 Grad zeigt das Thermometer – exakt die sommerliche Durchschnittstemperatur hier. Aber die Sonne lacht vom Himmel. Rani ist ein bekannter Musiker auf den Färöern und spielt fast jeden Abend in einem der Clubs vor musikverrückten Färingern, aber manchmal ist er auch Guide und zeigt Besuchern seine Heimat. Wie heute mir.

Auf Kalsoy leben nur noch 82 Menschen. Seit mehr und mehr Besucher auf die Insel kommen, werden es zumindest nicht weniger. Ein Geniestreich der Touristiker: die Robbenfrau von Mikladalur, die seit 2014 in Bronze gegossen fotogen an der Küste steht. Die (Liebes)Geschichte dazu kennt auf den Färöern jedes Kind. Die nackte Schöne wurde in Nullkommanichts zum Instagram-Star und Kalsoy zum Must-See-Platz für Färöer-Besucher.

Hier ruht James Bond auf Kalsoy

Aber es wird noch besser. Die Top-Attraktion der Insel müssen wir uns erwandern. Steil zieht sich ein Pfad von Trøllanes – der Ort, an dem eine alte Frau die Trolle für immer verjagte, – zur Nordspitze hinauf. Vorbei am Leuchtturm Kallum balancieren Rani und ich auf einem schmalen Pfad bis dahin, wo es nicht weitergeht. Hier liegen uns der Atlantik und die gebirgige Inselwelt zu Füßen und bizarre Felsinseln ragen aus dem Meer. Eine Szenerie, die schon die Location-Scouts aus Hollywood verzauberte. 

Sehenswürdigkeiten der Färöer, Insel Kalsoy mit Leuchtturm
Färöer, Insel Kalsoy
Färöer, Insel Kalsoy mit Leuchtturm Kallum

Rani führt mich zu einem Grabstein aus einheimischem Basalt mit der Inschrift „In Memory of James Bond (1962–2021)“. An dieser Stelle mit Weltklassepanorama verschlang ein Feuerball Geheimagent 007 aka Daniel Craig im Finale des 25. Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“ und hier ruht er hoffentlich in Frieden an einem stürmischen Ort, der nicht von dieser Welt ist. Auch wenn Kalsoy im Film anders heißt und zwischen Japan und Russland liegt, sind die Färöer seither auch Pilgerziel für Bond-Fans. Die Fähringer sind Marketingprofis.

Fakten zu den Färöern

Lage: Die Färöer („Schafsinseln“) liegen auf halbem Weg zwischen Norwegen, Schottland und Island im Nordatlantik.

Einreise: Die Färöer gehören zu Dänemark, genießen aber einen Sonderstatus und gehören nicht zur EU und zum Schengen-Raum. Deutsche Staatsbürger benötigen für die Einreise einen gültigen Personalausweis oder Reisepass, Österreicher und Schweizer einen Reisepass. 

Währung: Auf den Färöern gibt es zwei gleichwertige Währungen: die färöische Krone und die dänische Krone. Die Zahlung mit Kredit-oder Maestro-Karte ist weit verbreitet. Bargeld habe ich nicht benötigt, du kannst es aber an zahlreichen Geldautomaten abheben.


Zeitzone: UTC, Sommerzeit UTC+1, die Färöer liegen eine Stunde hinter der mitteleuropäischen Zeit zurück.

Sprachen: Amtssprache ist Färöisch, Englisch ist weit verbreitet. 

Reisezeit und Klima: Die Saison reicht von Mai bis Oktober, die Hauptsaison von Juni bis Mitte August. Außerhalb der Hauptsaison sind die Preise niedriger und es sind deutlich weniger Besucher unterwegs. Frisch, windig und feucht ist es immer, sodass auch im Sommer warme Kleindung, Handschuhe und Mütze in den Koffer gehören. Der Mai gilt als der nebelärmste Monat. 

Färöer, Kalsoy: Mikladalur
Frühling auf den Färöern

Mobilfunk & Internet: Funklöcher kennt man auf den Inseln nicht, auch Internet ist überall verfügbar. Da die Färöer nicht zur EU gehören, werden allerdings Roaming-Gebühren berechnet. Man kann sich jedoch in Hotels und oft auch Restaurant ins WLAN einwählen und kann in der Regel einen Auslandstarif beim eigenen Mobilfunkanbieter zubuchen. 

Unterkünfte: In der Hauptstadt Torshavn gibt es einige größere Hotels, die von Tagungs- und Konferenzteilnehmern sowie Reisegruppen gebucht werden und internationalen Komfort bieten. Ansonsten ist die Auswahl an Unterkünften begrenzt, weshalb du rechtzeitig verbuchen solltest. Die wenigen Hotels in anderen Städten haben höchstens 3-Sterne-Standard und bieten überschaubaren Komfort. Darüber hinaus gibt es Gästehäuser und B&Bs sowie Ferienwohnungen. 

Küche: Auf den stürmischen Inseln im Nordatlantik gedeihen nur Kartoffeln und Rhabarber bestens. Im Fokus der traditionellen Küche stehen deshalb Fleisch (meist Lamm) und Fisch. Beides wurde, um es haltbar zu machen, traditionell fermentiert und getrocknet. Torshavn ist inzwischen aber ein Feinschmeckermekka, wo du verfeinerte färöische Küche, aber auch kreative Nordic Cuisine bekommst. Außerhalb der Hauptstadt sind die Speisekarten überschaubar. Da in der Nebensaison die wenigen kleinen Cafés außerhalb der Städte geschlossen sind, solltest du für Ausflüge und Wanderungen Verpflegung einpacken. 

Drinks: Alkohol kannst du (abgesehen von Leichtbier) nur in Alkoholläden (Rúsdrekkasøla Landsins) kaufen. Die Restaurants sind allerdings meist lizensiert und bieten Bier und Wein (zu gehobenen Preisen) an. Beste einheimische Brauerei: Föroya Bjór mit zahlreichen Sorten – darunter ein leichtes Sommerbier mit Rhabarber.

Färöer, Klaksvik, Brauerei
Brauerei in Klaksvik

Anreise auf die Färöer

Wer Zeit hat, kann ab Dänemark mit der Fähre (Smyril Line ab Hirtshals) anreisen und das eigene Auto mitbringen (Preise für Fähren zu den Färöern). Sicherlich besonders interessant in Kombination mit der Weiterreise nach Island (Fährhafen Seydisfjördur).

Die meisten Besucher kommen aber auf dem Luftweg mit Atlantic Airways ab Kopenhagen. Beste Gelegenheit, eine Kopenhagen-Städtereise vorzuschalten oder anzuhängen. Es gibt mit Atlantic Airways auch Verbindungen nach Reykjavik, du könntest also einen Abstecher auf die Färöer mit einer Reise nach Island verbinden. Der einzige Flughafen der Färöer liegt auf der Insel Vagar. Ein Bus verbindet den Flughafen mit der Hauptstadt Torshavn. Die meisten Reisenden nehmen aber am Flughafen den Mietwagen entgegen.

Von Insel zu Insel – Unterwegs auf den Färöern

Mietwagen: Am flexibelsten bist du eindeutig mit Mietwagen unterwegs, die auf den Färöern allerdings teuer sind. Für die Verbindung zwischen den Inseln sorgen Tunnel und Fähren.

Färöer, Stremoy, Saksun
Sehenswürdigkeiten der Färöer: Unterwegs mit dem Mietwagen

Tunnel: Die Hauptinseln Vágar, Streymoy, Eysturoy und Bordoy verbinden mautpflichtige Unterwassertunnel. Die Mautgebühren zahlst du am Ende der Reise direkt dem Mietwagenverleiher. Die Tunnel sind zweispurig, gut ausgeleuchtet und problemlos durchfahrbar. Bemerkenswert ist vor allem der Eysturoyartunnilin, der Torshavn auf Streymoy mit Eysturoy verbindet. Die Besonderheit ist der erste untermeerische Kreisverkehr der Welt, der den Verkehr nach Runavík beziehungsweise Strendur sortiert und auch noch von einem bekannten Inselkünstler gestaltet wurde.

Mühsam ist dagegen das Durchfahren der alten einspurigen Tunnel auf den Nebenstrecken, die oft nicht einmal beleuchtet sind. Dafür sind sie kostenlos. Bei der Durchfahrt ist am Tunneleingang angegeben, welche Richtung Vorfahrt hat. Etwa alle 100 Meter gibt es eine Ausweichbucht. Immer in kleines Abenteuer.

Fähren: Nach Kalsoy oder auf die südlichste Insel Suduroy kommst du nur mit der Fähre. Hier findest du die Preise für die Fähren. Wichtig zu wissen: Die Bewohner der Insel haben immer das Erstrecht bei Fährfahrten. Besucher müssen sich in eine Extraschlange einreihen. Das gilt natürlich auch für den Ausflug nach Kalsoy. Am besten parkst du dein Auto (kostenlos) im Hafen von Klaksvik, kaufst ein Ticket als Fußpassagier und nimmst den Inselbus (Tagesticket 200 DKK) auf Kalsoy.

Färöer, Fähre nach Kalsoy
Fähre nach Kalsoy

Öffentliche Verkehrsmittel: Sparen kannst du, wenn du mit Bussen beziehungsweise Fähren unterwegs bist. So erreichst du die wichtigsten Orte, allerdings verkehren die Busse zumindest nicht sehr häufig. Strandfaraskip Landsins bietet eine Travel Card an, mit der du vier (500 DKK) oder sieben Tage (700 DKK) lang Busse und Fähren (ausgenommen die Fähre nach Mykines) nutzen kann. Auf der Internetseite findest du Infos zu Preisen und Abfahrtszeiten. Die Überfahrt auf die autofreie Vogelinsel solltest du unbedingt im Voraus buchen.

Reiseführer

  • Inseltrip Färöer, Reise Know-How, 2023 

Tipp: Ihr plant eine Reise auf die Färöer mit dem eigenen Auto? Alle Infos dafür gibt es von Naomi auf dem Blog Vegan Nomads.

Offenlegung: Ich war von Visit Faroe für vier Nächte eingeladen. Die weiteren Tage habe ich selbst gezahlt. Es ist kein Geld geflossen und das Sponsoring war an keine Bedingungen geknüpft. Meine Meinung ist und bleibt sowieso meine eigene.

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Hallo, ich bin Elke. Schon als kleines Mädchen immer mit dem Finger auf der Landkarte unterwegs. Als Reisejournalistin, Reisebuchautorin und Reiseleiterin heute Berufsreisende. Mit viel Know-how zu Asien und Neuseeland, aber auch leidenschaftlich gern vor der Münchner Haustür – in Oberbayern oder im Allgäu – unterwegs. Am liebsten mit Wanderstiefeln oder mit dem Fahrrad. Auch wenn ich schon einiges von der Welt gesehen habe – die Entdeckerlust ist immer noch endlos. Wo ich mich aktuell herumtreibe, erfahrt ihr auf meinem Insta-Profil.

10 Kommentare

  • DieReiseEule
    25. Dezember 2023 at 11:50

    Das rot-weiße Kirchlein ist ja entzückend.
    Auf den Färöer war ich noch nicht, aber ich glaube, das könnte es mir auch sehr gut gefallen.

    Das die Inseln zu Dänemark gehören, wusste ich, aber das sie trotzdem nicht zum Schengenraum zählen, war mir neu.

    Frohe Weihnachten wünscht
    Liane

    Antwort
    • Elke
      25. Dezember 2023 at 17:29

      Liebe Liane,
      ja, die Färöer sind schon ein sehr besonderes Stück Erde. Würden dir bestimmt gefallen!
      Dir wünsche ich ebenfalls schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • marie schade
    25. Dezember 2023 at 16:20

    Liebe Elke,
    Du hast in Deinem Beitrag die wild-herbe Schönheit der Faeroer-Inseln sehr gut herausgestellt. Sie lädt zwar nicht zum Baden ein, hat aber einen ganz besonderen Reiz, wie man ihn auch in einigen Gegenden von Nordnorwegen findet, nur noch ursprünglicher.
    Liebe Grüße, Marie

    Antwort
    • Elke
      25. Dezember 2023 at 17:27

      Liebe Marie,
      nein, die Top-Badedestination sind die Färöer nun wirklich nicht ;-). Hier steht eindeutig die wilde Natur im Fokus, die ich kaum irgendwo so eindrucksvoll erlebt habe.
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Julia
    26. Dezember 2023 at 15:27

    Liebe Elke,
    vielen Dank für diese wunderbaren Eindrücke von den Färöer-Inseln. Wir überlegen derzeit, die Inseln in Kombination mit Island im kommenden Sommer mit dem eigenen Pkw zu bereisen. Ich merke mir deinen Beitrag dafür unbedingt auf Pinterest 🙂
    Viele Grüße und frohe Weihnachten!
    Julia

    Antwort
    • Elke
      26. Dezember 2023 at 15:44

      Liebe Julia,
      wenn ihr entsprechend viel Zeit mitbringt, sind die Färöer und Island eine supertolle Kombination. Ich wünsche euch ganz viel Spaß auf der Reise!
      Liebe Grüße und auch dir noch einen schönen Weihnachtstag
      Elke

      Antwort
  • Lena
    26. Dezember 2023 at 21:32

    Hach, irgendwann… Wir haben ebenfalls den Stop-Over per Fähre nach Island im Blick – und irgendwann vielleicht auch mal das richtige Zeitfenster dafür.

    Antwort
    • Elke
      27. Dezember 2023 at 8:20

      Liebe Lena,
      die Zeit wird kommen – ganz sicher! Und dann werdet ihr die Färöer genießen …
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Gudrun
    28. Dezember 2023 at 7:15

    Mah, so schön! Alles! Die Insel, deine Beschreibungen, deine Bilder, die Schafe, ich muss dahin! Auch weil ich gerne stricke, habe ich mir die Strickdesignerinnen abgespeichert. Dass Personen mit dem Namen Gudrun gerne stricken, dürfte also kein Zufall sein!

    Antwort
    • Elke
      28. Dezember 2023 at 8:06

      Liebe Gudrun,
      das mit den strickenden Gudruns ist tatsächlich ein Zeichen – du musst dahin! Die Strickdesigns sind tatsächlich sehr cool, ich habe erstmals bedauert, dass ich die Stricknadeln vor langer Zeit entsorgt habe … Aber auch sonst haben die Färöer natürlich jede Menge zu bieten!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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