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Spanien / Europa / Kanaren

Mit Hippiehemd und Trekkingschuhen – Urlaub mit Wandern auf La Gomera

Wandern auf La Gomera: Blick vom Alto de Garajonay auf Teneriffa

Hippies entdeckten in den späten 1960er-Jahren die zweitkleinste der Kanareninseln und immer noch sind die Urlauber auf La Gomera ein bisschen anders als auf den großen Kanaren. Sie kommen wie eh und je eher individuell als pauschal und fast alle mit Wanderstiefeln. Kein Wunder – Wandern auf La Gomera ist ein Traum.

Das Herz Gomeras ist ein immergrüner Lorbeerwald, seit 1981 Nationalpark, den die UNESCO schon 1986 auf die prestigeträchtige Welterbeliste setzte. Ringsum ziehen sich Barrancos, tiefe Schluchten, die sich fächerförmig vom Bergland hin zu den Küsten öffnen und der Insel ihr charakteristisches Gesicht verleihen. Eine Landschaft, an der Wind und Wetter Jahrmillionen meißelten.


Bauern legten an den Hängen der Barrancos in mühevoller Arbeit Terrassen für ihre Feldfrüchte an, wahre Landschaftskunstwerke. Ringsum glitzert der Atlantik verführerisch, aber weil er meist ungestüm an schwarze Lavastrände klatscht, machte Gomera keine steile Karriere als Badeziel wie Teneriffa oder Gran Canaria. Auch Gomeras Standbein Nr. 1 ist der Tourismus, aber immer noch ist er sanft. Auf der kleinen Insel landen keine Ferienflieger aus Mitteleuropa und statt Bettenburgen nächtigen die meisten Besucher in Landhotels und Apartments. Nur an den Tagen, wenn Kreuzfahrtschiffe anlegen, wird es ein bisschen voller auf den Straßen.

Fester Standort oder Rundreise?

La Gomera ist klein genug, um es von einem Standort aus zu erkunden, doch die unterschiedlichen Facetten der Insel lernst du besser kennen, wenn du neben ein paar Tagen am Meer auch die ein oder andere Nacht in einem der Bergorte verbringst. Der Mann und ich wählten für eine Woche gleich drei Standorte und waren rundum zufrieden mit der Entscheidung.  

Steckbrief La Gomera

  • Größe: 369,76 km²
  • Einwohner: circa 22.000
  • Lage: 320 Kilometer von der afrikanischen Küste, 30 Kilometer von Teneriffa, 55 Kilometer von La Palma und 60 Kilometer von El Hierro entfernt.
  • Strand: 15 Kilometer (im Vergleich: 83 Kilometern Steilküste!)
  • Wanderwege: Wegenetz von circa 600 Kilometern

Eine gemütliche Inselhauptstadt: San Sebastián

Kolumbus war da. Seine Karavellen ankerten im Hafen von San Sebastián auf ihrer Reise zu neuen Welten, um Vorräte für lange Wochen auf See zu laden. Nebenbei – so munkelt man – hatte der Entdecker eine leidenschaftliche Affäre mit einer einheimischen Adeligen. Die wenige Tage, in denen das Städtchen Weltgeschichte schrieb, vermarktet man natürlich.

Im vermeintlichen Kolumbushaus (Casa de Colon, Calle del Medio, Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr) kann der Entdecker nicht gewohnt haben, weil es erst viel später erbaut wurde. Aber kann schon sein, dass Kapitän und Mannschaft in der Kirche Nuestra Señora de la Asunción (Calle Real 24A) für eine gute Reise beteten. Sehenswert ist sie auf jeden Fall. Ein Denkmal hat man dem Seefahrer an der Plaza de la Constitución gesetzt und selbst auf den Kanaldeckeln kannst du lesen, dass Kolumbus von San Sebastián aus in die Neue Welt aufbrach.

Dass er eigentlich nach Indien wollte und einfach in die falsche Richtung segelte, geschenkt! Zuletzt noch ein Schlenker zum Torre del Conde, einer Festung aus dem 15. Jahrhundert. Dort residierte möglicherweise die Dame, die die Abreise von Kolumbus verzögerte.


Ansonsten ist San Sebastián eher ein Inseldorf als eine Inselhauptstadt – auf jeden Fall ein Ort, an dem Eile ein Fremdwort ist. Für die meisten Besucher nur Durchgangsstation, doch es lohnt sich, mindestens eine Nacht zu bleiben und abends auf der Plaza de la Constitución unter riesigen indischen Lorbeerbäumen zu sitzen oder auf der Plaza de las Américas zu Salsaklängen einen Drink in der Bar Cuba Libre zu nehmen. Und anschließend kannst du durch die Calle Real mit ihren alt-kanarischen Häusern schlendern.

Die Restaurants erschienen uns beliebig – Touristenkost ohne Seele. Die ein oder andere nette Adresse, die im Reiseführer auftauchte, schien der Pandemie zum Opfer gefallen zu sein. Vielleicht hätten wir dem Restaurant im Parador eine Chance geben sollen, der hoch über der Stadt thront.

Der Sonnenstrand im Süden: Playa Santiago

Im trockenen Südwesten Gomeras liegt mit Playa Santiago der sonnigste Ort der Insel. Sicher kein Zufall, dass hier das einzige Großhotel der Insel liegt. Von Rummel konnte an der Hafenpromenade im Ortsteil Playa nicht die Rede sein – nicht mal in der Hauptsaison im Januar. Rentner saßen plaudernd unter dem gewaltigen Lorbeerbaum im Zentrum. Entlang der Promenade kleine Pensionen, Apartmenthäuser und Fischlokale hinter dem passablen Kieselstrand. Auf einen Kaffee kehrten wir in der netten Beachbar La Chalana ein und hielten die Gesichter in die Sonne.

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Urlaub auf La Gomera: Beachbar La Chalana in Playa Santiago

Ebenfalls auf der Sonnenseite liegt das weiße Dorf Alajeró, zu dem wir endlos hinauf kurvten. Ziemlich ausgestorben wirkte der Ort, aber vielleicht waren wir zur falschen Tageszeit unterwegs. Wir hätten von dort aus einen Drachenbaum erwandern können, entschieden uns aber für den Kalvarienberg, der von einem Kirchlein bekrönt wird, der Ermita San Isidro. Ein netter Spaziergang mit weitem Blick über die Südküste von der Kapelle.

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Der Pilgerweg schlängelt sich von Alajeró zur Ermita San Isidro.

Die schönsten Aussichtspunkte auf La Gomera

  • Die Ermita de San Isidro auf dem Kalvarienberg bei Alajeró bietet einen großartigen Ausblick über die Südküste.
  • Mirador de Igualero (von San Sebastián aus kommend an der TF-713) mit Blick auf den ikonischen Tafelberg La Fortaleza (Festung) de Chipude, eine Kultstätte der Ureinwohner La Gomeras. Am Aussichtspunkt gibt es auch ein Denkmal für die einzigartige Pfeifsprache (UNESCO-Welterbe), die Hirten auf La Gomera entwickelten und die Kinder heute in der Grundschule lernen, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.
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Mirador de Igualero mit Blick auf den Tafelberg Fortaleza
  • Mirador de Abrante bei Agulo (vom Ort aus ausgeschildert): spektakuläre gläserne Aussichtsplattform mit Blick auf die Küste und den Teide auf Teneriffa
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Mirador de Abrante mit Blick auf Teneriffa
  • Alto de Garajonay – bei klarer Sicht grandioser 360°-Blick vom höchsten Gipfel Gomeras (1.487 Meter) auf El Hierro, La Palma und Teneriffa
  • Mirador de César Manrique (auch Mirador El Palmarejo) zwischen Arure und Valle Gran Rey mit Blick über Terrassenlandschaften ins Tal

Urlaubswochen im Hippiehemd: Valle Gran Rey

Die ersten Aussteiger müssen irgendwann Ende der 1960er-Jahre im „Tal des großen Königs“ eingetroffen sein. Und vermutlich waren sie hin und weg angesichts der Schönheit, die sich vor ihnen ausbreitete. Waren wir auch! Kurve für Kurve schlängelst du dich ins „Valle“ und die meisten Besucher halten für erste Foto am Mirador de Palmarejo (2024 wegen Bauarbeiten geschlossen), gestaltet vom Stararchitekten César Manrique aus Lanzarote. Was für eine Arbeit, den Steilwänden Terrassenfelder abzutrotzen! Heute wachsen hier kaum noch Bananen, denn Tourismus ist deutlich rentabler als Bananenanbau. Aber Kanarenpalmen überragen wie eh und je die Dächer der weißen und bunten Häuser, die Farbtupfer im Grün setzen.

Urlaub auf La Gomera: Blick ins Valle Gran Rey

Längst gibt es im wichtigsten Urlaubszentrum La Gomeras mehr Pauschalurlauber als Hippies. Und viele Aussteiger. Vor allem Deutsche, Österreicher und Schweizer haben im Valle Gran Rey Wurzeln geschlagen und sich Existenzen im Tourismus aufgebaut. Man spricht deutsch. So kommen auch die meisten Besucher aus der DACH-Region. Die wenigsten nur zum Baden, denn die Strände sind meist steinig, die Brandung ungestüm. So sind es Aktivurlauber, die hier ein paar Tage oder Wochen verbringen. Immer noch weht ein Flower-Power-Lüftchen und mancher Besucher streift abends das Hippiehemd über und wird zum Blumenkind auf Zeit. Gomera-Vibes.


Abends pilgert man zum Sonnenuntergang, dem allabendlichen Ereignis im „Valle“. Am Playa de la Calera im Ortsteil Playa packt immer jemand die Bongos aus und trommelt für die Sonne und ihre Fans. Und manchmal gibt’s danach auch noch eine Feuershow.

Ortsteile im Valle Gran Rey

La Calera liegt nicht direkt am Meer, gehört aber zweifellos zu den hübschesten Orten den Insel. Die weißen Häuser, über Treppengassen verbunden, kleben am Fels und viele der Pensionen haben Terrassen mit Meerblick. Ringsum immer noch einheimisches Leben.

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Der Ortsteil La Playa („der Strand“) macht seinem Namen alle Ehre. Hier liegt mit dem Playa de la Calera der wohl beste Strand im Tal, an dem du auch tatsächlich schwimmen kannst (Warnungen aber unbedingt beachten!). Hier finden die allabendlichen Trommelkonzerte statt. Die nette kleine Strandpromenade mit Terrassenlokalen und Geschäften ist beliebter Treffpunkt. Ein 15-minütiger Fußweg führt von dort zur schwarzen Playa del Inglés, die attraktiv anzuschauen ist, aber wegen gefährlicher Strömungen gar nicht geeignet ist zum Schwimmen.

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La Puntilla ist nur ein Straßendorf zwischen La Playa und dem Hafenviertel Vueltas, aber mit einer breiten touristischen Infrastruktur und dem Denkmal für den „Gran Rey“, der dem Tal den Namen verlieh.

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Das Denkmal des „großen Königs“ in La Puntilla.

In Vueltas kannst du noch ein bisschen Hafenatmosphäre schnuppern und in der Kneipe der Fischergenossenschaft (Cofradia de Pescadores) direkt am Hafen bei einem Drink den Segelbooten und Fischerbooten beim Schaukeln zuschauen. Aber auch Vueltas mit seinen günstigen Pensionen hat sich mit einer Mini-Fußgängerzone schick gemacht und bietet in einiges Bars ein (bescheidenes) Nachtleben.

Tipp: In Vueltas starten auch Whale-Watching-Touren* mit guten Chancen, einige Riesen der Meere zu erspähen. Vor allem Grindwale und Delfine sind häufige Besucher vor den Küsten La Gomeras.

Inselhopping auf den Azoren: Whale-Watching-Tour auf Pico – Delfine
:Whale-Watching-Tour auf La Gomera

Wandern auf La Gomera: Leichte Wanderungen im Valle Gran Rey

Wanderung zum Wasserfall (Salto de Agua): Oberhalb von La Caleta liegt der Künstlerort El Guro mit seinen kreativ gestalteten Häusern. Dort beginnt eine meiner liebsten Wanderungen, die zum Wasserfall führt. Sie ist kein Sonntagsspaziergang, weil es über Stock und Stein geht. Trotzdem ist sie für Anfänger geeignet, denn sowohl die Höhenmeter als auch die Länge sind überschaubar.

Es geht durch Palmtäler und durch Bäche, an deren Ufern Papyrus wuchert. Ab und zu kraxelst du auch über Felsen (mit Seil zum Festhalten). Der Weg ist schattig an heißen Tagen. Bei Regen oder nach Regentagen solltest du ihn nicht gehen, weil es rutschig ist und der Bach sehr viel Wasser führt. Die Tour ist auf jeden Fall sehr abwechslungsreich – nur das Ziel, der Wasserfall, enttäuschte ein bisschen. Die Wanderung ist ab El Guro ausgeschildert und bestens markiert und du wanderst auf dem gleichen Weg zurück.

  • Länge: 6 Kilometer, circa 2,5 Stunden
  • Höhenmeter: 150
Wandern auf La Gomera: Wanderung zum Wasserfall

Wanderung von Arure nach El Cercado: Oberhalb des „Valle“ schlängelt sich der Wanderweg vom Restaurant Conchita in Arure auf dem Camino al Rincón (Rita 11) nach Las Hayas. Wenn du die Tour um die Mittagszeit begonnen hast, kannst du in der legendären Casa Efigenia (siehe Kasten unten) zum Mittagessen einkehren. Weiter geht es auf dem Weg nach El Cercado, wo du Töpfern bei der Arbeit zusehen kannst. Zurück geht es mit dem Bus.

  • Länge: 6 Kilometer, 2 Stunden
  • Höhenmeter: 300 Meter bergauf, 100 Meter bergab

Geführte Wandertouren: Nicht jeder wandert gern allein. Und unterwegs mit einem ortskundigen Wanderführer siehst erfährst du mehr – keine Frage. Hier kannst du deutschsprachig geführte Wanderungen ab Valle Gran Rey* buchen.

Restauranttipps fürs Valle Gran Rey

  • Wenn du mal Abwechslung zur typischen Kanarenküche suchst, ist das Colorado (Calle la Noria 23A)  – wenige Schritte von der Strandpromenade entfernt und in deutscher Hand – eine gute Adresse. 
  • In der Tasca El Puerto (Calle Vueltas) im Ortsteil Vueltas kommen köstliche Fischgerichte auf den Tisch.

Der Norden La Gomeras

Wie der Norden Teneriffas ist auch der Norden La Gomeras weniger sonnenverwöhnt, hier wohnen Wanderer und Individualisten. Nach ein paar sehr netten Tagen im „Valle“ sind wir nach Hermigua umgezogen und eine weitere Facette der Insel genossen. Während Valle Gran Rey fest in deutscher Hand ist, sind die kleinen Orte im Norden ein ziemlich internationales Pflaster. Sowohl Auswanderer als auch Urlauber kommen aus ganz Europa.

Hermigua ist das touristische Zentrum im Norden und schmiegt sich in ein fruchtbares grünes Tal, in dem Bananen früher für Wohlstand sorgten. Ihr Anbau wird jedoch immer unrentabler und es findet sich kein Nachwuchs für die Arbeit in den Plantagen. So setzt Hermigua auf Öko- und Individualtourismus. Die Ortsteile klettern von der Küste mit dem hübschen kleinen Playa de la Caleta, der als schönster Badestrand des Nordens gilt, bis ins Gebirge. Die Nähe zum Nationalpark ist für Wanderer ein Argument für Hermigua. Die meisten Unterkünfte und Lokale liegen im Valle Bajo (Untertal) und am Spätnachmittag ist die Terrasse der kultigen Café Bar Pedro das Ziel für Kaffee und Kuchen oder Vino und Tapas.

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In Agulo mit seinen weißen Häusern entlang schmaler Gassen residierten einst die Bananenbarone. Das für viele schönste Dorf der Insel thront auf einer Felskuppe über dem Meer und hält nach wie vor Dornröschenschlaf, denn als Standort ist es den meisten Besuchern einfach zu abgelegen.

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Agulo thront aussichtsreich auf einer Felskuppe

Agulo liegt auf halbem Weg nach Vallehermoso, wo die wenigen Urlaubsgäste sich rund um den Dorfplatz unter die Einheimischen mischen. Zum Baden fährst du zum Meerwasserschwimmbecken an der wellenumtosten Playa de Vallehermoso, wo noch eine Verladestation an die Ära des Bananenbooms erinnert.

Kulinarische Tipps für den Norden La Gomeras

  • Tasca Telémaco (Hermigua, Plaza de la Encarnación): gute Küche und nettes Ambiente drinnen wie im Garten und manchmal sogar Live-Musik.
  • Ein beliebtes Lokal bei Einheimischen: El Carraca (Vallehermoso, Calle Nueva Creación). 

Alojera ist ein Ortsteil von Vallehermoso auf einem Berghang in der Schlucht Barranco del Mono. Er ist berühmt für seine Palmenplantagen. In der Casa de la Miel de Palma (Honighaus) informieren eine kleine Ausstellung und ein Film über die Herstellung von Palmhonig, der eigentlich ein Sirup ist, von der Kanarenpalme. Allein sieben Kleinunternehmen in Alojera produzieren heute wie in alten Zeiten miel de palma in Alojera und die Wiederentdeckung des traditionellen Süßstoffs, den Touristen gern als Souvenir (kleines Glas € 4) in den Koffer packen, brachte wieder Leben in den Ort. 

Garajonay-Nationalparks – der Zauberwald im Inselherzen 

Fifty shades of green – im immergrünen Lorbeerwald La Gomeras, den die UNESCO 1986 auf ihre Welterbeliste setzte, tragen Bäume Mooskleider und Flechtenbärte und wir haben uns zwischen Riesenfarnen und Baumheide ein bisschen wie mitten in einem Fantasyfilm gefühlt. Lorbeerwälder gab es vor den Eiszeiten rund ums Mittelmeer, nur auf den Kanaren überlebten sie – und vor allem auf La Gomera. 


Die Einrichtung des Nationalparks 1981 kam gerade noch rechtzeitig, um das Areal rund um den Alto de Garajonay, den mit 1487 Metern höchsten Berg Gomeras, vor der Abholzung zu schützen. Zehn Prozent der Insel nimmt der Nationalpark ein – ein riesiges Gebiet, das durch den Klimawandel gefährdet ist. Es regnet deutlich weniger als früher und 2012 zerstörte ein Waldbrand 20 Prozent des Waldes. Mit EU-Geldern wurde wieder aufgeforstet und seitdem gibt man noch mehr acht auf den Schatz, den man hütet.

Am besten erkundest du den Nationalpark natürlich zu Fuß. Ein Netz von Wanderwegen – einfache Rundwanderungen genauso wie anspruchsvolle Touren – ist ausgeschildert, über das du dich zum Beispiel im Besucherzentrum Juego de Bola an der nördlichen Zufahrt zum Nationalpark informieren kannst. 

Wandern auf La Gomera: Nationalpark Garanjonay

Gipfelsturm: Am Kreisverkehr El Pajarito kannst du das Auto parken. Hier ist der Aufstieg zum höchsten Gipfel La Gomeras, dem Alto de Garajonay ausgeschildert. Auf bequemen Wegen erreichst du in 45 Minuten auf den Gipfel – mit 1487 Metern kein „Wolkenkratzer“. Der Blick von oben ist aber – klare Sicht vorausgesetzt – der Hammer. Unter dir liegt nicht nur ein Großteil der Insel, du kannst auch die Nachbarn erspähen: Teneriffa, La Palma und El Hierro. Entweder nimmst du den gleichen Weg zurück oder du wählst den Rundweg, der auf der anderen Seite des Gipfels in einer Schleife bergab führt

  • Länge: , 4,5 Kilometer, 1,5 Stunden
  • Höhenmeter: 132
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Durch den Lorbeerwald: Der Picknickplatz Rasso de la Bruma („Lichtung im Nebel“) an der GM-2 ist Ausgangs- und Endpunkt der kurzen Rundwanderung (Markierung: PN-10), die auf angenehmen Waldpfaden durch einen echten Zauberwald führt, in dem die Bäume Moosmäntel und Flechtenbärte tragen und Farne im Untergrund wuchern.

  • Länge: 3,5 Kilometer, 1–1,5 Stunden
  • Höhenmeter: 150

Von Chipude auf den Tafelberg Fortaleza: Eine Wanderung, die nicht im, sondern am Nationalpark verläuft. Vom Hauptplatz in Chipude aus wanderst du in Richtung El Pavón. Der Weg ist einfach zu laufen, aber auch nicht sehr aufregend. Der Höhepunkt im Doppelsinn ist der Fortaleza, der sich nach etwas einer Stunde mächtig vor dir aufbaut.

Der Tafelberg wirkt unüberwindbar, aber ein Felssteig führt relativ bequem nach oben. Dieses Teilstück erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und ist bei Regenwetter lebensgefährlich. Wir haben wegen Windböen, die uns fast wegpusteten, auf den Aufstieg verzichtet. Der Blick war trotzdem toll und auf dem Rückweg entdeckten wir einen wunderbaren Opuntienhain. Der Weg war wie so oft das Ziel. Eine beliebte Einkehr in Chipude ist die Bar Sonia, wo du auch übernachten kannst.

  • Länge: 4,5 Kilometer, 2 Stunden
  • Höhenmeter: 200

Wenn du lange und anspruchsvolle Wanderungen magst, findest du tolle Wandervorschläge für La Gomera auf dem Blog Der Eskapist.


Geführte Wanderungen: Nicht jeder wandert gern allein. Und unterwegs mit einem ortskundigen Wanderführer siehst erfährst du mehr – keine Frage. Hier kannst du deutschsprachig geführte Wanderungen ab Valle Gran Rey*buchen.

Beste Reisezeit La Gomera

Wie die anderen Kanaren ist La Gomera ein Ganzjahresziel mit meist angenehmen Temperaturen. Im Winter liegen sie bei 18–25 Grad, von Juni bis Oktober bei 25–30 Grad. Mit dem Klimawandel steigt das Thermometer allerdings immer häufiger über 30 Grad und es regnet rund ums Jahr weniger. Die regenreichsten Monate sind Dezember und Januar, dennoch ist das Winterhalbjahr eindeutig die Hauptsaison für Besucher aus Mitteleuropa. Zwischen April und September schließen einige Quartiere für ein paar Monate, andere füllen sich mit Festlandsspaniern. Ideales Wanderwetter herrscht zwischen Mitte März und Mitte Mai, wenn die Preise außerdem günstiger sind als zur Weihnachtszeit. 

Hinkommen und Rumkommen auf La Gomera

Anreisen über Teneriffa: Die Anreise nach La Gomera erfolgt in der Regel über Teneriffa, denn La Gomera hat nur einen Inlandsflughafen, auf dem kleine Maschinen aus Teneriffa Nord landen können. Die meisten Reisenden fliegen jedoch nach Teneriffa Süd und nehmen die Fähre nach San Sebastián de La Gomera. Vom Flughafen Teneriffa Süd fährt die Buslinie 343 zum Fährhafen Los Cristianos. Von dort läufst du noch 10–15 Minuten zum Hafen. Oder du nimmst ein Taxi vom Flugplatz zum Hafen (30–35 €). Willst du eine Zwischenübernachtung auf Teneriffa vermeiden, solltest du rechtzeitig vor dem Ablegen der letzten Fähre landen. Für den Rückflug gilt: Sicherheitshalber einen Nachmittagsflug buchen. 

Überfahrt nach La Gomera: Die Fähren von Los Cristianos nach San Sebastián brauchen 50–60 Minuten und kosten ab 42,80 € (einfache Fahrt). Zur Erkundung der Insel im eigenen Tempo ist natürlich ein Mietwagen ideal. Eine günstige Alternative sind die Inselbusse, die die wichtigsten Orte mehrmals am Tag verbinden (z.B. San Sebastian–Valle Gran Rey 5 €). Eine bequeme Alternative sind Taxis (San Sebastian–Valle Gran Rey circa 60 €).

Die Küche auf La Gomera

Die Inselküche ist einfach und bodenständig. Grillfleisch (Spezialität: Ziege) steht in vielen Lokalen im Mittelpunkt, begleitet von Runzelkartoffeln (papas arrugadas), kleinen, in der Schale gekochten Kartoffeln, und Mojo, einer pikanten Sauce. Wie gut das schmeckt, ist stark von der Mojo abhängig. An der Küste vor allem gibt es natürlich auch frischen Fisch. Vegetarier haben oft nur die Wahl zwischen Salaten und Ziegenkäse. Dabei war die traditionelle Inselküche fleischlos (siehe Kasten). Der Nachspeisenklassiker ist „Gebackene“ Milch mit Palmhonig (leche asada von miel de palma).

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Der Klassiker der Kanarenküche: Runzelkartoffeln mit Mojo

Casa Efigenia: Wo es schon Angela Merkel schmeckte

Doña Efigenia kichert verlegen, als ich sie nach ihren Alter frage. „Sehr alt!“ Vermutlich steht eine 9 vorne, aber sie ist so energiegeladen wie vor 15 Jahren, als ich sie zum ersten Mal traf. Efigenia kochte schon immer die Gerichte ihrer Kindheit mit den Produkten der Insel. „Unsere Küche war fleischlos, denn die Ziege gab Milch für den Käse und war zu wertvoll zum Schlachten“, erzählt die Patronin. Nie hätte sie sich träumen lassen, mit ihrer vegetarischen „Arme-Leute-Küche“ Trendsetterin zu werden.

Aber heute warten Wanderer im Restaurant geduldig auf einen freien Tisch und genießen das Menü mit Suppe, Gofio (Getreidebrei) mit Mojo und Salat mit Früchten sowie Käsekuchen als Nachspeise. Stolz zeigt Efigenia die viele Auszeichnungen und ein Buch mit ihrer Lebensgeschichte und ihren Rezepten, das jüngst erschien. Vor allem aber freut sie sich, wenn es den Gästen schmeckt. Wie Angela Merkel, die schon mehrfach zu Gast war und ein besonderer Fan der Brunnenkressesuppe ist. 


Restaurante La Montaña – Casa Efigenia (Tel. +34 659 807 458) in Las Hayas, oberhalb des Valle Gran Rey, hat längst Kultstatus bei Wanderern. Hier serviert Doña Efigenia seit mehr als 60 Jahren ein ländlich-vegetarisches Menü (€ 12) mit Zutaten, die zum Teil aus dem eigenen Garten stammen. 

Unterkünfte für den Urlaub auf La Gomera

Es gibt ein einziges Großhotel auf der Insel, im Valle Gran Rey aber einige Häuser von mittlerer Größe, die auch pauschal gebucht werden, sowie größere Apartmentanlagen Boutiquehotels findest du vor allem in den Bergorten des Nordens. Dazu kommt eine große Auswahl Ferienapartments (ab € 40) und Ferienhäusern (ab € 70).

Hauptstadt San Sebastián

  • Die eleganteste Unterkunft der Insel, der Parador Nacional Conde de la Gomera, bietet stilvolle Zimmer mit historischem Ambiente, einen herrlichen Garten mit großem Pool und Traumblicken zum Kegel des Teide-Vulkans auf Teneriffa. Einziger Nachteil: Vom Ort aus führt zu Fuß nur eine steile Treppengasse nach oben. 
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Parador in San Sebastian: Swimmingpool mit Vulkanblick
  • Eine günstige Alternative ist das schnörkellose, zentral gelegene Hotel Torre del Conde.

Playa Santiago

  • Jardin Tecina, das größte Hotel der Insel, ist keine Bettenburg. Eingebettet in einen Garten thront es in 1A-Lage auf den Klippen von Playa Santiago über dem schwarzen Kieselstrand. Mehrere Pools, ein Beachclub am Strand, ein 18-Loch-Golfplatz, Tennisplätze und Spa sorgen dafür, dass es garantiert nicht langweilig wird.
  • Die Pension Gaviota bietet einfache Zimmer mit Meerblick an der Hafenpromenade von Playa Santiago. 

Valle Gran Rey

  • Tadellose Zimmer bietet das Hotel Gran Rey im Ortsteil La Puntilla, das mehrfach für sein Öko-Management ausgezeichnet wurde. Der Hit ist die Dachterrasse mit Pool und traumhaftem Meerblick. 
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Hotel Gran Rey: Pool mit Ausblick auf der Dachterrasse
  • In einem wunderschönen Garten in La Playa verstecken sich die Bungalowanlage Oasis. Man hat die Wahl zwischen mehreren Bungalows und Studios. Dazu gehören meist großzügige Terrassen – oft mit Meerblick. 
  • Ein Schatzkästchen im Ortsteil La Calera ist das kleine Hotel La Concha mit hübschen Zimmern, Garten und Gemeinschaftsterrassen mit Meerblick.
  • Studios – mal im marokkanischen, mal im balinesischen Stil – mit ungewöhnlichen Interieurs und einen Spa auf dem Dach bietet die Gomera Lounge an der Promenade von La Playa.

Der grüne Norden La Gomeras

  • Das Boutiquehotel Ibo Alfaro (Hermigua, nur über Online-Portale buchbar) in einem altkanarischen Herrenhaus Norden verströmt reichlich Charme und lädt als Offline-Hotel zum Abschalten ein. Liebevoll sind Zimmer und Aufenthaltsräume eingerichtet und beim erstklassigen Frühstück auf der Terrasse blickst du auf die Hügel von Hermigua.

  • Ebenfalls eine schöne Adresse: Casa de los Herrera in Hermigua mit gepflegten neuen Zimmern, das auch als Hotelfachschule dient.
  • Hostal Casa Amaya (Vallehermosa, nur über Portale buchbar). Die Zimmer sind einfach (Mindestaufenthalt 5 Nächte), aber das Ambiente mit verwunschenem Garten nett. Und der Gastgeber ist wunderbar.
  • Casa Rural Los Helechos (Agulo, nur über Portale buchbar) im schönsten Dorf der Insel bietet rustikale Studios, einen Innenhof und eine tolle Dachterrasse mit Liegestühlen. 

Mehr Infomationen

Reiseführer La Gomera

Izabella Gawin, La Gomera, Reise Know-how Verlag, 2023. Detaillierter Führer, der bei der Vorbereitung und vor Ort sehr hilfreich ist. Mit vielen Wanderungen.

Offenlegung: Ich war auf Einladung La Gomera Travel auf der Insel. Die Kosten für die Anreise mit der Fähre übernahm Naviera Armas. Es ist kein Geld geflossen und meine Meinung ist und bleibt meine eigene.

*Affiliatewerbung: Links zu Partnerprogrammen. Wenn du etwas über diese Links buchst, erhalte ich eine kleine Provision, die mir hilft, die Kosten für den Blog zu stemmen. Für dich bleibt der Preis unverändert. Vielen Dank für deine Unterstützung!

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Hallo, ich bin Elke. Schon als kleines Mädchen immer mit dem Finger auf der Landkarte unterwegs. Als Reisejournalistin, Reisebuchautorin und Reiseleiterin heute Berufsreisende. Mit viel Know-how zu Asien und Neuseeland, aber auch leidenschaftlich gern vor der Münchner Haustür – in Oberbayern oder im Allgäu – unterwegs. Am liebsten mit Wanderstiefeln oder mit dem Fahrrad. Auch wenn ich schon einiges von der Welt gesehen habe – die Entdeckerlust ist immer noch endlos. Wo ich mich aktuell herumtreibe, erfahrt ihr auf meinem Insta-Profil.

8 Kommentare

  • Britta
    1. April 2024 at 14:36

    Liebe Elke,
    die Kanaren und auch La Gomera stehen noch auf meiner Reiseliste – und bei deinem Artikel bekomme ich sofort Lust zu buchen. Danke für die tolle Übersicht und die vielen Bilder und Tipps!
    Liebe Grüße
    Britta

    Antwort
    • Elke
      1. April 2024 at 18:46

      Liebe Britta,
      die Kanaren sind vor allem im Winter immer ein tolles Ziel – und für Wanderer ist La Gomera neben Teneriffa und La Palma natürlich erste Wahl.
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Stefan
    1. April 2024 at 15:42

    lang, lang it’s her. Deine schönen Beschreibungen haben meine Erinnerungen geweckt – und die Sehnsucht
    Wunderbar!

    Antwort
    • Elke
      1. April 2024 at 18:45

      Lieber Stefan,
      freut mich, dass ich Erinnerungen wecken konnte! Ist wirklich eine wunderbare Insel.
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Dennis
    2. April 2024 at 7:57

    Wow! Ein wirklich toller und unterhaltsamer Bericht. Wegen der Wandermöglichkeiten habe ich La Gomera schon seit Ewigkeiten auf meiner Liste.
    Deine Hintergründe und Details machen mir die Insel noch schmackhafter… ebenso die Casa Efigenia. 🙂

    Liebe Grüße
    Dennis

    Antwort
    • Elke
      2. April 2024 at 8:23

      Lieber Dennis,
      freut mich, wenn ich (noch mehr) Lust auf La Gomera gemacht habe. Und Casa Efigenia ist natürlich unbedingt einen Besuch wert!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Marie Schade
    3. April 2024 at 20:35

    Liebe Elke,
    es ist schon lange her, dass ich auf der Insel La Gomera war. Dein schöner und ausführlicher Beitrag macht Lust, dort einmal mehr Zeit zu verbringen und die Insel intensiver kennenzulernen.
    Liebe Grüße
    Marie (Rosemarie)

    Antwort
    • Elke
      3. April 2024 at 22:16

      Liebe Marie,
      vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Da hast du La Gomera vermutlich noch sehr ursprünglich kennengelernt. Die Natur ist auf jeden Fall immer noch ein Traum!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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