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Die Kykladeninsel Milos – eine stille Schönheit in der Ägäis

Bucht von Sarakiniko

Steinreich im wahrsten Sinne des Wortes liegt Milos – ein Paradies für Geologen – in der Ägäis. Mit weißen Dörfern, breiten Sandstränden, spektakulären Buchten, netten Tavernen und allem, was das Herz der Griechenlandfans höher schlagen lässt. Vor den berühmten Kykladeninseln Mykonos oder Santorini muss sich Milos nicht verstecken, ist aber nicht annähernd so voll. Hier erfährst du, was die Insel so besonders macht, wo du am besten dein Quartier aufschlägst und was du im Urlaub auf Milos nicht verpassen solltest. Perfekt ist die Insel auch als Ausgangspunkt zum Inselhüpfen auf den Kykladen.

Milos: Reich an Kunst und Mineralien 

Die bekannteste Insulanerin ist sicherlich die Venus von Milos, die Archäologen im 19. Jh. unweit der Inselhauptstadt Plaká fanden. Heute gehört sie zu den Stars des Pariser Louvre. Sie bezeugt, dass es auf Milos schon in der Antike eine bedeutende Siedlung gab. Damals bereits waren Mineralien der größte Schatz der Insel: Bimsstein, Schwefel, Kaolin und Obsidian schifften Händler in alle Welt. Inzwischen sorgen Bentonit und Perlit für Wohlstand auf der Kykladeninsel, auf der der Tourismus eine Nebenrolle spielt. 

Mohnblumen auf Milos
Mohnblumen auf Milos

„Noch vor zehn Jahren war Milos eine ganz und gar griechische Insel mit ein paar Fischern, vor allem aber Bergarbeitern. Tourismus interessierte niemanden“, sagt Gina, die Athenerin, die seit 14 Jahren auf Milos lebt. Sie gehört zu den Festlandsgriechen, die den Tourismus auf der Insel seit ein paar Jahren aufmischen – auf die sanfte Art. Mehr und mehr Boutiquehotels öffnen – das Zeug zur Trendlocation hat Milos schließlich allemal. Doch weil man sich hier erst spät Besuchern öffnete, findest du noch viel griechisches Alltagsleben. 

Großhotels sind nicht geplant, alles ist klein, intim, persönlich. Auch ein nennenswertes Nachtleben ist nicht vorhanden. Hier urlaubt nicht die internationale Partycrowd, die auf den Nachbarinseln unterwegs ist. Die meisten Stammgäste sind in reiferem Alter und suchen genau das, was die Insel bietet – einen entspannten Lebensrhythmus und griechisches Lebensgefühl.

Reif für mehr Inseln?

Adámas – ein quirliger Hafenort 

Die Fähren nach Milos legen in Adámas an, einem typischen weißen Kykladenort, der leicht hügelaufwärts klettert – unaufgeregt, unspektakulär, aber sehr sympathisch. Immer noch ist es ein erhabener Anblick, wenn Schiffe in die weite Bucht einlaufen. Einst zählte der Hafen von Adámas zu den wichtigsten Handelshäfen in der Ägäis. Und weil sich hier nicht alles um den Tourismus dreht, gibt es viel einheimisches Alltagsleben.

Auf der lebhaften Hafenpromenade treffen sich spätnachmittags die Einheimischen auf ein Schwätzchen, einen Kaffee oder ein Eis, und die Besucher gesellen sich einfach dazu. Sie wohnen in Boutiquehotels, Apartmentanlagen und Pensionen mit Privatzimmern, von denen die Schönsten in den Hügeln liegen – mit Blick auf Ort und Hafen. Zu Fuß bist du sowieso in wenigen Minuten am Wasser. 

Der nettere der beiden Ortsstrände ist der von Tamarisken beschattete Papikínos Beach, der sich an der wenig befahrenen Küstenstraße entlangzieht – mit zwei Beachbars, die neben Bewirtung auch Liegestühle bieten. Liegen auch die Traumstrände der Insel im Süden, wo es bislang nur sehr vereinzelt Unterkünfte gibt – Adámas bietet eine ausgezeichnete Infrastruktur und ist der beste Ausgangspunkt für die Inselerkundung. 

Übernachten in Adamás

Mittel: Santa Maria Village – schicke Anlage im Kykladen-Stil mit traumhaftem Pool mit Meerblick. Nur einen Spaziergang von Strand und Ort entfernt. Hotel Portiani ist ein kleines Haus direkt am Hafen und bietet eine solide Ausstattung mitten im Geschehen.

Günstig: Nette Zimmer und Studios für Selbstversorger bietet Psilandis – etwas außerhalb, aber mit Ausblick..

Reisen und Speisen

Das Oh! Hamos! schätzen auch die Einheimischen für seine authentische Inselküche. Auf den Tisch kommen im hübschen Garten Großmutters Klassiker aus dem Tontopf und selbstgemachter Ziegenkäse. Eine Beach-Bar ist angegliedert. Fisch und Meeresfrüchte direkt am Wasser werden bei Mikros Apoplous frisch und köstlich zubereitet.

Plaká – eine dörfliche Inselhauptstadt

Ein Stück Griechenland wie aus dem Bilderbuch: Weiß getünchte Kykladenhäuser, verwinkelte Gassen, eine Kirche mit Panoramaterrasse, kleine Bars und Restaurant und viel authentisches Inselleben. Und das alles bekrönt von der Ruine einer venezianischen Burg. Der nächste Strand ist von Plaká aus eine Autofahrt entfernt. Dafür wirst du – in der Nebensaison zumindest – Teil des einheimischen Lebens, kannst mit den Bewohnern im Kaffeehaus plauschen oder der Hochzeitsgesellschaft zur Kirche folgen, deren Terrasse für viele der beste Sunset-Spot der Insel ist. Die wenigen Unterkünfte – einige mit herrlichen Küstenblicken – sind schnell ausgebucht.

Zu Fuß erreichst du das hübsche Dorf Tripiti mit seinen netten Tavernen, von wo aus sich ein Spazierweg zu den Überresten der antiken Vergangenheit schlängelt. Das griechische Theater fasste einst 5000 Zuschauer und das Geschehen auf der Bühne stand sicher in Konkurrenz zum Meerblick.

Griechisches Theater von Tripiti
Griechisches Theater von Tripiti

Ganz in der Nähe fanden Ärchäologen die Venus von Milos und in den sehenswerten Katakomben versteckten sich im 3. Jh. Christen. Am Wasser liegt der einstige Fischerort Klima mit seinen fotogenen Fischerhäusern, die heute Studios für Touristen sind.

Fischerhäuser von Klima
Fischerhäuser von Klima

Mit dem Auto erreichst du einige der schönsten Buchten wie Plathiena mit karibikgrünem Wasser oder Fyropatamos mit fotogener Kirche und den bildhübschen Fischerort Mandrakia mit Bootsgaragen, weißen Würfelhäusern und einer berühmten Inseltaverne. 

Übernachten in Plaka

Mittel: Schlicht ist die Einrichtung in Studios Betty, der Blick von der Terrasse dagegen unbezahlbar und der Service sehr charmant.

Günstig: Das Mini-Apartment für zwei Personen im Viver a Plakes ist ein echtes Schnäppchen.

Reisen und Speisen

Wunderbar kreativ mediterran (z. B. Kaninchen in Wein mit Orangen) mit Produkten aus eigenem Anbau kommt im Barriello (im Vorort Tripiti) am Dorfplatz hoch über dem Meer auf den Tisch. In der kleinen Taverne Medusa (Mandraki) gibt es griechische Tapas zum Teilen direkt am Meer.

Die schönsten Buchten und Strände

Der langgezogene Sandstrand von Achivadolimni, der geschützt in der Bucht liegt, bietet auch im Frühjahr schon angenehme Badetemperaturen. Eine trendige Beachbar (Liegestühle 12 €/Tag) lädt zum Bleiben ein. 

Milos: Chivadolimni Beach
Achivadolimni Beach

Wahrhaft spektakulär ist die schneeweiße Mondlandschaft aus Bimsstein von Sarakiniko, vor der die Ägäis smaragdgrün schimmert und an einigen Badestellen zum Schwimmen einlädt. Am besten möglichst früh kommen! 

Bucht von Sarakiniko
Bucht von Sarakiniko
Bucht von Sarakiniko

Der Blick auf den langen Strand von Fyriplaka an der Südküste mit seinen bunten Felsformationen raubt tatsächlich einen Moment den Atem (Beachbar nur im Sommer). Noch aufregender ist nur der Nachbarstrand Tsigrado, zu dem du über zwei Leitern absteigst.

Milos: Fyriplaka Beach
Fyriplaka Beach
Milos: Fyriplaka Beach

Voll erschlossen dagegen ist Paliochori Beach mit Strandliegen und dem Lokal Sirocco. Dort garen die Köche Fleisch, Fisch und Gemüse im 100 °C heißen Vulkansand. 

Eine feinsandige Traumbucht: Paliá Thiorychía, die du nur per Boot oder im Jeep auf Holperstraßen erreichst. Für eine besondere Kulisse sorgt die romantisch verfallene Ruine der in den 1960er-Jahren stillgelegten Schwefelmine.

Den spektakulärsten aller Badeplätze, Kleftiko an der Südküste, erreichst du nur per Boot (s.u.)

Per Katamaran rund um die Insel 

Die Gesteinsschichten der vulkanischen Insel erzählen Erdgeschichte. So ist die Außenhaut von unzähligen Höhlen durchlöchert wie ein Schweizer Käse und schimmert hier und da wie Schlangenhaut. Weiße, gelbe, rosafarbene, grüne, graue und lavaschwarze Felsbänder rahmen die langen Strandbuchten ein, von denen du einige der schönsten nur vom Boot aus oder über Leitern erreichen kannst. Und vor vielen der insgesamt 70 Strände ragen bizarre Felsnadeln, -brücken und -tore aus dem Wasser. Am besten zu sehen auf einer Katamaranfahrt rund um die Insel (120 € all inclusive).

Kapitän Polichronis Mavros steuert seinen Katamaran rund um Milos und ist auch heute wieder überwältigt von der Schönheit seiner Heimat: „Ist das nicht unglaublich! Die weißen Felsen, die Farbe des Wassers!“ Tatsächlich, ein Postkartenmotiv reiht sich ans andere. 

Die spektakuläre Außenhaut der Insel solltest du unbedingt auf einer Bootsfahrt anschauen. Die Katamarane legen meist in Pollonia ab, um 9 später in Adámas zu ankern (Transfers inklusive). Unterwegs legt das Boot etliche Bade- und Schnorchelstopps an den schönsten Badeplätzen der Insel ein, die man nur auf dem Wasserweg erreichen kann – allen voran die einzigartige weiße Felslandschaft von Kleftikon im smaragdgrünen Meer. Unterwegs eröffnet der Kapitän von Milos Adventures ein köstliches Bordbuffet. Alternativ zur großen Rundfahrt gibt es Kurztouren von der Südküste aus, die nur nach Kleftikon führen. 

Pollonia – ein lifestyliger Urlaubsort 

Leben in Adámas mehr Einheimische als Touristen, so ist das Verhältnis in Pollonia umgekehrt. Aus dem Fischerort wurde ein Urlaubsort, der im Winter zur Geisterstadt wird. Auch hier ist der Lebensrhythmus ruhig und gemütlich. Neben dem kleinen Hafen zieht sich der passable Ortstrand rund um die Bucht. Die Hotels und Apartmentanlagen liegen etwas abseits vom alten Dorfkern. Und weil Milos erst spät ins Tourismusgeschäft einstieg, gibt es keine Bausünden, sondern ausnahmslos attraktive Anlagen im Kykladenstil in unterschiedlichen Preisklassen.

Einige der Restaurants haben sich der Klientel anspruchsvoller Individualurlauber angepasst und bieten eine kreativ verfeinerte griechische Küche. In Pollonia liegt auch das einzige Weingut der Insel, wo Winzer Kostantakis Verkostungen von Milos-Weinen anbietet. 

Übernachten

Gehoben: Wohlfühlambiente bietet das Boutiquehotel Tania mit 12 schicken Zimmern direkt am Meer und nettem Garten mit Liegestühlen. Auch in den stylischen Nefeli Studios kannst du im Garten mit Meeresbrise frühstücken. Ebenfalls toll: Liegestühle am kleinen Strand vor der Haustür.

GünstigFloras Rooms bietet einfache und günstige Zimmer. Ein dickes Plus: die schattige Terrasse direkt am Strand.

Reisen & Speisen

Eine prima Fischtaverne direkt am Wasser ist Armenaki. Auch im Familienbetrieb Enalion stehen die Bewohner des Meeres im Mittelpunkt. Für viele das kreativste Lokal der Region (z.B. Oktopus-Stifado mit Milos-Honig) mit ausgezeichneter Weinkarte. 

Infokasten

Anreise 

Milos hat einen winzigen Flughafen, den kleine Maschinen ab Athen anfliegen. Du erreichst die Insel aber auch mit dem Schiff von Athen aus. Von Milos gehen Fähren zu den Nachbarinseln (Kimolos, Sifnos, Folegandros). 

Milos Airport
Milos Airport

Unterwegs auf der Insel

Busse verkehren auf der Insel außerhalb der Hochsaison nur wenige Male am Tag. Die schönsten Plätze erreichst du sowieso meist nur mit dem Mietwagen (ab 25 €/Tag), Quad (ab 20 €/Tag) oder Scooter (ab 15 €/Tag). Weite Teile der Insel – so der gesamte Westen und die Ostküste – sind wild, kaum besiedelt und nur für Jeeps befahrbar. 

Essen & Trinken

Ein gesunder Start in den Tag: sahniger griechischer Joghurt mit Früchten, Nüssen und Trockenfrüchten. Auch Pasteten mit Schafskäse sowie süße Teilchen sind beliebt. Mittags und abends stillt Grillfleisch kostengünstig den Hunger. Oder die Tischgesellschaft teilt sich Mezze, griechische Tapas (pro Portion 5 €), die von Klassikern wie Tzaziki bis zu frittierten Sardellen, Fleischbällchen oder den besonderen Ziegenkäse-Varianten der Insel (ab 6 €) reichen. Frischer Fisch hat auch in der Ägäis seinen Preis (ca. 15 €/Portion). Zur Hausmannskost à la Milos gehören Gerichte aus dem Tontopf mit Orza (Nudeln in Form von Reiskörnern) und Gemüse oder Ziegenfleisch. Ein vegetarischer Klassiker zum Lunch: Griechischer Salat. Zum Essen schmeckt frischer griechischer Weißwein.

Lokal in Plaka
Lokal in Plaka

Reisezeit

Ideal sind die Monate Mai/Juni und September/Oktober, wenn die Temperaturen angenehm sind. Schon im Mai kannst du in der Regel problemlos baden und der Urlaubsrhythmus ist noch sehr entspannt. Im Sommer ist es sehr heiß, halb Athen scheint sich auf der Insel zu tummeln und die Preise schießen in die Höhe. Einige Unterkünfte unterscheiden nur zwischen Hochsaison (Juli/August) und Nebensaison, andere kennen eine Zwischensaison (Juni und September). 

Unterkunft

Großhotels gibt es auf Milos nicht. Apartmentanlagen, Studios und familiengeführte Pensionen dominieren. Dazu haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr Boutiquehotels gesellt – stilvolle und komfortable Alternativen für Individualisten. 

Apartment in Mandrakia
Apartment in Mandrakia

Reiseführer

Derzeit der aktuellste Führer auf dem Markt: Kykladen, Michael Müller Verlag 2018. Mit vielen Wanderungen.

Offenlegung

Visit Greece unterstützte meine Reise durch Übernahme der Kosten für Flug, Übernachtung und Fährtickets. Ich habe kein Honorar für den Artikel erhalten und an die Unterstützung waren keinerlei Bedingungen geknüpft.

2 Kommentare

  • threelittlebirds
    22. Mai 2021 at 0:27

    Danke für den lesenswerten Beitrag und den tollen Bildern 😀 Da kann man sicherlich gute Radtouren mit einem E-Trekkingbike verbringen 😀

    Antwort
    • Elke
      22. Mai 2021 at 7:07

      Vielen Dank für den Kommentar! Natürlich kann man auch auf Milos mit dem E-Bike schöne Touren machen. Ich habe allerdings keine Verleihstation entdeckt. Das ändert sich aber bestimmt schnell, denn E-Bikes werden ja immer populärer.
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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