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Wanderung durch die Höllentalklamm bei Grainau – eine echte Spritztour

Wanderung durch die Höllentalklamm

Keine Frage, die Wanderung durch die Höllentalklamm bei Grainau gehört zu den schönsten Wanderungen rund um Garmisch. Die Klamm konkurriert in der Publikumsgunst mit der bekannteren Partnachklamm, die für jeden Besucher gut auf einem Spazierweg erreichbar und bestens passierbar ist. Die Höllentalklamm musst du dir erobern. Zunächst einmal geht es – je nach Kondition – in 1–1,5 Stunden rund 300 m bergauf zum Eingang. Auch die Klamm selbst ist nicht ebenerdig. So kommen durchaus ein paar Höhenmeter zusammen.

Fazit: kein Spaziergang, sondern eine echte Bergtour. Aber das macht natürlich auch den Reiz der Wanderung durch die Höllentalklamm aus. Ganz abgesehen davon, dass sich deutlich weniger Besucher durch die Höllental- als durch die Partnachklamm zwängen. Müsste ich zwischen den beiden Naturwundern wählten – meine Nummer eins stände fest.

Höllental mit Bergkulisse
Höllental mit Bergkulisse

Wanderung zum Eingang der Höllentalklamm

Die 700 m lange Höllentalklamm bildet das Ende des Höllentals, das sich zwischen Blassenkamm und Waxensteinkamm im Zugspitzmassiv erstreckt. Hier grub sich der Hammersbach im Laufe der Jahrtausende einen spektakulären Weg durch den Fels. Wenn du nach der feucht-fröhlichen Durchquerung der wilden Klamm Lust auf mehr Bewegung hast, läufst du weiter zur Höllentalangerhütte, die Ausgangspunkt für die Besteigung der Zugspitze ist. Ganz dicke Empfehlung! Es geht zwar noch einmal stetig bergauf, aber es lohnt sich

Aber zurück auf Start: Der Einstieg zur Wanderung ist gemütlich. An der Kapelle beim Hotel Haus Hammersbach im Ort Hammersbach wanderst du los.

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Bergbau in der Höllentalklamm

Der kleine Ort am unteren Ende des Höllentals war einst Ausgangspunkt für den Bergbau in der Region, der schon im 15. Jahrhundert begann. Vor allem der Rohstoff Molybdän, der eine Rolle bei der Stahlveredlung spielt, wurde gefördert. Durch die hochalpine Lage war der Abtransport der Erze allerdings schwierig und teuer, die Erträge letztlich zu gering. Vor rund 100 Jahren schon schloss das Bergwerk für immer.

Durch Hammersbach fließt der Hammersbach, der dich auf der Wanderung begleitet und dir noch beweisen wird, dass er ein echter Wildbach ist. Der Wegweiser schickt uns („70 Min., 2,8 Kilometer“) auf der linken Seite des Baches entlang. Bis zum Wald verläuft der Weg ohne Steigungen. Nachdem du eine Brücke überquert hast, beginnt der Anstieg. Wie schön, dass die Bäume an heißen Tagen Schatten spenden! Der milchig grüne Hammersbach, dem du dich unterwegs immer wieder näherst, sorgt zusätzlich für kühle Luft. 

Über Stufen und Serpentinen geht es langsam aber stetig bergauf. Nach einem steileren Stück auf Geröllwegen folgt zur Erholung zwischendurch auch mal eine ebenerdige Passage. Ab der Materialseilbahn für die Hölltalangerhütte wird der breite Weg zum Wandersteig. Wenn du eine Felswand erreichst, vor der zwei Wasserfälle ins Tal stürzen, ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Eingang der Klamm. Wer noch Stärkung braucht: Die Höllentaleingangshütte klebt auf einer Terrasse am Fels. Eine urige Einkehr.

Durch die Höllentalklamm

Am Eingang zur Klamm bezahlst du das Eintrittsgeld, das unverzichtbar zur Erhaltung der Klamm ist, und machst dich wetterfest. Die Durchquerung ist auch im Hochsommer ein erfrischendes Vergnügen. Eine Regenjacke mit Kapuze sowie eine Fleecejacke gehören in den Rucksack.

Direkt hinter dem Eingang lädt ein kleines Museum zum Besuch ein: Es geht um die Geschichte des Bergbaus im Höllental, aber auch um die touristische Erschließung der Klamm, die schon in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts begann. 1905 spazierten die ersten Besucher staunend durch die Höllentalklamm. Eindrucksvoll dokumentieren Fotos und Gerätschaften das Abenteuer.

Der Weg wird schnell schmaler und du tastest dich auf dem Steig, der oberhalb des Bergbachs in den Fels gesprengt wurde, voran. Er führt – bestens gesichert – über Brücken und durch spärlich beleuchtete Tunnel. Teilweise bist du auch auf Bohlenwegen unterwegs, die Jahr für Jahr im Herbst abgebaut und im Frühjahr von freiwilligen Helfern des DAV wieder neu verlegt werden. Ein dickes Dankeschön an den Alpenverein! 

Der Hammersbach donnert, gurgelt, tost und spritzt. Faszinierend, wie sich das Wasser im Laufe von Jahrtausenden seinen Weg durch den Fels gebahnt hat! Wasserfälle stürzen in die Tiefe. Feuchtigkeit von oben und von unten. Eine echte Spritztour! 

Auch im Hochsommer geht es noch vorbei an riesigen Schneeblöcken – zumindest dort, wo kein Sonnenstrahl sich blicken lässt. Und immer wieder Baumstämme, die sich zwischen den Felsen verfangen haben. Ein wunderbares Spektakel!

Schneefeld in der Höllentalklamm
Schnee in der Höllentalklamm

Aufstieg zur Höllentalangerhütte

Direkt hintern der Klamm weitet sich das Tal. Hier wird auf einem kurzen Stück vor Steinschlag gewarnt. Also schnell weiterlaufen. Bald kommen schöne Picknickplätze, wo du dich von der Sonne trocknen lassen kannst. Zur Linken siehst du den Eingang zum Stangensteig, der Alternativroute für den Rückweg. Ob das dein Ding ist, musst du selbst entscheiden. Er ist länger und anspruchsvoller als der Weg durch die Klamm und wurde einst von den Knappen des Bergwerks genutzt. Bei unsicherem Wetter sicher keine gute Wahl.

Eingang zum Stangensteig
Eingang zum Stangensteig

In Serpentinen geht es weiter nach oben. Doch schon bald verläuft der Weg – flankiert von steilen Felswänden – wieder fast flach. Kurz bevor du die Hütte erreichst, stürzt sich noch ein Wasserfall von den Felsen. Dann öffnet sich das Obere Höllental und gibt den Blick frei auf die Gipfel der Waxensteine, Riffelwände und den Höllentalferner. Dahinter türmt sich die Zugspitze (2962m) auf. Eine alpine Landschaft in ihrer ganzen überwältigenden Pracht. Da fehlen die Worte. Stattdessen reichlich Ahs und Ohs. 

Blick ins Höllental
Blick ins Höllental

Hier liegt die Höllentalangerhütte (1387 m), wo viele Bergsteiger die Nacht verbringen, bevor sie am nächsten Tag durch das Höllental und über den Höllentalferner die Zugspitze erklimmen. Für den Durchschnittswanderer ist hier Endstation. Jetzt unbedingt einen Platz auf der Terrasse der Hütte suchen und den Ausblick genießen. 

Die erste Hütte hier erbaute man 1893, eine einfache Schutzhütte, die heute im Garten des Alpinen Museums in München steht. Natürlich wurde sie im Laufe der Zeit immer wieder um- und ausgebaut. 2015 ersetzte ein Neubau das marode Bergquartier. Die Romantik ging verloren, dafür genügt der Neubau neuesten Umweltstandards, hat ein eigenes Wasserkraftwerk für die Stromerzeugung und ein Klärwerk. So hat sie sich das Umweltsiegel des Alpenvereins redlich verdient.

Abstieg zur Höllentalklamm
Rückweg zur Höllentalklamm

Auf der Terrasse und in der Gaststube gibt es alpenländische Küche, die angesichts des schwierigen Transportwegs natürlich etwas teurer ist. Wer ein Bett reserviert hat, kann auch über Nacht bleiben. Wenn du wieder nach Grainau absteigst, machst du dich nach einer ausgiebigen Pause wieder auf den Rückweg.

Infokasten zur Wanderung durch die Höllentalklamm

  • Länge der Tour: 12,1 km
  • Höhenmeter: ca. 700
  • Dauer der Wanderung: 4,5–5 Stunden.
  • Charakter: Nur mit Rückweg über den Stangensteig eine Rundwanderung. Sonst geht es auf gleichem Weg durch die Klamm zurück.
  • Öffnungszeiten: Nur im Sommerhalbjahr geöffnet. Je nach Winter Mitte oder Ende Mai bis Oktober.
  • Jahreszeit: ideal im Sommer
  • Parken: kostenpflichtiger Parkplatz vor dem Ort Hammersbach (Höllentalstraße 18, 82491 Grainau). Sollte dieser schon voll sein, gibt es einen weiteren Parkplatz an der Zugspitzstraße am Ortseingang von Obergrainau.
  • ÖPNV: Vom Bahnhof Garmisch-Partenkirchen mit der Zugspitzbahn oder mit dem Eibseebus bis zur Haltestelle Hammersbach. 
  • Ausrüstung: Feste Wanderschuhe sind ein Muss. Genauso wie einen Regenjacke mit Kapuze und eine Fleecejacke, denn in der Klamm ist es auch im Hochsommer kühl und feucht. 

4 Kommentare

  • Karen von KAREN ON TOUR
    24. Juli 2021 at 11:38

    Das hört sich nach einer sehr aufregenden Wanderung an, toll beschrieben, tolle Bilder! Gilt die Wanderzeit für eine Strecke oder hin und zurück? Geht es zurück schneller?
    Sehr spannend jedenfalls, dazu hätte ich Lust.
    LG Karen

    Antwort
    • Elke
      24. Juli 2021 at 17:24

      Liebe Karen,
      die Durchquerung der Höllentalklamm war tatsächlich eine meiner schönsten Wanderungen in diesem Jahr. Die Wanderzeit gilt für die gesamte Tour. Zurück geht es bergab, also immer ein bisschen schneller.
      Viel Spaß beim Nachtwandeln!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Frida
    30. August 2021 at 21:27

    Was für eine schöne (und nasse) Tour durch die Höllentalklamm am Wochenende… Vielen Dank liebe Elke für die Inspiration!

    Antwort
    • Elke
      30. August 2021 at 21:48

      Liebe Frida,
      dann viel Spaß bei der Tour! Regenzeug nicht vergessen 😉 …
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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