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Laubfärbung am Großen Ahornboden oder Indian Summer im Tiroler Engtal

Almdorf Eng während der Laubfärbung am Großen Ahornboden

Das Tiroler Engtal – ein Stück Österreich, das nur von Bayern aus erreichbar ist – ist umringt von den Kalkzacken des Karwendels. Eine herrliche Wanderregion, die Mitte Oktober ihren ganz großen Auftritt hat. Dann sind die Parkplätze an Wochenenden bis auf den letzten Platz gefüllt, denn alle möchten die Laubfärbung am Großen Ahornboden hier bewundern. Indian Summer in Tirol. Doch lohnt sich der Ausflug ins Tiroler Engtal?

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Laubfärbung am Großen Ahornboden

Die Anreise zum Indian Summer im Tiroler Engtal

Urlauber, die in Lenggries beispielsweise starten, sind relativ schnell am Ziel. für Ausflügler aus München und Umgebung ist die Anfahrt lang. Mit dem PKW braucht man ins Engtal je nach Verkehrslage bis zu zwei Stunden. Zunächst geht es in Richtung Lenggries, dann über den Sylvensteinspeicher am Rißbach entlang über die Grenze nach Österreich. Über Vorderriß dann nach Hinterriß und von dort führt eine Mautstraße (4,50 €/PKW) ins Engtal. Um noch einen Parkplatz vor Ort zu ergattern, solltest du früh starten. Wer öffentlich anreisen will, nimmt den Zug nach Lenggries. Von dort fährt mehrmals am Tag ein Wanderbus ins Engtal. Ein enger Zeitrahmen, wenn es im Herbst früh dunkel wird.

Der Weg zur Laubfärbung am Großen Ahornboden ist (auch) das Ziel

Stimmt. Die Fahrt allein ist ein Traum. Es geht durch eine schroffe Landschaft, durch die der türkisgrüne Roßbach rauscht. Breit ist sein Kiesbett, schroff die Gipfel dahinter. Ein wildes Stück Bayern bzw. Österreich. Ich war nie in Kanada, aber die erste Assoziation war ganz klar: Wow, wie in Kanada! Verrückt. Aber schließlich haben wir alle Fernsehbilder im Kopf. Das dicht besiedelte Mitteleuropa scheint eine Weltreise entfernt. Endstation Sehnsucht ist das Engtal. Dort angekommen rieb ich mir ernüchtert die Augen: Wo kommen bloss all die Menschen und all die Autos her? Erstaunlich viel Englisch und Spanisch ist zu hören. Die Menschenmassen folgten wohl alle dem Lockruf, der einen „Indian Summer“ in den Alpen verspricht.

Was ist dran am Hype um die Laubfärbung am Großen Ahornboden?

Der Große Ahornboden ist seit 1988 ein Landschaftsschutzgebiet auf 1279 m Höhe im Alpenpark Karwendel, das sich über 265,62 Hektar im Engtal kurz hinter der österreichischen Grenze erstreckt. Hier wachsen rund 2000 Berg-Ahornbäume, von denen einige bis zu 600 Jahre alt sind. Das sind deutlich mehr Exemplare als anderswo in den Alpen, denn sie gedeihen im besonderen Klima und auf dem besonderen Boden des Tals besonders gut. Der Berg-Ahorn am Großen Ahornboden wurde bereits 1927 zum Naturdenkmal erklärt. Auch abgestobenen Bäume dürfen nicht gefällt werden. Das Totholz ist eine ökologische Nische für Vögel, Fledermäuse und Insekten.

Goldener Oktober in der Eng

Wenn das Mikroklima günstig ist, beginnt die Lauffärbung Ende September, gefolgt von einem wahrhaft Goldenen Oktober. Damit locken die Fotos im Internet zumindest. Doch glücklicherweise ist und bleibt die Natur eigenwillig. Wenn der Winter früh und heftig mit Frost, Schnee und Wind eingezogen ist, fallen die Blätter bräunlich und kraftlos frühzeitig zu Boden, statt Farbzauber in Gelb und Rot zu verbreiten. So in diesem Jahr. Längst nicht alle Bäume sind bunt gefärbt. Die Bergkulisse ist traumhaft, die Sonne scheint, der Schnee in den Bergen glitzert. Es hilft nichts: Ich bin ein klein bisschen enttäuscht.

Der Berg-Ahorn am Großen Ahornboden rund ums Almdorf Eng

In Mitteleuropa ist der Berg-Ahorn die häufigste Ahornart. Er fühlt sich im kühl-feuchten Bergklima und auf kalkhaltigen Böden besonders wohl. Perfekte Bedingungen im Engtal. Die so genannten „Ahornböden“ oder Bergahornweiden auf Almwiesen wurden im Engtal wie auch anderswo durch bäuerlichen Anbau gefördert. Doch auch Bäume altern. Im Engtal sind die Berg-Ahornbäume bereits 400 bis 600 Jahre alt und sterben langsam ab. Um das besondere Landschaftsbild zu erhalten, sammelten die die Almbauern Spenden und pflanzten in den letzten Jahren zahlreiche junge Ahornbäume.

Das Almdorf Eng im Tiroler Engtal

In den historischen Almhütten im Engtal leben in den Sommermonaten wie eh und je 10 Bauern aus dem Inntal. Sie haben bereits Mitte des 19. Jahrhunderts eine Agrargemeinschaft gegründet. Ihre Kühe genießen auf der Alm mit ihren saftigen Weiden die Sommerfrische und laben sich an guten Bergkräutern.

Seit 1959 bereits vermarkten die Bauern ihre Produkte selbst. Die Milch der Kühe wird in der Käserei, die zum Almdorf gehört, zu Butter, Sauermilchprodukten und vor allem zu Käse verarbeitet. Mehrere Sorten wie den beliebten und würzigen Enger Bergkäse kannst du vor Ort im Bauernladen probieren und natürlich auch kaufen. Vormittags kannst du sogar dem Käser bei der Arbeit zuschauen.

Natürlich gehört zum Besuch des Tals auch eine Einkehr im Gasthof, wo alpenländische Klassiker auf der Karte stehen – darunter Käsespezialitäten wie Backkäse, Kasspatzen oder Kaskrainer.

Wandern im Engtal

Auch ohne Wanderstiefel lässt sich das Tal erkunden. Ein einfacher Spaziergang führt an den berühmten Ahornbäumen als Lehrweg – mit vielen Tafeln, die Interessantes über Almwirtschaft und Vegetation verraten – zum Almdorf Eng

Wer ein paar Kalorien verbrennen möchte, bevor es ans Schlemmen geht, wählt je nach Zeitbudget und Konditionslevel eine der zahlreichen Wanderungen. Das Spektrum reicht von kurz und einfach bis lang und anspruchsvoll. Eine kleine Wanderung beispielsweise führt in den Enger Grund, wo sich manchmal Gämsen blicken lassen – eine schöne kleine Familientour.

Ein Klassiker ist der Panoramaweg über die Binsalm, der nach rund 2,5 Stunden wieder im Tal endet. Er ist ab dem Gasthaus im Almdorf bestens ausgeschildert und führt stetig bergauf in den Wald. Weiter geht es am Waldrand entlang bis zu einem Rastplatz mit mehreren Bänken und grandiosem Ausblick aufs Karwendel. Von da an schlängelt sich der Weg auf dem Wanderpfad leicht bergab bis zur Binsalm, einem Berggasthaus mit großer Sonnenterrasse. Zurück ins Tal geht es auf einem bequemen Forstweg. Mitte Oktober schon war der Weg 2021 nach dem vorzeitigen Wintereinbruch vereist. Ich fluche. Die vielen Turnschuhwanderer rutschen ins Tal. Schön war’s trotzdem.

Fazit: Beim nächsten Mal zur Krokusblüte in die Eng

Spazierwege, Wanderwege und Berggasthöfe locken rund ums Sommerhalbjahr in der Eng. Tatsächlich hat das Jahr neben dem Oktober elf weitere Monate. Wenn auf den Ahorn sowie kein Verlass ist, komme ich beim nächsten Mal einfach im Juni oder im September, wenn es nicht ganz so voll ist. Ein Tipp der Einheimischen ist das Frühjahr, wenn Krokusse und Himmelsschlüssel blühen und die Berge rund ums Tal noch verschneit sind.

Wenn es nicht ganz so weit sein soll – auch rund um Lenggries gibt es wunderbare Wanderungen. Zum Beispiel am Brauneck.

Wandern in Oberbayern

Infos zur Laubfärbung am Ahornboden

Anfahrt: A 8 Richtung Salzburg bis Ausfahrt Holzkirchen, weiter auf der B13 über Bad Tölz nach Lenggries. Am Sylvenstein-Stausee auf die Bundesstraße B 307, bei Vorderriss ins Risstal abzweigen und bis Hinterriss weiterfahren. Der Rest des Weges bis ins Engtal ist mautpflichtig (Mautstraße geöffnet 1. Mai–1. November).

Parken: Mehrere Parkplätze im Tal, der letzte (P10) ist der größte Wanderparkplatz und liegt ca. 10 Minuten Fußweg vom Almgasthof Eng entfernt. Der Weg dorthin ist geteert und mit Kinderwagen oder Rollstuhl befahrbar.

Engalm: Im Sommerhalbjahr (Mai bis Ende Oktober) ist die Engalm samt Gasthof und Bauernladen durchgehend geöffnet. Vormittags können Besucher dem Käser bei seiner Arbeit zuzuschauen. 

Einkehr: Rasthütte in der Eng Alm, Hinterriß, Tel. +43 5245226; Binsalm, Hinterriß-Binsalm 1, Hinterriß-Binsalm 1, Tel.+43 5245 214 (40 Min. Aufstieg über einen Forstweg vom Tal aus; außerdem über den Panoramaweg erreichbar).

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