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Die Chiemseeinseln – Ausflug zum Schloss Herrenchiemsee und zur Fraueninsel

Fischerboote auf der Fraueninsel

Irgendwann sind die meisten Chiemgauurlauber reif für die Inseln im Chiemsee. Die »Berta« und andere schneeweiße Schiffe der Chiemseeflotte gleiten ab Prien am Chiemsee über das »Bayerische Meer« zur Herreninsel und zur benachbarten Fraueninsel. Zusammen mit der winzigen Krautinsel, dem einstigen klösterlichen Gemüsegarten, bilden sie die kleinste Gemeinde Bayerns.

Vom Hafen in Prien mit der weißen Flotte zu den Chiemseeinseln
Ab Prien am Chiemsee steuern die Schiffe der Chiemseeflotte die beiden Inseln im Chiemsee an
Unterwegs mit der weißen Flotte
Die schneeweißen Schiffe der Chiemseeschifffahrt

Die Chiemseeinseln: Ausflug nach Herrenchiemsee

Die meisten Besucher nehmen nach der Ankunft auf der Herreninsel gleich Kurs auf das Königsschloss Herrenchiemsee und ignorieren das Alte Schloss – den älteren, geschichtsträchtigeren Teil der Insel. Ein Schlenker lohnt sich aber unbedingt. 

Ankunft auf der Herreninsel
Ankunft auf der Herreninsel mit dem Königsschloss

Ein ehemaliges Kloster im Chiemsee wird Verfassungsschmiede

Auf der Herreninsel lag eine der Wiegen des Klosterwesens in Bayern. Die Säkularisation im frühen 19. Jh. bedeutete allerdings das Ende für das dortige Augustiner-Chorherrenstift. Die Heiligenfiguren versenkte man im See, die Kirche wurde zum Brauhaus. Spekulanten fielen über die Insel her. 

Als schwäbische Holzhändler zum Kahlschlag rüsteten, reagierte König Ludwig II. auf eine Petition einheimischer Bauern, erwarb die waldreiche Insel 1873 für 350 000 Gulden. Ludwig der Naturschützer. Im Ostflügel der Klosteranlage richtete er Privaträume ein, die du auf einem Rundgang besuchen kannst. Von dort aus konnte er ab 1878 die Bauarbeiten am Schloss verfolgen.

Herreninsel im Chiemsee: Altes Schloss
Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee © Bayerische Schlösserverwaltung www.herrenchiemsee.de

Die Klosteranlage kam zu besonderen Ehren, als vom 10.–23.8.1948 hier der Verfassungskonvent zur Ausarbeitung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland tagte. An dieses Ereignis erinnert im Museum die Ausstellung »Der Weg zum Grundgesetz«. Eine weitere Ausstellung widmet sich den Malern auf Chiemsee.

Schloss Herrenchiemsee – das Königsschloss auf der Herreninsel 

»Der Ludwig war schon in Ordnung«, meint der Kutscher, der mich und ein paar Urlauber mit dem Pferdewagen vom Bootsanleger zum Schloss Herrenchiemsee kutschiert. Kein Wunder: Schließlich sichert Bayernkönig Ludwig II. (1845–1886) auch fast 150 Jahre nach seinem Tod viele Arbeitsplätze in der Region. Schloss Herrenchiemsee ist zweifellos eine Top-Attraktion im Chiemgau.

Mit dem Pferdewagen zum Königsschloss
Mit dem Pferdewagen zum Königsschloss

Ein unglücklicher König: Ludwig der Baumeister

Ludwig gehört zu den schillernden Gestalten der bayerischen Geschichte, deren Leben reichlich Stoff für Filme, Romane oder sogar Musicals hergibt. Das konnte niemand ahnen, als er am 25. August 1845 als ältester Sohn des späteren Königs Maximilian II. von Bayern und seiner Frau Marie im Schloss Nymphenburg in München das Licht der Welt erblickte. Die Erziehung des Thronfolgers am Hof war streng. Am glücklichsten war der kleine Ludwig während der Sommerfrische der königlichen Familie in der Sommerresidenz Hohenschwangau im Allgäu. Nebenan sollte später sein Traumschloss Neuschwanstein in den Himmel wachsen.

Nach dem Tod des Vaters bestieg der verträumte Ludwig, ein überzeugter Pazifist, mit nur 18 Jahren den Thron und wurde mit der Realität der Staatsgeschäfte konfrontiert. Dabei sehnte sich der sensible junge König nach einer Welt, in der nicht Staatsbudgets und Waffengewalt regierten, sondern die Kunst. Mehr und mehr zog er sich in seine Traumwelten zurück. Zur Rückzugsnische wurde für Ludwig die Musik Richard Wagners. Der Musiker wiederum fand im König einen Mäzen, der ihm eine sorgenfreie Existenz ermöglichte. Eine klassische Win-Win-Situation.

Ludwigs zweite Leidenschaft war das Bauen von Schlössern. Kein ganz billiges Hobby. 1869 war Grundsteinlegung für Schloss Neuschwanstein im Allgäu, 1878 für Herrenchiemsee. Beide Schlösser blieben Fragmente, lediglich Schloss Linderhof bei Oberammergau wurde fertig gestellt.

„Ein ewig Rätsel will ich bleiben mir und anderen.“

Ludwig II.

Ludwigs Versailles im Chiemgau

Herrenchiemsee war das letzte Bauprojekt des Königs. Das große Vorbild für das Schloss auf der Herreninsel steht in Versailles, und ins Frankreich des Sonnenkönigs Ludwig XIVkannst du dich beim Anblick der Fassade und auch in den Innenräumen zurückversetzt fühlen. Allerdings war Ludwig nicht nur ein Träumer, sondern auch ein Technikfreak und versah seine Schlösser mit Spielereien der Moderne. In Herrenchiemsee überspannt ein Glasdach das Treppenhaus – eine technische Innovation.

Herreninsel im Chiemsee: Schloss Herrenchiemsee
Neues Schloss Herrenchiemsee © Bayerische Schlösserverwaltung www.herrenchiemsee.de

Ludwig II. verbrachte in seinem Traumschloss nur wenige Nächte. Im goldenen Bett hat er nie geschlafen. Im Spiegelsaal, der sein Pendant in Versailles in den Schatten stellt, hat niemand je getanzt. Aber es heißt, Ludwig habe hier manchmal nachts allein beim Schein von 2200 Kerzen gesessen und von einer besseren Welt geträumt. 

Ein Symbol für die Menschenscheu des Monarchen ist das berühmte „Tischlein deck dich” im Speisezimmer. Der versenkbare Tisch ermöglichte es dem König ohne Dienerschaft zu speisen. Mit diesem Film kannst du dich auf einer Führung schon mal auf das Königsschloss einstimmen.

Traumschlösser statt Wohnschlösser

Die Baukosten für sämtliche Schlösser waren jedoch beträchtlich, Ludwigs Vermögen begrenzt. Da die Staatskasse tabu war, musste der Bayernkönig das Baugeld anderweitig zusammenschnorren. Bittbriefe ereilten Sponsoren aus Adel und Großunternehmen. Sogar seine Zustimmung zur Wahl des Preußenkönigs zum Deutschen Kaiser ließ Ludwig sich versilbern.

Schlossgarten von Herrenchiemsee
Schlossgarten von Herrenchiemsee

Ludwigs Schlösser waren aber allesamt keine Wohnsitze, sondern Traumschlösser, mit denen er der Monarchie ein Denkmal setzen wollte. 16,3 Millionen Goldmark für ein Hobby? Was zunächst nach purer Verschwendung klingt, erwies sich im Nachhinein als höchst gewinnbringende Investition. 

Schlosspark von Schloss Herrenchiemsee auf der Herreninsel im Chiemsee
Schlosspark Herrenchiemsee © Bayerische Schlösserverwaltung (Foto: Konrad Rainer)

Ludwig schuf auf den Baustellen und in den Zuliefererbetrieben seiner Schlösser außerdem zahlreiche Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen, die bis heute vom Königschlösser-Tourismus leben. »Und schließlich«, sagt der Schlossführer, ein echter Ludwig-Fan: »Ludwig, der Pazifist, investierte in seine Träume, in Idealbilder von Kunst und Schönheit, statt in Waffen.« 

Mehr über Klöster und Paläste in Bayern

Das Ende des Märchenkönigs

Für die Köpfe des bayerischen Staates wurde der Träumer Ludwig mehr und mehr zum gefährlichen Spinner, zum Sicherheitsrisiko. Anfang Juni 1886 erklärte man den unbequemen König für »seelengestört« und ließ ihn entmündigen. »Dass man mir die Krone nimmt, könnte ich verschmerzen, aber dass man mich für irrsinnig erklärt hat, überlebe ich nicht …«, klagte Ludwig. Am 13. Juni ertrank der als guter Schwimmer bekannte Bayernkönig zusammen mit seinem Nervenarzt Dr. Gudden im kniehohen Wasser des Starnberger Sees. Die näheren Umstände wurden nie geklärt. 

Herrenchiemsee blieb unvollendet. Als das Schloss wenige Tage nach Ludwigs Tod zur Besichtigung freigegeben wurde, stürmten es Schaulustige, die sich weder durch weite Anreisewege noch durch hohe Eintrittspreise abschrecken ließen. Die Anziehungskraft des Königsschlosses ist bis heute ungebrochen.

Spazierwege zwischen Schilf, Wald und Schlossgarten

Zwischen Kloster und Schloss kannst du manche Extrarunde drehen. Auf der autofreien und nur von wenigen Menschen bewohnen Insel gibt es reichlich Natur. Auf einem von drei Rundwegen kannst du Wälder und Wiesen erkunden, auf denen glückliche Inselkühe grasen, und natürlich den französischen Garten des Schlosses.

Segelboot vor der Herreninsel
Segelboot vor der Herreninsel

Die Chiemseeinseln: Ausflug zur Fraueninsel mit Kloster Frauenwörth

Nach dem Besuch von Herrenchiemsee erwartet dich beim Abstecher zur kleinen Fraueninsel, wenige Schiffsminuten entfernt, eine andere Welt. Der Gegensatz zur Herreninsel, die von monarchischem Größenwahn erzählt, könnte kaum größer sein. Frauenchiemseel gibt sich bodenständig und bescheiden.

Ankunft auf der Fraueninsel
Ankunft auf der Fraueninsel mit dem Campanile im Hintergrund

Kloster Frauenwörth – Pilgerstätte und kunsthistorische Rarität

Zu Füßen des weißgetünchten Glockenturms mit seiner mächtigen Zwiebel liegt Kloster Frauenwörth, das Benediktinerinnen vor mehr als 1200 Jahren gründeten. Wie das Männerkloster auf der Nachbarinsel war auch Frauenchiemsee eine der geistigen Zellen des Chiemgaus. 

Den Geist des bescheidenen Nonnenklosters prägte die erste Äbtissin Irmengard, eine resolute Klosterfrau, die groß an Persönlichkeit war und zudem als Tochter Ludwigs des Deutschen und Urenkelin Karls des Großen von edler Herkunft. Heute ist sie Schutzherrin des Chiemgaus.

Der weißgetünchte Campanile, der freistehende Glockenturm mit seiner Zwiebel aus Holzschindeln, ist ein Wahrzeichen des Chiemgaus. Den kostbarsten Schatz des Klosters entdeckst du aber wahrscheinlich erst auf den zweiten Blick: die schlichte Torhalle gegenüber vom Turm. Lange hielt man sie für ein romanisches Bauwerk. Tatsächlich stammt sie mitsamt den Engelsfresken, die erst spät unter dicken Putzschichten zum Vorschein kamen, aus karolingischer Zeit – aus der Ära der Äbtissin Irmengard. 

In der Klosterkirche zieht es Gläubige zur Kapelle, wo seit Irmengards Seligsprechung 1929 die Reliquien der Ordensfrau ausstellt sind. Zahllose Votivtafeln erzählen von zahllosen Gebeten zur Chiemgau-Patronin. 

Klosterfrauen als Bildungsmanagerinnen

Im Gegensatz zum Chorherren-Stift auf der Herreninsel überlebte Kloster Frauenwörth auf der Fraueninsel die Säkularisation. Wahrscheinlich weil es so klein und bescheiden war. Heute leben hier nach wie vor Klosterfrauen, die kein bisschen weltfremd sind, sondern erfolgreiche Unternehmerinnen. Seele des Klosterbetriebs ist das Seminarzentrum, in dem Kurse von Yoga bis Ayurveda boomen. Nebenan im Klosterladen kannst du bei den Schwestern süße Souvenirs aus den Klosterwerkstätten von Marzipan bis Klosterlikör erstehen, bevor du auf Inselerkundung gehst.

Die Torhalle – der älteste Teil des Klosters Frauenwörth
Torhalle von Kloster Frauenwörth

Die Fischer der Fraueninsel

Das Dorf auf der Fraueninsel ist herausgeputzt, aber ganz und gar nicht museal. Etwa 250 Menschen leben rund um das Kloster, nur wenige arbeiten noch auf der Insel. Jahrhundertelang prägte die Symbiose zwischen Kloster und Dorf das Inselleben. Metzger und Bäcker, Schreiner und Schmiede, Schuster und Schneider umsorgten die frommen Schwestern. Für das Geschirr, das heute bei den Besuchern reißenden Absatz findet, war die Keramikwerkstatt der Familie Klampfleutner zuständig, die inzwischen auf eine 300 jährige Familientradition auf der Fraueninsel zurückblicken kann.

Geblieben sind auch ein paar Fischerfamilien. „Ich habe einen Traumberuf“, Thomas Lex, einer von sechs Inselfischern, strahlt. „Und ich lebe und arbeitete am schönsten Platz der Welt!“ 

Dabei ist das Fischen harte Arbeit. Bei Sonnenaufgang geht es hinaus auf den See. Zurück an Land werden die Fische geputzt für den Verkauf. Der beliebteste Chiemseefisch ist die Renke. Die platten, grätenreichen Brachsen gehen am häufigsten ins Netz, und auch an Aalen besteht kein Mangel. Zander, Waller und Hecht sind dagegen inzwischen Raritäten.

Was nicht in den Pfannen der Gaststätten landet, wandert in die Räucherkammer der Fischerei Lex und weiter in den eigenen Laden. Besonders stolz ist Lex auf seinen Matjes von der Renke. Ich darf probieren: butterzart mit frischem Kräuteraroma – köstlich! Kein Wunder, dass Sternekoch Christian Jürgens, der auf dem Festland seinen Gourmettempel betreibt, Stammkunde ist.

Die Künstlerkolonie auf der Fraueninsel

Heute ist die Insel ein beliebtes Ausflugsziel – ein schönen Sommertagen auch ein bisschen zu beliebt. Dann drängen sich schon mal die Besucher. Lange bevor die Fraueninsel zur Touristenattraktion wurde, war sie Künstlerkolonie. An einem verregneten Frühsommertag im frühen 19. Jahrhundert legte ein Einbaum mit vier Münchner Kunststudenten in Frauenchiemsee an, heißt es. Von den Erlebnissen der Künstler berichtet eine fantasievoll illustrierte Inselchronik, in der sich Dichter wie Felix Dahn, Viktor von Scheffel, Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma verewigten. An Motiven mangelt es auch heute nicht auf der Insel.

Abendstimmung auf der Insel

Abends wenn die letzten Tagesbesucher wieder aufs Boot Richtung Festland gestiegen sind, kehrt Ruhe ein. Dann haben die Einheimischen und die wenigen Übernachtungsgäste die Fraueninsel für sich allein, die jetzt ihr Alltagsgesicht zeigt und einen wundersamen Zauber verströmt. 

Familien sitzen plaudernd an den Bootstegen, Segelboote gleiten vorbei. Nur das Plätschern der Wellen durchbricht die Stille und am Horizont türmen sich die Gipfel der Chiemgauer Alpen auf. 

Nachdem die Sonne mit großem Drama im See versunken ist, verteilen sich die Zuschauer auf die Wirtsgärten und lassen den Tag in einem der Gasthäuser bei Weißbier und Chiemseefisch ausklingen. 

Infokasten zu den Chiemseeinseln

Hinkommen: In Prien am Chiemsee legen die Schiffe der Chiemsee Schifffahrt ab. Für beide Chiemseeinseln zusammen solltest du mindestens einen Tag einplanen.

Übernachten: Ein besonderes Erlebnis ist die Übernachtung auf der Fraueninsel, die nach der Abreise der Tagesgäste ihr stilles Gesicht zeigt. Hier findest du einen Überblick über die Unterkünfte auf der Insel.

Besichtigen: Die Herreninsel (Neues Schloss inklusive Führung, König Ludwig II. Museum, Museum und Galerien im Augustiner-Chorherrenstift) kannst du als Gesamtpaket buchen. Kloster Frauenwörth steht nur Seminargästen offen.

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In die Welt der Wittelsbacher kannst du auch in diesem Artikel eintauchen: Sisi am Starnberger See

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