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Bayern / Werdenfelser Land

Sehenswürdigkeiten rund um Oberammergau

Oberammergau: Lüftl-Malerei am Ludwig-Thoma-Haus

Alle zehn Jahre steht Oberammergau Kopf. Dann dreht sich im 5000-Einwohner-Dorf alles um die Passionsspiele, die den Ort weltberühmt machten. Sind sie im Laufe der Zeit auch professionalisiert worden, ein gewaltiger Kraftakt sind sie geblieben, denn immer noch sind sie ein Laienspiel (das größte weltweit!), bei dem rund die Hälfte der Einwohner Oberammergaus vor oder hinter der Bühne mitmischt. Hier erfährst du, was es in Oberammergau in Jahren ohne Passionsspiele zu entdecken gibt und welche Sehenswürdigkeiten rund um Oberammergau lohnen.

Passionstheater in Oberammergau
Passionstheater in Oberammergau

Oberammergau und die Passionsspiele

Es gibt wenige Dörfer, die alle zehn Jahre ein vergleichbares Großereignis stemmen und Mitte des 19. Jahrhunderts bereits Prominenz aus Hochadel, Politik und Wirtschaft empfingen. Die Passion hat dafür gesorgt, dass der Name Oberammergau weit über die Grenzen Bayerns hinaus ein Begriff ist.

Es war ein bitterer Moment, als Christian Stückl, der Spielleiter der Passionsspiele Oberammergau, im März 2020 mit Tränen in den Augen alle Vorstellungen wegen der Corona-Pandemie absagen musste. Ein Dorf in Schockstarre. Ironie des Schicksals: Eine Epidemie des 17. Jahrhunderts – die Pest – hatte einst den Anstoß für die weltberühmten Passionsspiele gegeben. 2022 wurden die Passionsspiele nachgeholt und zwischen Mai und Oktober starb Jesus in rund 100 Vorstellungen den Bühnentod.

Geschichte der Passionsspiele

Vor fast vierhundert Jahren wütete der Dreißigjährige Krieg – auch in Oberbayern. Soldaten zogen marodierend durchs Land, die Menschen hungerten und der „Schwarze Tod“ forderte mehr und mehr Opfer. 1633 kam die Pest auch nach Oberammergau und versetzte das Dorf im Ammergau in Angst und Schrecken. Innerhalb weniger Tage starben etwa achtzig Erwachsene.

Die Krankheit schrieb man dem Zorn Gottes zu. Um ihn zu besänftigen, legten die Oberammergauer ein Gelübde ab: Würde die Seuche schnell vorbeiziehen, würden sie alle zehn Jahre die Passion Christi aufführen, schworen sie. Fortan starb kein Einheimischer mehr an der Pest und aus Bauern werden alle zehn Jahre Schauspieler auf Zeit.

Passionsspiele Oberammergau 2022: Die Tempelreinigung (Foto: Birgit Dudjonsdottir)
Passionsspiele Oberammergau 2022: Die Tempelreinigung (Foto: Birgit Dudjonsdottir)

Ein Passionsspiel galt im 17. Jahrhundert als Heilmittel, und überall in Bayern sprossen sie aus dem Boden. Über 400 Orte im Alpenraum spielten zu dieser Zeit die Leidensgeschichte Christi, aber nur die Oberammergauer hielten an ihrer Tradition fest. Ein kleines Wunder: Das 5000-Einwohner-Dorf verwandelt sich alle zehn Jahre in eine Bühne und erzählt eine Geschichte, die jeder kennt und die dennoch Besucher aus aller Welt anlockt und in ihren Bann zieht. Nur wenige Male musste die Passion – meist kriegsbedingt – ausfallen. 

Die Passions wird Kult im 19. Jahrhundert

Mehr als 200 Jahre spielte man vor allem für Pilger auf dem Kirchhof. Am Ende des 19. Jahrhunderts schnellten die Besucherzahlen in die Höhe. Ein Grund dafür war die Verlegung des Spielorts auf die „Passionswiese“, wo heute das Passionstheater steht. Ein weiterer die neue Bahnanbindung. Vorher hatte eine Reise per Pferdeomnibus von München nach Oberammergau mindestens zwei Tage gedauert, jetzt war das Publikum in wenigen Stunden vor Ort.

Damals setzte auch der Aufschwung des Tourismus ein. Für das Passionsspiel von 1880 verkauften Londoner Reisebüros bereits Pauschal-Arrangements, die Hin- und Rückreise, Übernachtung sowie die Eintrittskarte beinhalteten. 1900 kamen 175 000 Gäste, man baute ein Theater für 4400 Gäste. Je mehr ausländische Magazine über Oberammergau berichteten, desto mehr Prominenz machte sich auch auf den Weg dorthin: Neben Pilgern kamen nun auch Künstler, Intellektuelle, Adelige, Politiker, Wirtschaftsgrößen. Plötzlich waren die Passionsspiele Kult.

Passionsspiele Oberammergau 2022: Das Abendmahl (Foto: Birgit Dudjonsdottir)
Passionsspiele Oberammergau 2022: Das Abendmahl (Foto: Birgit Dudjonsdottir)

In den 1920er-Jahren lehnten die Oberammergauer ein Filmangebot aus Hollywood ab. Wer die Passion erleben wollte, musste weiterhin in die bayerische Bergwelt reisen, wo nun internationales Flair einzog. Omnibusse und Autos – damals eine Seltenheit im ländlichen Bayern – füllten die engen Straßen. Auf den Wiesen landeten Kleinflugzeuge und überall hörte man Englisch. Um noch mehr internationale Besucher anzulocken, ging ein Team inklusive Jesus-Darsteller auf Promotion Tour in den Vereinigten Staaten. Sechs Monate war man unterwegs, folgte einer Einladung ins Weiße Haus, wohnte in New York im Waldorf Astoria und hatte einen Termin mit Henry Ford. 

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Rundgang durch Oberammergau

Passionstheater Oberammergau

Auch wenn du nicht in einem Passionsspieljahr vor Ort bist – der erste Weg führt vermutlich trotzdem zum Passionstheater (Theaterstraße 16, außerhalb der Passionsspiele geöffnet Di–So 10–17), das Teil des Oberammergauer Museums ist und über die Geschichte der Passionsspiele informiert. In „normalen“ Jahren kannst du beim Besuch einen Blick auf die Bühne werfen.

Museum Oberammergau

Direkt im Zentrum liegt das Museum Oberammergau, das einen Überblick über die Volkskunst der Region gibt. Während der Passionsspiele 2022 zeigte sich der Bau ummantelt und die permanente Ausstellung war Kulisse für eine kreative Einstimmung zur Passion.


ftlmalereien in Oberammergau

Auf der Dorfstraße geht es weiter – vorbei an zahlreichen Lokalen und Souvenirgeschäften, aber auch an schmucken Häusern mit charakteristischen „Lüftlmalereien“ – illusionistischen Fassadenmalereien mit religiösen und weltlichen Motiven, die im 18. Jahrhundert besonders im Werdenfelser Land beliebt waren und Auskunft über den Status der Hausbesitzer gaben. Der Name für den Regionalstil hat nichts mit Frischluft zu tun, sondern geht wohl auf Franz Seraph Zwinck (1748–1792) zurück, den berühmtesten „Lüftlmaler“, der zeitweise im Haus „Zum Lüftl“ lebte. Neben Mittenwald ist Oberammergau der Ort mit den schönsten Schmuckfassaden.

Beliebte Fotomotive sind das Hotel Alte Post, der älteste Gasthof des Ortes, und das Ludwig-Thoma-Haus, Geburtsort des Volksschriftstellers.


Das Pilatushaus in Oberammergau

Von Zwinck stammt das wohl schönste Beispiel der Fassadenkunst: das Pilatushaus (Ludwig-Thoma-Str. 10), das er 1784 mit Scheinarchitektur und religiösen Szenen aufs Bunteste schmückte. Im Erdgeschoss geben die „Lebenden Werkstätten“ Einblick in Handwerkstechniken wie die berühmteste Oberammergauer Volkskunst: die Holzschnitzerei. Sie verschaffte im 16. Jahrhundert vielen Bauern ein Zubrot. Heute noch gibt es in Oberammergau eine renommierte Holzschnitzerschule, aber viele der Heiligenfiguren in den Schaufenstern stammen aus Südtirol.


Pfarrkirche Sankt Peter und Paul

Ein Schlenker führt zur katholischen Pfarrkirche Sankt Peter und Paul. Hier stand einst eine mittelalterliche Kirche, auf deren Friedhof die ersten Passionsspiele stattfanden. Im 18. Jahrhundert leistete man sich einen Neubau im Rokokostil, an dem viele bekannte Stuckateure und Kirchenmaler mitwirkten. Im Mittelpunkt stehen die beiden Heiligen, deren Namen die Kirche trägt. Auch das Deckenfresko im Kirchenschiff erzählt vom Martyrium des heiligen Petrus und des heiligen Paulus.

Oberammergau: Kirche Sankt Peter und Paul
Oberammergau: Kirche Sankt Peter und Paul

Sehenswürdigkeiten rund um Oberammergau

Ausflug nach Kloster Ettal – Kunst, Käse und Bier

Die mächtige Kuppel der Basilika grüßt schon aus der Ferne. Keine Frage – das Benediktinerkloster Ettal ist ein Hingucker. Außerdem immer noch ein aktives Kloster, wo Mönche seit mehr als 400 Jahren Bier brauen, aber seit ein paar Jahren auch in Zusammenarbeit mit Ammergauer Bauern Käse produzieren.


1330 gründete der exkommunizierte Kaiser Ludwig der Bayer Kloster Ettal, die Benediktinerabtei mit der mächtigen Kirchenkuppel, die das Herzstück des gleichnamigen Ortes ist. Seine Blütezeit erlebte das Kloster im 17./18. Jahrhundert, als die Wallfahrt zu „Unserer lieben Frau Stifterin von Ettal“ begann. 1900, fast 100 Jahre nach der Säkularisation – der Verstaatlichung des klösterlichen Besitzes –, zogen wieder Benediktinermönche ein.

Heute leben und arbeiten im Kloster Ettal rund 50 Brüder. Neben einer Schule, die nach der Aufdeckung des Missbrauchsskandals vor ein paar Jahren deutlich an Renommee einbüßte, betreiben sie das Hotel Ludwig der Bayer mit Gastronomie sowie eine Käserei, eine Brauerei, eine Liqueurmanufaktur und mehrere Läden. Ein kleines Genießerparadies.

Ettal für Genießer

Hinter der Ettaler Schaukäserei außerhalb der Klostermauern stehen 37 Landwirte aus Ettal und den umliegenden Gemeinden, die zusammen mit dem Kloster eine Genossenschaft gründeten. Sie produzieren feine Käsespezialitäten von Ammergauer Bierkäse bis Ettaler Klosterkäse, die du mit heimnehmen kannst. Auch Käsebrotzeiten auf die Hand sind im Angebot, und an bestimmten Terminen können Besucher beim Käsen zuschauen. 

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Sehenswürdigkeiten rund um Oberammergau: Die prunkvolle Basilika von Kloster Ettal

Über den Alpengarten geht es von der Käserei direkt zum Kloster. Im riesigen Klosterhof ragt die Basilika mit ihrer mächtigen Kuppel auf, spiritueller Mittelpunkt der Klosteranlage. Du kannst sie auch im Rahmen von Führungen besichtigen. Ihr größter Schatz ist das Kuppelfresko von Johann Jakob Zeiller, das einen Blick in den Himmel gewährt. Eine große Schar von Heiligen ist versammelt, um die Größe Gottes zu preisen.

Nach den Kunstschätzen kannst du dich den flüssigen Klosterschätzen zuwenden. Die berühmtesten Produkte wie der Ettaler Klosterliqueur und das Ettaler Klosterbier werden vorwiegend in klostereigenen Betrieben hergestellt. In der Klosterbrauerei auf der Rückseite der Klosteranlage wird seit mehr als 400 Jahren Bier gebraut. Eine der wenigen echten Klosterbrauereien, die noch in Händen von Mönchen sind. Hier trifft bei der Produktion Tradition auf modernste Brautechnologie. Details erfährst du bei einer Brauereiführung.


Ein süßes Produkt aus der Klosterproduktion: der Ettaler Klosterliqueur, dessen Wurzeln in der klösterlichen Heilkunde im Mittelalter liegen. Die Rezepturen gaben die Mönche in Rezeptbüchern weiter. Wenn du nicht zu den Führungsterminen der Brauerei vor Ort bist, kannst du im Bräustüberl, dem Restaurant des Klosterhotels Ludwig der Bayer, zu bayerischen Schmankerln das Bier aus der Klosterbrauerei testen. 

Ausflug nach Schloss Linderhof – Ludwigs Lieblingsschloss

Im verschwiegenen Graswangtal liegt Linderhof, das intimste Schloss des Märchenkönigs Ludwig II., inmitten eines traumhaften Gartens mit lauter kleinen Schätzen, der zu Spaziergängen einlädt. 

Ludwig II. (1845–1886) von Bayern schuf prächtige Schlossbauten wie Neuschwanstein im Allgäu und Herrenchiemsee im Chiemgau. Nur das kleine Linderhof wurde vollendet – wenn auch erst kurz nach dem Tod des Königs im Starnberger See, wo er unter nie geklärten Umständen ertrank. Linderhof ist für viele das schönste der Königsschlösser, das wohnlichste ist es allemal. Ludwig, für den das Schlösserbauen Leidenschaft war, verbrachte hier deutlich mehr Zeit als in den anderen königlichen Bauwerken. 

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Sehenswürdigkeiten rund um Oberammergau: Linderhof, das Lieblingsschloss von Ludwig II

Wenn du eine Innenbesichtigung planst, besorgst du ein Ticket am Eingang zum Park. Es schließt eine Führung ein, die rund 25 Minuten dauert. Nicht prunkvoll und protzig, sondern filigran und in strahlendem Weiß liegt Schloss Linderhof inmitten des Schlossparks. Wenn du noch Zeit vor der Führung hast, erklimmst du schon mal die Freitreppe gegenüber vom Schloss für den besten Fotoblick auf Linderhof mitsamt Springbrunnen (Mitte April-Mitte Oktober, täglich 9–18 Uhr), die jede halbe Stunde sprudeln, und Blumenrabatten im französischen Stil. Auch die Kaskaden auf der Rückseite des Schlosses sind einen Blick wert. 


Im Schloss fühlst du dich fast wie in einem Einfamilienhaus, die Dimensionen sind überschaubar. Die Ausstattung ist natürlich vom Feinsten. Mittelpunkt des königlichen Appartements ist das Schlafzimmer mit dem riesigen Bett in Ludwigs Lieblingsfarbe blau. Es erinnert an das Schlafgemach des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Versailles, den der „Kini“ verehrte.

Im Speisezimmer ist das „Tischlein-deck-dich“ ein Symbol für die Zurückgezogenheit des Königs, der an dem bis in die Küche versenkbaren Tisch ohne die Anwesenheit von Dienern speisen konnte. Stattdessen umgaben ihn imaginäre Seelenverwandte aus dem Frankreich des Sonnenkönigs. Ein Höhepunkt der Führung ist der prunkvolle Spiegelsaal, den der Nachtmensch Ludwig wohl selten tagsüber nutzte. Umso faszinierender muss die Wirkung der Spiegel im Licht von unzähligen Kerzen und kostbaren Kristalllüstern gewesen sein. 

Spaziergang durch den Schlosspark

Mindestens ebenso sehenswert wie das Schloss selbst ist der Schlosspark – ein Gesamtkunstwerk, in dem Ludwig kleine „Fluchtburgen“ schuf, die Besucher in die Geisteswelt des Königs entführen. Du spazierst vorbei an Blumenrabatten, Skulpturen und plätschernden Brunnen. Überall warten kleine Schätze, die die Fantasie beflügeln. 

Hier und da begegnest du beim Spaziergang dem Wagner-Fan Ludwig, der Schauplätze aus Wagner-Opern nachempfinden ließ. Die Hundinghütte etwa, in der Ludwig Met-Gelage nach germanischem Vorbild zelebrierte, entführt in den ersten Akt der „Walküre“. Die Einsiedelei des Gurmanz – eine Nachbildung des zerstörten Originals – erinnert an den dritten Akt des „Parsifal“, die Venusgrotte (bis 2024 voraussichtlich wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen) an den ersten Akt von „Tannhäuser“.

Sie war das Meisterstück des Königs. Gern ließ sich Ludwig, der keinesfalls nur ein weltferner Märchenkönig war, sondern auch ein Technik-Freak, in einem elektrisch betriebenen Muschelkahn über den See fahren. Die künstliche Tropfsteinhöhle mit See und Wasserfall war farbenfroh ausgeleuchtet. Den Strom dafür lieferten zwölf Dynamos im Maschinenhaus ganz in der Nähe, einem der ersten bayerischen Elektrizitätswerke. 


Der Maurische Kiosk dagegen, den Ludwig auf der Pariser Weltausstellung 1867 entdeckte und aufkaufte, erzählt von den Orientfantasien des Königs. Sogar eine Kopie des persischen Pfauenthrons ließ er einfügen. Auch das Marokkanische Haus war zuerst auf einer Weltausstellung zu sehen. In exotische Gewänder gekleidete, auf Teppichen hockende Diener prägten die lebenden Bilder, die Ludwig von Zeit zu Zeit inszenierte. 

Besonders schön ist der Parkspaziergang an Sommerabenden, wenn die meisten Besucher längst weitergefahren sind und du die königlichen Plätze fast für dich allein hast.

Bad Bayersoien – Moorerlebnispfad um den See

Für alle, die mobil sind, ist der kleine Moorkurort Bayersoien eine ruhige Alternative zur Übernachtung in Oberammergau. Was du dort unternehmen kannst, erfährst du in meinem Artikel zu Ausflugszielen im Pfaffenwinkel.

Lust aufs Moor bekommen? Hier geht es zu weiteren Moorwanderungen im Voralpenland.


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