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Passionsspiele Oberammergau 2022 und Ausflugsziele rund um Oberammergau

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Es war ein bitterer Moment, als Christian Stückl, der Spielleiter der Passionsspiele Oberammergau, im März 2020 mit Tränen in den Augen alle Vorstellungen wegen der Corona-Pandemie absagen musste. Ein Dorf in Schockstarre. Ironie des Schicksals: eine Epidemie des 17. Jahrhunderts – die Pest – hatte einst den Anstoß für die weltberühmten Passionsspiele gegeben.

Passionstheater in Oberammergau
Passionstheater in Oberammergau

Man entschloss sich zu einer Verschiebung um zwei Jahre. So hatte man genau 100 Jahren zuvor schon einmal entschieden, weil viele Musiker und Schauspieler aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurückgekehrt waren und die Spanische Grippe grassierte. Im März 2022 hatte das Hoffen und Bangen ein Ende – es gab grünes Licht und am 14. Mai feierten die Passionsspiele Oberammergau 2022 ihre Premiere. Bis Oktober stehen gut 100 Vorstellungen auf dem Programm.

Hier findest du Infos zur Passion, zu Oberammergau und Tipps zu Abstechern in die Umgebung – zum Kloster Ettal, zum Königsschloss Linderhof und ins Moorheilbad Bayersoien.

Geschichte der Passionsspiele

Vor fast vierhundert Jahren wütete der Dreißigjährige Krieg – auch in Oberbayern. Soldaten zogen marodierend durchs Land, die Menschen hungerten und der „Schwarze Tod“ forderte mehr und mehr Opfer. 1633 kam die Pest auch nach Oberammergau und versetzte das Dorf im Ammergau in Angst und Schrecken. Innerhalb weniger Tage starben etwa achtzig Erwachsene.

Die Krankheit schrieb man dem Zorn Gottes zu. Um ihn zu besänftigen, legten die Oberammergauer ein Gelübde ab: Würde die Seuche schnell vorbeiziehen, würden sie alle zehn Jahre die Passion Christi aufführen, schworen sie. Fortan starb kein Einheimischer mehr an der Pest und aus Bauern werden alle zehn Jahre Schauspieler auf Zeit.

Passionsspiele Oberammergau 2022: Die Tempelreinigung (Foto: Birgit Dudjonsdottir)
Passionsspiele Oberammergau 2022: Die Tempelreinigung (Foto: Birgit Dudjonsdottir)

Ein Passionsspiel galt im 17. Jahrhundert als Heilmittel, und überall in Bayern sprossen sie aus dem Boden. Über 400 Orte im Alpenraum spielten zu dieser Zeit die Leidensgeschichte Christi, aber nur die Oberammergauer hielten an ihrer Tradition fest. Ein kleines Wunder: Das 5000-Einwohner-Dorf verwandelt sich alle zehn Jahre in eine Bühne und erzählt eine Geschichte, die jeder kennt und die dennoch Besucher aus aller Welt anlockt und in ihren Bann zieht. Nur wenige Male musste die Passion – meist kriegsbedingt – ausfallen. 

Oberammergau als Kult-Event des 19. Jahrhunderts

Mehr als 200 Jahre spielte man vor allem für Pilger auf dem Kirchhof. Am Ende des 19. Jahrhunderts schnellten die Besucherzahlen in die Höhe. Ein Grund dafür war die Verlegung des Spielorts auf die „Passionswiese“, wo heute das Passionstheater steht. Ein weiterer die neue Bahnanbindung. Vorher hatte eine Reise per Pferdeomnibus von München nach Oberammergau mindestens zwei Tage gedauert, jetzt war das Publikum in wenigen Stunden vor Ort.

Damals setzte auch der Aufschwung des Tourismus ein. Für das Passionsspiel von 1880 verkauften Londoner Reisebüros bereits Pauschal-Arrangements, die Hin- und Rückreise, Übernachtung sowie die Eintrittskarte beinhalteten. 1900 kamen 175 000 Gäste, man baute ein Theater für 4400 Gäste. Je mehr ausländische Magazine über Oberammergau berichteten, desto mehr Prominenz machte sich auch auf den Weg dorthin: Neben Pilgern kamen nun auch Künstler, Intellektuelle, Adelige, Politiker, Wirtschaftsgrößen. Plötzlich waren die Passionsspiele Kult.

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In den 1920er-Jahren lehnten die Oberammergauer ein Filmangebot aus Hollywood ab. Wer die Passion erleben wollte, musste weiterhin in die bayerische Bergwelt reisen, wo nun internationales Flair einzog. Omnibusse und Autos – damals eine Seltenheit im ländlichen Bayern – füllten die engen Straßen. Auf den Wiesen landeten Kleinflugzeuge und überall hörte man Englisch. Um noch mehr internationale Besucher anzulocken, ging ein Team inklusive Jesus-Darsteller auf Promotion Tour in den Vereinigten Staaten. Sechs Monate war man unterwegs, folgte einer Einladung ins Weiße Haus, wohnte in New York im Waldorf Astoria und hatte einen Termin mit Henry Ford. 

Passionsspiele Oberammergau 2022

Alle zehn Jahre steht Oberammergau Kopf. Ist die Passion auch im Laufe der Zeit professionalisieren geworden, ein gewaltiger Kraftakt ist sie geblieben, denn immer noch ist sie ein Laienspiel (das größte weltweit!), bei dem die Hälfte der 5000 Einwohner Oberammergaus vor oder hinter der Bühne mitmischt. 


Seit Christian Stückl als junger Revoluzzer 1990 seine erste Passion inszenierte, hat sich einiges getan. Die Darsteller müssen auch heute noch in Oberammergau geboren sein oder seit zwanzig Jahren dort leben, aber ein paar Grundsätze sind gefallen. Seit dreißig Jahren dürfen auch verheiratete Frauen über 35 mitspielen. Ein Recht, das Oberammergauerinnen vor Gericht erstritten. Mitwirkende müssen nicht mehr Mitglied der katholischen Kirche sein, Protestanten und auch Muslime gehören dank Stückl zum Team. Ihm gelang es auch, die Jugend wieder für das Passionsspiel zu begeistern – die meisten Darsteller sind 2022 zwischen 20 und 35 Jahre alt.

Tradition ist und bleibt der Haar- und Barterlass: Ab Aschermittwoch im Jahr vor der Premiere dürfen die Darsteller nicht mehr zu Haarschere und Rasierer greifen und bei Frisören herrscht Flaute. Die Ausnahme: Die römischen Soldaten sind kurzgeschoren und glattrasiert.

Auch am Text haben Stückl und seine Mitstreiter Hand angelegt: Antisemitische Textpassagen wurden gestrichen, die Sprechrolle des Jesus wurde aufgewertet und Frauenfiguren wurden neu eingefügt. Traditionell gab es nur zwei Sprechrollen für Frauen: Maria und Maria Magdalena.

Die Frage nach dem Menschen Jesus stellen sich Stückl und sein Team alle zehn Jahre aufs Neue, auch die Weltpolitik beeinflusst die Betrachtungsweise. Mal war Jesus ein wütender Revoluzzer, mal ein leiser Philosoph. Flüchtlingskrise, Corona und der Ukraine-Krieg hinterließen in der Inszenierung ihre Spuren: Bühnenbild und Kostüme sind trist und grau. Auch Jesus ist 2022 wieder lauter – ein junger Mann, der am Zustand der Welt verzweifelt.

Die Aufführungen

Vom 14. Mai bis 2. Oktober 2022 finden insgesamt 109 Aufführungen statt. Montag und Mittwoch sind spielfreie Tage. Hier geht es zum Ticketverkauf.

Christian Stückl und die Passionsspiele 2022

„Nun stehen wir, nach zweijähriger Pause, nach der Absage der Passionsspiele im Jahr 2020, vor der Premiere der Spiele 2022. Seit Monaten proben wir, wir haben Bühnenbild und die Kostüme fertiggestellt und trotzdem konnten noch vor wenigen Wochen viele nicht an eine Premiere der Passionsspiele glauben. Täglich haben wir uns vor den Proben getestet, haben zuerst nur in kleinen Gruppen geprobt, Darsteller sind ausgestiegen und neue sind hinzugekommen und ständig haben wir die Inzidenzwerte, die einfach nicht sinken wollten, beobachtet. Und jetzt? Plötzlich hat alle das Passionsfieber gepackt, plötzlich ziehen alle an einem Strang“,.,sagt Spielleiter Christian Stückl. 

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Christian Stückl auf der Pressekonferenz

Inszenierung der Passionsspiele Oberammergau 2022

Das Passionstheater

Die Passionsbühne wurde 1928 erbaut, der Zuschauerraum 1898. 2020 bekam das Bühnenhaus ein neues Design und das Passionstheater unter Denkmalschutz gestellt. Es hat 4.400 überdachte Sitzplätze. Die Bühnenarchitektur wurde für die Passion 2022 komplett umgestaltet – es gibt nur noch ein Bühnenbild: die Tempelanlage von Jerusalem.

Passionstheater Oberammergau (Foto: Arno Declair)
Passionstheater Oberammergau (Foto: Arno Declair)

Das Kostümbild

Die Kostüme von Bühnen- und Kostümbildner Stefan Hageneier, der wie Stückl und der musikalische Direktor Markus Zwick Meister seines Fachs ist, sind düster – dem Geschehen angepasst. Die Priestergewänder sind teilweise aus goldenen oder silbernen Brokatstoffen gefertigt, Volk und Händler von Jerusalem tragen eigens angefertigte Blockprint-Stoffe. 

Die Darsteller

Jesus, Maria, Judas, Pilates & Co. sind Studenten, Beamte, Architektinnen, selbständige Unternehmer, Forstingenieure, Bildhauerinnen, eine Maria ist Flugbegleiterin, ein Pontius Pilatus hat ein Hotel im Dorf. Was sie nicht sind: professionelle Schauspieler. Die Hauptrollen sind alle doppelt besetzt, damit niemand an fünf Tagen in der Woche auf der Bühne stehen muss.

Passionsspiele Oberammergau 2022: Kreuzigung und Tod (Foto: Birgit Dudjonsdottir)
Passionsspiele Oberammergau 2022: Kreuzigung und Tod (Foto: Birgit Dudjonsdottir)

Die Musik

Über hundert Chorsängerinnen und Chorsänger stehen auf der Passionsbühne, im Orchestergraben sitzen 55 Instrumentalisten. Die Musik ist ein unverzichtbarer Teil der Passion. Auch 2022 stammt sie in großem Umfang vom Oberammergauer Komponisten Rochus Dedler (1779–1822), die allerdings Markus Zwink, der musikalische Leiter und Dirigent der Passionsspiele, immer stärker durch eigene Ergänzungen prägt.

Mehr Infos zur Inszenierung findest du auf der Internetseite der Passionsspiele.

Passionsspiele Oberammergau 2022: Das Abendmahl (Foto: Birgit Dudjonsdottir)
Passionsspiele Oberammergau 2022: Das Abendmahl (Foto: Birgit Dudjonsdottir)

(IM)MATERIELL – Stoff, Körper, Passion – Sonderausstellung im Museum Oberammergau

Haare und Kostüme vergangener Passionsspiele wurden für die Ausstellung recycelt und schlagen eine Brücke zwischen Kunst und Schauspiel. Schon von außen ein Hingucker: Kostümwände mit Gewändern der vergangenen zwei Passionsspiele ummanteln das Museum, was nicht jedem Traditionalisten im Ort gefiel.

Das Thema Verhüllung setzt sich in der Ausstellung fort. Exponate der permanenten Ausstellung werden verfremdet, in ein neues Licht gerückt und durch Projektionen und Klänge untermalt. Höhepunkt ist die Erlösung im Dachgeschoss.


Haar-Kunst

Mindestens ebenso faszinierend wie die Kostüme sind Schnüre, die der Oberammergauer Künstler Klaus Vogt aus den Haaren der Darsteller dreht, die 1,5 Jahre nach dem Haar- und Barterlass der Schere zum Opfer fallen. Die meisten Darsteller gehen direkt nach der letzten Vorstellung im Oktober zum Frisör.

Die Schnüre leiten als roter Faden durch die Ausstellung und stehen für Verbindung. Sie sollen zeigen, was Menschen schaffen können, wenn sie „an einem Strang ziehen“.


Sehenswürdigkeiten Oberammergau und Umgebung

Rundgang durch Oberammergau

Es gibt wenige Dörfer, die alle zehn Jahre ein vergleichbares Großereignis stemmen und seit Mitte des 19. Jahrhunderts bereits Prominenz aus Hochadel, Politik und Wirtschaft empfangen. Die Passion hat dafür gesorgt, dass der Name Oberammergau weit über die Grenzen Bayerns hinaus ein Begriff ist.

Passionstheater

Auch wenn du nicht in einem Passionsspieljahr vor Ort bist – der erste Weg führt vermutlich trotzdem zum Passionstheater (Theaterstraße 16, außerhalb der Passionsspiele geöffnet Di–So 10–17), das Teil des Oberammergauer Museums ist und über die Geschichte der Passionsspiele informiert. In „normalen“ Jahren kannst du einen Blick auf die Bühne werfen.

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Auf der Dorfstraße geht es weiter – vorbei an zahlreichen Lokalen und Souvenirgeschäften, aber auch an schmucken Häusern mit charakteristischen „Lüftlmalereien“ – illusionistischen Fassadenmalereien mit religiösen und weltlichen Motiven, die im 18. Jahrhundert besonders im Werdenfelser Land beliebt waren und Auskunft über den Status der Hausbesitzer gaben. Der Name für den Regionalstil hat nichts mit Frischluft zu tun, sondern geht wohl auf Franz Seraph Zwinck (1748–1792) zurück, den berühmtesten „Lüftlmaler“, der zeitweise im Haus „Zum Lüftl“ lebte. Neben Mittenwald ist Oberammergau wohl der Ort mit den schönsten Schmuckfassaden.

Beliebte Fotomotive sind das Hotel Alte Post, der älteste Gasthof des Ortes, und das Ludwig-Thoma-Haus, Geburtsort des Volksschriftstellers.


Pilatushaus

Von Zwinck stammt das wohl schönste Beispiel der Fassadenkunst: das Pilatushaus (Ludwig-Thoma-Str. 10), das er 1784 mit Scheinarchitektur und religiösen Szenen aufs Bunteste schmückte. Im Erdgeschoss geben die „Lebenden Werkstätten“ Einblick in Handwerkstechniken wie die berühmteste Oberammergauer Volkskunst: die Holzschnitzerei. Sie verschaffte im 16. Jahrhundert vielen Bauern ein Zubrot. Heute noch gibt es in Oberammergau eine renommierte Holzschnitzerschule, aber viele der Heiligenfiguren in den Schaufenstern stammen aus Südtirol.


Pfarrkirche Sankt Peter und Paul

Ein Schlenker führt zur katholischen Pfarrkirche Sankt Peter und Paul. Hier stand einst eine mittelalterliche Kirche, auf deren Friedhof die ersten Passionsspiele stattfanden. Im 18. Jahrhundert leistete man sich eine neue Kirche im Rokokostil, an der viele bekannte Stuckateure und Kirchenmaler mitwirkten. Im Mittelpunkt stehen die beiden Heiligen, deren Namen die Kirche trägt. Auch das Deckenfresko im Kirchenschiff erzählt vom Martyrium des heiligen Petrus und des heiligen Paulus.

Oberammergau: Kirche Sankt Peter und Paul
Oberammergau: Kirche Sankt Peter und Paul

Ausflug zum Kloster Ettal – Kunst, Käse und Bier

Die mächtige Kuppel der Basilika grüßt schon aus der Ferne. Keine Frage – das Benediktinerkloster Ettal ist ein Hingucker. Außerdem immer noch ein aktives Kloster, wo Mönche seit mehr als 400 Jahren Bier brauen, aber seit ein paar Jahren auch in Zusammenarbeit mit Ammergauer Bauern Käse produzieren.


1330 gründete der exkommunizierte Kaiser Ludwig der Bayer Kloster Ettal, die Benediktinerabtei mit der mächtigen Kirchenkuppel, die das Herzstück des gleichnamigen Ortes ist. Seine Blütezeit erlebte das Kloster im 17./18. Jahrhundert, als die Wallfahrt zu „Unserer lieben Frau Stifterin von Ettal“ begann. 1900, fast 100 Jahre nach der Säkularisation – der Verstaatlichung des klösterlichen Besitzes –, zogen wieder Benediktinermönche ein.

Heute leben und arbeiten im Kloster Ettal rund 50 Brüder. Neben einer Schule, die nach der Aufdeckung des Missbrauchsskandals vor ein paar Jahren deutlich an Renommee einbüßte, betreiben sie das Hotel Ludwig der Bayer mit Gastronomie sowie eine Käserei, eine Brauerei, eine Liqueurmanufaktur und mehrere Läden. Ein kleines Genießerparadies.

Ettal für Genießer

Hinter der Ettaler Schaukäserei außerhalb der Klostermauern stehen 37 Landwirte aus Ettal und den umliegenden Gemeinden, die zusammen mit dem Kloster eine Genossenschaft gründeten. Sie produzieren feine Käsespezialitäten von Ammergauer Bierkäse bis Ettaler Klosterkäse, die du mit heimnehmen kannst. Auch Käsebrotzeiten auf die Hand sind im Angebot, und an bestimmten Terminen können Besucher beim Käsen zuschauen. 

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Die prunkvolle Basilika von Kloster Ettal

Über den Alpengarten geht es von der Käserei direkt zum Kloster. Im riesigen Klosterhof ragt die Basilika mit ihrer mächtigen Kuppel auf, spiritueller Mittelpunkt der Klosteranlage. Du kannst sie auch im Rahmen von Führungen besichtigen. Ihr größter Schatz ist das Kuppelfresko von Johann Jakob Zeiller, das einen Blick in den Himmel gewährt. Eine große Schar von Heiligen ist versammelt, um die Größe Gottes zu preisen.

Nach den Kunstschätzen kannst du dich den flüssigen Klosterschätzen zuwenden. Die berühmtesten Produkte wie der Ettaler Klosterliqueur und das Ettaler Klosterbier werden vorwiegend in klostereigenen Betrieben hergestellt. In der Klosterbrauerei auf der Rückseite der Klosteranlage wird seit mehr als 400 Jahren Bier gebraut. Eine der wenigen echten Klosterbrauereien, die noch in Händen von Mönchen sind. Hier trifft bei der Produktion Tradition auf modernste Brautechnologie. Details erfährst du bei einer Brauereiführung.


Ein süßes Produkt aus der Klosterproduktion: der Ettaler Klosterliqueur, dessen Wurzeln in der klösterlichen Heilkunde im Mittelalter liegen. Die Rezepturen gaben die Mönche in Rezeptbüchern weiter. Wenn du nicht zu den Führungsterminen der Brauerei vor Ort bist, kannst du im Bräustüberl, dem Restaurant des Klosterhotels Ludwig der Bayer, zu bayerischen Schmankerln das Bier aus der Klosterbrauerei testen. 

Schloss Linderhof – das Traumschloss von Ludwig II.

Im verschwiegenen Graswangtal liegt Linderhof (Öffnungszeiten), das intimste Schloss des Märchenkönigs Ludwig II., inmitten eines traumhaften Gartens mit lauter kleinen Schätzen, der zu Spaziergängen einlädt. 

Ludwig II. (1845–1886) von Bayern schuf prächtige Schlossbauten wie Neuschwanstein im Allgäu und Herrenchiemsee im Chiemgau. Nur das kleine Linderhof wurde vollendet – wenn auch erst kurz nach dem Tod des Königs im Starnberger See, wo er unter nie geklärten Umständen ertrank. Linderhof ist für viele das schönste der Königsschlösser, das wohnlichste ist es allemal. Ludwig, für den das Schlösserbauen Leidenschaft war, verbrachte hier deutlich mehr Zeit als in den anderen königlichen Bauwerken. 

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Das Lieblingsschloss von Ludwig II: Linderhof

Wenn du eine Innenbesichtigung planst, besorgst du ein Ticket am Eingang zum Park. Es schließt eine Führung ein, die rund 25 Minuten dauert. Nicht prunkvoll und protzig, sondern filigran und in strahlendem Weiß liegt Schloss Linderhof inmitten des Schlossparks. Wenn du noch Zeit vor der Führung hast, erklimmst du schon mal die Freitreppe gegenüber vom Schloss für den besten Fotoblick auf Linderhof mitsamt Springbrunnen (Mitte April-Mitte Oktober, täglich 9–18 Uhr), die jede halbe Stunde sprudeln, und Blumenrabatten im französischen Stil. Auch die Kaskaden auf der Rückseite des Schlosses sind einen Blick wert. 


Im Schloss fühlst du dich fast wie in einem Einfamilienhaus, die Dimensionen sind überschaubar. Die Ausstattung ist natürlich vom Feinsten. Mittelpunkt des königlichen Appartements ist das Schlafzimmer mit dem riesigen Bett in Ludwigs Lieblingsfarbe blau. Es erinnert an das Schlafgemach des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Versailles, den der „Kini“ verehrte.

Im Speisezimmer ist das „Tischlein-deck-dich“ ein Symbol für die Zurückgezogenheit des Königs, der an dem bis in die Küche versenkbaren Tisch ohne die Anwesenheit von Dienern speisen konnte. Stattdessen umgaben ihn imaginäre Seelenverwandte aus dem Frankreich des Sonnenkönigs. Ein Höhepunkt der Führung ist der prunkvolle Spiegelsaal, den der Nachtmensch Ludwig wohl selten tagsüber nutzte. Umso faszinierender muss die Wirkung der Spiegel im Licht von unzähligen Kerzen und kostbaren Kristalllüstern gewesen sein. 

Spaziergang durch den Schlosspark

Mindestens ebenso sehenswert wie das Schloss selbst ist der Schlosspark – ein Gesamtkunstwerk, in dem Ludwig kleine „Fluchtburgen“ schuf, die Besucher in die Geisteswelt des Königs entführen. Du spazierst vorbei an Blumenrabatten, Skulpturen und plätschernden Brunnen. Überall warten kleine Schätze, die die Fantasie beflügeln. 

Hier und da begegnest du beim Spaziergang dem Wagner-Fan Ludwig, der Schauplätze aus Wagner-Opern nachempfinden ließ. Die Hundinghütte etwa, in der Ludwig Met-Gelage nach germanischem Vorbild zelebrierte, entführt in den ersten Akt der „Walküre“. Die Einsiedelei des Gurmanz – eine Nachbildung des zerstörten Originals – erinnert an den dritten Akt des „Parsifal“, die Venusgrotte (bis 2024 voraussichtlich wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen) an den ersten Akt von „Tannhäuser“. Sie war das Meisterstück des Königs. Gern ließ sich Ludwig, der keinesfalls nur ein weltferner Märchenkönig war, sondern auch ein Technik-Freak, in einem elektrisch betriebenen Muschelkahn über den See fahren. Die künstliche Tropfsteinhöhle mit See und Wasserfall war farbenfroh ausgeleuchtet. Den Strom dafür lieferten zwölf Dynamos im Maschinenhaus ganz in der Nähe, einem der ersten bayerischen Elektrizitätswerke. 


Der Maurische Kiosk dagegen, den Ludwig auf der Pariser Weltausstellung 1867 entdeckte und aufkaufte, erzählt von den Orientfantasien des Königs. Sogar eine Kopie des persischen Pfauenthrons ließ er einfügen. Auch das Marokkanische Haus war zuerst auf einer Weltausstellung zu sehen. In exotische Gewänder gekleidete, auf Teppichen hockende Diener prägten die lebenden Bilder, die Ludwig von Zeit zu Zeit inszenierte. 

Besonders schön ist der Parkspaziergang an Sommerabenden, wenn die meisten Besucher längst weitergefahren sind und du die königlichen Plätze fast für dich allein hast.

Bad Bayersoien – Moorerlebnispfad um den See

Für alle, die mobil sind, ist der kleine Moorkurort Bayersoien eine ruhige Alternative zur Übernachtung in Oberammergau. Was du dort unternehmen kannst, erfährst du in meinem Artikel zu Ausflugszielen im Pfaffenwinkel.

Lust aufs Moor bekommen? Hier geht es zu weiteren Moorwanderungen im Voralpenland.


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8 Kommentare

  • Britta
    23. Mai 2022 at 12:58

    Liebe Elke,
    die Passionsfestspiele stehen ja eigentlich auch auf meiner Todoliste – und falls es noch Tickets gibt, schaffe ich es ja dieses Mal vielleicht tatsächlich auch kurzfristig noch. Danke auf jeden Fall für den tollen Überblick und auch die vielen Tipps, was man mit dem Ausflug nach Oberammergau noch verbinden kann.
    Viele Grüße
    Britta

    Antwort
    • Elke
      23. Mai 2022 at 13:17

      Liebe Britta,

      ich habe mir die Vorstellung inzwischen zweimal angeschaut – einmal mit jedem Jesus 😉 – und kann sie wärmstens empfehlen. Es gibt auch noch genügend Tickets, weil viele Amerikaner wegen Corona und Ukraine-Krieg abgesagt haben. Man freut sich deshalb über jeden Gast.
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Marie Schade
    24. Mai 2022 at 21:27

    Liebe Elke,
    ein sehr interessanter Bericht über die Festspiele, für die normalerweise die Leute aus dem Ausland kommen, um sie zu sehen. Vor kurzem sah ich im Fernsehen einen Bericht über die Passionsfestspiele und Interviews mit dem jüngsten und ältestem Darsteller bei den Spielen, in dem die Begeisterung des ganzen Ortes gezeigt wurde.
    Gut gefallen haben mir auch die die Bilder und die Darstellung der anderen „Highligts“. Es ist schon lange her, dass ich sie gesehen habe, deshalb möchte ich mir das alles in der nächsten Zeit wieder ansehen.
    Liebe Grüße
    Marie

    Antwort
    • Elke
      24. Mai 2022 at 21:41

      Liebe Marie
      die Passionsspiele sind in der Tat ein besonderes Event. Faszinierend, was ein Dorf dort alle 10 Jahre auf die Beine stellt! Die Musik, die Volksszenen – alles großartig. Da macht es auch nichts, wenn Jesus seine bayerische Herkunft nicht ganz verleugnen kann 😉. Die Reise nach Oberammergau lohnt sich unbedingt!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Marie Schade
    24. Mai 2022 at 21:34

    Liebe Elke,
    vor kurzem habe ich einen interessanten Bericht im Fernsehen über die Festspiele gesehen, in denen auch Interviews mit dem jünsten und dem ältesten Darsteller der Spiele gezeigt wurden. Deshalb habe ich mich besonders über Deinen sehr interessanten und schönen Bericht über die Passionsfestspiele und auch die anderen Ausflugsziele gefreut.
    Dein Bericht macht deutlich, wie viel Schönes es in Deutschland gibt, wenn man es entdecken möchte.
    Liebe Grüße
    Marie

    Antwort
    • Elke
      24. Mai 2022 at 21:43

      Liebe Marie,
      im der Tat – es gibt wunderschöne Plätze vor der Haustür! Viele davon hätten wir ohne Corona möglicherweise nie entdeckt …
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Gudrun
    28. Mai 2022 at 11:58

    Mir war lange kein Begriff, wie einzigartig diese Passionsspiele sind, ich kannte ehrlicherweise nur den Namen, aber nicht die ganze Geschichte dahinter. Ich finde solche Ereignisse sehr faszinierend und hoffe, dass ich auch einmal zu Gast sein kann in Oberammergau…

    Antwort
    • Elke
      28. Mai 2022 at 14:39

      Liebe Gudrun,
      in der Tat ein faszinierendes Spektakel! Am besten noch in diesem Jahr hinfahren – bis zur nächsten Passion dauert es ja noch eine Weile ;-).
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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