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Bad Hindelang im Allgäu – ein Wellness- und Naturparadies auf zwei Etagen

Kühe in Bad Hindelang

Es krabbelt, summt und surrt auf den Hindelanger Wiesen. Blumen und Bergkräuter sprießen – Leckereien für glückliche Kühe auf sanft gewellten Weiden, die fast schon ein Naturdenkmal sind. Die Buckelwiesen – ein Relikt der Eiszeit – sind anderswo längst plattgewalzt. Für mich ein Seelenplatz im Allgäu, wo ich supergut entspannen kann! Und ein Lieblingsziel für alle, für die Nachhaltigkeit ein entscheidender Faktor bei der Wahl des Urlaubsorts ist. Hier bekommst du Tipps für den Urlaub in Bad Hindelang.

Naturparadies Blumenwiese
Naturparadies Blumenwiese

Nachhaltig Reisen im Allgäu – ein Kurort auf zwei Etagen

Die Gemeinde Hindelang ist mit 140 km2 fast so groß wie das Fürstentum Liechtenstein. Aber ganze 5000 Einwohner verteilen sich auf den Hauptort Hindelang und fünf Dörfer auf zwei Etagen. Ein bisschen dürfen sich die Einheimischen sicher wie im Paradies fühlen. Nachhaltigkeit ist im Wanderparadies und Kneipp-Kurort Bad Hindelang nämlich kein Modewort, sondern wird schon lange gelebt. 

Blick auf Hindelang vom Wanderparadies Hirschbachtobel
Blick auf Hindelang vom Wanderparadies Hirschbachtobel

Im Tal der Ostrach liegen Hindelang – Verwaltungssitz der Gemeinde –, Vorderhindelang, Bad Oberdorf und Hinterstein. Die Hindelanger Talorte sind umgeben von Hirschberg (1456 m), Breitenberg (1887 m) und Imberger Horn (1656 m), das die Sesselbahn Hornalpe erschließt. Im Sommer ein abwechslungsreiches Wandergebiet, im Winter Treffpunkt der Rodler.

Im oberen Stockwerk liegen Ober- und Unterjoch. Hindelang und Oberjoch waren einst durch die alte Salzstraße aus Tirol verbunden, über die zwischen 1540 und 1823 täglich an die hundert Salzfuhrwerke holperten. Aber auch Pilger waren hier unterwegs, denn die Salzstraße gehörte zum Jakobsweg, der sich weiter zum Bodensee und schließlich ins spanischen Santiago de Compostela schlängelte.

Tourismus und Landwirtschaft

Der Tourismus ist aus dem Allgäu nicht wegzudenken. Mit dem Bau der Eisenbahnlinien im 19. Jh. kamen die ersten Sommerfrischler ins Oberallgäu, und bald folgten Alpinisten und Skifahrer. Ab den 1950er-Jahren bastelten die Gemeinden emsig an der Perfektionierung der touristischen Infrastruktur, und viele Landwirte erkannten, dass ihnen der Tourismus ein lohnendes Zubrot sichern konnte. Doch was ist, fragten kritische Stimmen, wenn auch der letzte Kuhstall in eine Ferienwohnung verwandelt ist?

Ein Mehr an Ferienwohnungen und Hotelbetten, Spaßbädern und Skiliften bedeutet schließlich auch ein Weniger an Landschaft. Werden die Weiden nicht bewirtschaftet, verliert die Allgäuer Kulturlandschaft ihr Gesicht. Die Touristen kommen aber in erster Linie der Landschaft wegen. Sie suchen intakte Natur, frische Luft und landwirtschaftliche Produkte aus artgerechter Tierhaltung. Diesen Teufelskreis erkannten die Hindelanger Gemeindeväter schon Ende der 1980er-Jahre. 

Blumen und Schmetterlinge auf Hindelanger Wiesen
Blumen und Schmetterlinge auf Hindelanger Wiesen

Von rund 200 Landwirten in den 1960er- Jahren waren damals knapp 90 Bergbauern geblieben, die wenig Chancen gegen die Konkurrenz aus dem Flachland hatten. So entwickelten Kurdirektor und Bürgermeister zusammen mit dem Bund Naturschutz ein bis heute mehrfach modifiziertes Konzept, das den Bergbauern aus der Misere helfen und zugleich den Tourismus in der Region stabilisieren sollte.

1992 bereits schlossen sich Hindelanger Bauern zum Verein Hindelang – Natur & Kultur zusammen und unterwarfen sich strengen Regeln. Sie verpflichteten sich zur extensiven Bewirtschaftung ihrer Flächen, zum Verzicht auf Kunstdünger und dazu, den Großteil der Futtermittel selbst zu erzeugen. Von insgesamt 63 Landwirtschaftsbetrieben sind 21 anerkannte Bio-Betriebe

Kühe in Bad Hindelang
Kühe in Bad Hindelang

Der Pakt zwischen Landwirtschaft und Tourismus trug Früchte. Die Urlauber können weiterhin landschaftliche Vielfalt genießen, die Landwirte erzeugen landwirtschaftliche Produkte von Rindfleisch bis Käse, die sie dank Direktvermarktung mit Gewinn verkaufen können und die Urlaubern schmecken. Win-Win im Allgäu.

Bad Hindelangs Erdgeschoss

Im Ortskern von Hindelang liegt hinter dem Bauernmarkt der hübsche Ortskern mit dem Rathaus, das ab Mitte des 17. Jahrhunderts ein erstes Leben als Jagsschloss führte. 

Schwefelheilbad Bad Oberndorf

Der Ortsteil Bad Oberdorf ist ein Bad im Bad und bietet bäuerliche Idylle: Holzhäuser, teilweise mit verschindelten Fassaden, blumengeschmückte Balkone und Bauerngärten. Dass man sich hier großartig erholen kann, entdeckte schon Seine Königliche Hoheit Prinzregent Luitpold, der immer wieder gern zur Jagd in die Region kam, Ende des 19. Jahrhunderts. 

Prinze Gumpe
Prinze Gumpe

Der Kurbetrieb begann mit der Entdeckung einer Schwefelquelle. Die Kombination von Schwefel- und Mooranwendungen als Heilmittel gegen Arthrose und Rheuma ist in Bayern noch heute einzigartig. 1888 verlieht der Prinzregent der Badeanlage den Titel Prinz-Luitpold-Schwefelmineralbad. Das war die Geburtstunde eines der ersten Kurhotels Bayerns. Noch heute gehört das Traditonshotel Prinz-Luitpold-Bad zu den ersten Adressen in Bad Hindelang. Bad Oberdorf ist ein wohltuend unprätentiöser Kurort geblieben, in dem auch schon mal Kühe auf den Straßen flanieren. Kurkonzert und Shoppingmeile dagegen Fehlanzeige.

Mehr Allgäu bei Kekse & Koffer

Auch der größte Kunstschatz Hindelangs, der Hindelanger Altar, ist in Bad Oberdorf zu finden – in der modernen Kirche Mariä Himmelfahrt und St. Jodok. Das großartige Altarbild gaben die Hindelanger beim Bildschnitzer Jörg Lederer aus Kaufbeuren in Auftrag, der es 1519 vollendete. Demütig kniet hier eine volkstümlich anmutende Maria und empfängt von Gott Vater und Sohn die himmlische Krone. Noch zwei weitere Schätze hütet die Kirche: ein Marienbild von Hans Holbein dem Älteren (1493) und einen geschnitzten Palmesel (1470). 

Für frühen Wohlstand im Ostrachtal sorgten neben dem Salzhandel die Hammerschmieden an der Ostrach, die mit reichlich vorhandener Wasserkraft das an Grünten und Hochvogel geförderte Eisenerz verarbeiteten. Im 15. und 16. Jh. waren sie Zentren der Rüstungsindustrie und versorgten das Heer Kaiser Maximilians mit Landsknechtspießen und Hellebarden.

Shopping-Tipp: Hammerschmieden in Bad Hindelang

Drei der Hammerschmieden sind wieder in Betrieb. In der Unteren Hammerschmiede beispielsweise kannst du den Schmieden bei der Arbeit zuschauen und erstklassige Eisenpfannen erstehen.

Gourmet-Tipp: Obere Mühle

In der einstigen Oberen Mühle – heute das Gasthaus Obere Mühle – kannst du fein speisen und köstlichen Bergkäse in der angegliederten Bio-Käserei einkaufen.

Endstation Hintersteiner Tal 

Das weite Ostracher Tal zwängt sich zusammen und öffnet sich nur in Hinterstein noch einmal. Der Ortsteil ist Ausgangspunkt für mehrere familientaugliche Wanderungen ist, z. B. zur Alpe Laufbichl, wo du morgens beim Käsen zuschauen und den köstlichen Bergkäse vor Ort probieren kannst. Oder zur urigen Willersalpe, wo du nach einer Wanderung Alp-Nostalgie schnuppern kannst.

Nostalgie auf der Alpe: Willersalpe
Nostalgie auf der Alpe: Willersalpe

An Sommertagen wartet in der Prinze-Gumpe, wo schon Prinzregent Luitpold vor hundert Jahren zu baden pflegte, Erfrischung für müde Wanderer. Das kleine Naturschwimmbad mit Kinder- und Kneippbecken ist nichts für Olympiaschwimmer, aber Nostalgiker lieben die altmodische kleine Badeanstalt mit herrlichem Bergblick. 

Prinze Gumpe
Prinze Gumpe

Ein echter Seelenplatz im Tal ist das Kutschenmuseum. Ein Philosoph und Poet hat die Exponate zusammengetragen und lädt zu einer Fantasiereise in die Zeit der Kutschen und Schlitten ein.

Bad Hindelangs Dachgeschoss

Wenn im Frühjahr im Tal schon die Krokusse blühen, ist es in Hindelangs zweiter Etage oft noch tief verschneit. Zur Freude der Wintersportler, die am Iseler ein schneesicheres Skigebiet vorfinden.

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Über hundert Kurven hat die 7 km lange Jochstraße von Hindelang nach Oberjoch und Unterjoch, die in 105 Kurven 300 Höhenmeter überwindet und die alte Salzstraße ersetzte. Als „Haarnadelboulevard“ wurde sie nach ihrem Bau Ende des 19. Jahrhunderts auch als Autorennstrecke berühmt. 

In Oberjoch erinnert die Kapelle St. Jakobus daran, dass die Salzstraße auch Pilgerstraße war. Hier rasteten und beteten die Fuhrleute der Salzkarren, bevor sie ins Tal hinabstiegen.

Heute sind Ober- und Unterjoch aber auch Alpenallergiestationen. Die Luft in über 1000 m Höhe ist frei von Hausstaubmilben, arm an Pollen- und Schimmelpilzsporen und lädt zu „Ferien von der Allergie“ ein. Ansonsten ist die Natur die Attraktion der beiden Dörfer.

Moorschwimmbad Oberjoch
Moorschwimmbad Oberjoch

Ein 2,5 km langer Moorlehrpfad informiert über Flora und Fauna der sensiblen Hochmoor-Landschaft und in einem Moorteich wartet Erfrischung. Mit dem Iselerlift gondelst du in wenigen Minuten bequem ein gutes Stück weit den Iseler hinauf (1886 m), von wo du zu mehreren Wanderungen aufbrechen kannst.

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8 Kommentare

  • Travelsanne
    21. Juni 2021 at 12:19

    Liebe Elke,
    Bad Hindelang sieht wirklich zauberhaft aus! Kühe, blühende Wiesen, Berge – ein echt heimeliges Ziel und gar nicht weit weg von uns.
    Danke fürs Mitnehmen.
    Viele Grüße von Sanne

    Antwort
    • Elke
      21. Juni 2021 at 12:23

      Dann unbedingt mal hinfahren, liebe Sanne! Ist für mich ein echter Seelenort.

      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Christiane
    21. Juni 2021 at 19:22

    Liebe Elke,
    danke für die schönen Eindrücke. Obwohl ich 10 Jahre im Allgäu gelebt habe, kannte ich das, alles nicht. Müsste da, auch mal wieder hin. Krieg fast was Heimweh…
    LG
    Christiane von der-2te-blick.de

    Antwort
    • Elke
      21. Juni 2021 at 20:27

      Liebe Christine,
      dann nichts wie hin – Das Allgäu hat noch viele tolle Ecken!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Linni
    22. Juni 2021 at 2:20

    Liebe Elke,
    so ein schöner Artikel, danke!
    Das Oberallgäu ist eine meiner liebsten deutschen Ferienregionen (und ich bin ein bisschen neidisch auf diejenigen, die dort immer leben…).
    Das Kutschenmuseum ist wirklich etwas Besonderes, so ein skurriler Ort. Sogar meine Kinder, die beim Wort „Museum“ gern direkt abwehrend reagieren, waren begeistert.
    LG Linni

    Antwort
    • Elke
      22. Juni 2021 at 6:30

      Liebe Linni,
      vielen Dank für deinen Kommentar!
      Habe ähnliche Erfahrungen mit meinem Mädels gemacht, als sie klein waren. Das Kutschenmuseum haben sie geliebt. Genau wie die Mama ;-).
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Tanja
    22. Juli 2021 at 8:32

    Bad Hindelang kenne ich tatsächlich auch noch gar nicht… das sieht toll aus.
    Viele Grüße
    Tanja

    Antwort
    • Elke
      22. Juli 2021 at 8:35

      Liebe Tanja,

      dann findest du hoffentlich mal den Weg ins Allgäu – es lohnt sich!

      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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