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Reiseziele / Europa / Schweiz

Urlaub im Tessin – meine 9 Lieblingsplätze

Möwen posieren am Ufer des Luganer Sees

Berggipfel mit traumhaften Ausblicken und blitzblaue Seen wie Lago Maggiore und Luganer See. Dazu wilde Flusstäler und granitgraue Dörfer, die am Fels kleben. Und Städte mit südlichem Lifestyle. Kein Wunder – Italien liegt gleich nebenan. Das legere Bella-Italia-Flair trifft im Tessin aber auf Schweizer Perfektion: So fahren die Züge garantiert pünktlich ;-). Ein weiteres Plus: Die Region hat fast rund ums Jahr Saison.

Hier sind meine neun Lieblingsplätze, die ihr beim Urlaub im Tessin nicht verpassen solltet.

Die Burgen von Bellinzona

Die Kantonshauptstadt Bellinzona liegt nicht am Wasser. Das ist ein deutlicher Wettbewerbsnachteil im Kampf um die Gunst der Besucher beim Urlaub im Tessin. Ein Tagesausflug lohnt sich aber unbedingt – schon allein wegen der drei mittelalterlichen Burgen, die zum UNESCO-Welterbe zählen. Eine stolzer als die andere und alle so sorgsam wie behutsam restauriert. 

Zum Castelgrande, der großen Burg, bringt mich ein Fahrstuhl blitzschnell. Oben angekommen habe ich die anderen beiden Festungen bestens im Blick. Am Hügel gegenüber breitet sich das bildschöne Castello di Montebello aus – mit seinen Grünflächen ringsum ein Abenteuerspielplatz für Kinder. Das Castello di Sasso Corbaro schließlich, die Nummer drei, thront erhaben in 230 m Höhe am Hang und bietet Rundumblick über die gesamte Ebene. 

Zwischen den Burghügeln eingekuschelt liegt die Altstadt mit ihren Palazzi, Arkaden und eleganten Plätzen – lebendig und unverfälscht. Hier sind die Einheimischen eindeutig in der Überzahl. Und in den Straßencafés auf den Plätzen blinzeln immer mal wieder die Zinnen der Burgen hervor. 

Am schönsten zeigt sich die Stadt am Samstag, wenn die Marktstände in den Altstadtgassen Köstlichkeiten der Region anbieten. Viele Restaurants bieten dann mittags den sogenannten „Marktteller” an.

Die Seepromenade von Ascona

Mein Hotel liegt mitten in der Altstadt und mein Urlaub im Tessin beginnt noch vorm Frühstück mit dem Spaziergang zur Seepromenade, die ich um 7 Uhr morgens noch fast für mich allein habe.

In den 1950er- und 1960er-Jahren war Ascona mondänes Urlaubsziel der High Society, in dem sich Promis von Brigitte Bardot bis Herbert von Karajan blicken ließen. „Als Kind bekam ich immer glänzende Augen, wenn die Luxuskarossen auf der Promenade am Lago Maggiore auffuhren“, erinnert sich Gästeführerin Carolina Peter, die mich durch ihre Heimatstadt führt. „Die große Welt bei uns im kleinen Tessin!“ 

Nach und nach verblich der Glamour, Ascona wurde Rentnerparadies. Aber seit ein paar Jahren locken trendige Restaurants und coole Lounge-Bars ein junges Publikum an. Ascona ist wieder hip. Und so sitzt heute ein buntes Völkchen beim Aperol Sprizz an der Promenade und schaut dem See beim Glitzern zu.  

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Monte Verità – Paradies der frühen Aussteiger

Lange vor den Tessin-Touristen entdeckten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Aussteiger die Schönheit des Lago Maggiore für sich. Damals war Ascona ein Fischerdorf, das Tessin das Armenhaus der Schweiz. Gleichzeitig aber die eidgenössische Sonnenstube. 

Das milde Klima lockte eine Gruppe von Leuten an, die den Stadthügel über dem Lago Maggiore zu ihrem Monte Verità, „Berg der Wahrheit“, machten. Dort lebten sie einen naturnahen Lifestyle inklusive Freikörperkultur und veganer Lebensweise. 

Die Nachhut bildeten Schriftsteller, Maler, Lebenskünstler. Und ein Architekt, der ein luftig-elegantes Hotel im Bauhausstil auf den Berg pflanzte. In den 1930er-Jahren schließlich kam die deutsche Intelligenz auf der Flucht vor dem Nazi-Regime ins Tessin. 

Der Monte Verità ist ein Kraftort geblieben – mit wunderbaren alten Bäumen, Spazierwegen, einem Zen-Garten und der einzigen Teeplantage der Schweiz. Im Garten der kleinen Teestube dort hätte ich ewig sitzen können – bei einer Tasse Tee natürlich. Der Lago Maggiore lag mir zu Füßen und wie die einstigen Bewohner des Monte Verità fühlte ich mich der Welt dort unten ein gutes Stück entrückt. 

Weiterlesen: Ein magischer Platz: der Monte Verità bei Ascona

Piazza Grande in Locarno

Locarno – im Gegensatz zum dörflichen Ascona eine echte kleine Stadt – ist nur ein paar Busstationen entfernt. Treffpunkt für Einheimische und Besucher ist hier die Piazza Grande, im Sommer ein Saal im Freien zum Sehen und Gesehen werden, der sich perfekt für Kulturevents eignet. So sammeln sich hier alljährlich im August seit 1946 bereits Cineasten zu Open-Air-Kinoaufführungen im Rahmen des Filmfestivals von Locarno, das zu den renommiertesten Europas zählt.

Wildschönes Val Verzasca

Deutlich bodenständiger geht es in den Tessiner Tälern zu, in denen sich die Gebirgsbäche mit viel Getöse durch die Felslandschaft zwängen und granitgraue Dörfer am Fels kleben. Parkplätze sind rar in den engen Tälern, doch zum Glück gibt es Postbusse, die mich mit Ticino-Ticket kostenlos ans Ziel bringen. Ins Val Verzasca zum Beispiel. Der gleichnamige Wildfluss umtost gigantische Granitmurmeln, und im Sommer sonnt sich halb Ascona auf den Felsvorsprüngen und erfrischt sich im türkisgrünen Wasser. Spektakuläre, wenn auch nicht ungefährliche Badeplätze. 

Viele Rustici, traditionelle Bauernhäuser aus Granit, verwandelte man in Ferienhäuser; Grotti, einst beschattete Lagerräume, erwachten als urige Gasthöfe wieder zum Leben, in denen Tessiner Hausmannskost auf den Tisch kommt. In einem davon sollte man mittags unbedingt einkehren.

Endstation im Val Verzasca ist das perfekt restaurierte Dorf Sonogno mit seinen traditionellen Granithäusern – Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen zu Wasserfällen oder zur berühmten steinernen Ponte dei Salti, die sich höchst fotogen hinter Lavertezzo über den Verzasca spannt. Ich lasse es mir heute einfach gut gehen und blinzle auf der Terrasse des Ristorante Alpino beim Käseteller in die Sonne, während die Berge ringsum schon weiß überpudert sind.

Lugano – italienische Lebensart beim Urlaub im Tessin

Lugano macht sich mit eleganten Palazzi und viel Grandezza am Luganer See zwischen gleich zwei „Zuckerhüten“ breit – den Hausbergen Monte Brè und San Salvatore. Beide bieten von ihren Aussichtsterrassen einen echten Wow-Blick über Stadt, Berge und See. Und beide kann man bequem mit einer Zahnradbahn erobern.

Der Tourismus spielt in Lugano – anders als in Ascona – nicht die Hauptrolle: Das drittgrößte Bankenzentrum der Schweiz ist eine internationale Stadt, in der Menschen aus fast 150 Nationen leben. Ihr Herz ist die Piazza della Riforma, wo sich Villen aus unterschiedlichen Epochen aneinanderreihen. Früher lebte hier die feine Gesellschaft, längst zogen die Büros großer Banken ein. 

Mit den Bogengängen und Galerien der Altstadt erinnert Lugano an lombardische Städte auf der anderen Seite der Grenze. Mit dem neuen Kulturhaus und Bauten des Lokalmatadors Mario Botta gönnte man sich aber auch ein paar Architekturikonen der Moderne. 

Montagnola – Wahlheimat von Hermann Hesse

Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse verliebte sich in die Umgebung Luganos und lebte mehr als vierzig Jahre im Vorort Montagnola, 10 Busminuten vom Stadtzentrum entfernt. 

Im liebevoll gestalteten Museo Herrmann Hesse oder auf dem Themenweg, der zum Grab des Dichters und seinen einstigen Wohnsitzen führt, lerne ich einiges über den Lieblingsschriftsteller der Hippie-Generation. Heute leben hier oben die Besserverdiener, die von ihren schicken Villen besten Seeblick genießen.

Weiterlesen: Auf den Spuren von Hermann Hesse in Montagnola

Es war einmal ein Fischerdorf: Gandria 

Die Starrolle spielt auch in Lugano natürlich der See. Wer stadtmüde ist, besteigt beim Urlaub im Tessin eines der Passagierschiffe und nimmt Kurs aufs Bilderbuchdorf Gandria, in dem sich die Häuser fotogen übereinanderstapeln.

Die Schiffe fahren Ende Oktober nicht mehr, deshalb spazieren ich auf dem „Pfad der Oliven“ immer am See entlang in etwa einer Stunde ins ehemalige Fischerdorf Gandria. Zahlreiche Tafeln informieren entlang des Themenwegs über die Oliven, die in südlichem Klima hier bestens gedeihen.

Weitblick vom Monte Generoso

In ihrem südlichsten Zipfel ist das Tessin flacher und lieblicher und erinnert landschaftlich an die Toskana. Dazu passt, dass hier die meisten Weinberge der Region liegen. Touristisch spielt das Mendrisiotto eine Nebenrolle, aber zumindest einen Ausflug sollte jeder Tessin-Urlauber einplanen – auf den Monte Generoso, den prächtigsten Aussichtsberg des gesamten Kantons. 

Schon die Anreise vom Bahnhof in Capolago auf den Berg ist spektakulär. Seit 125 Jahren zuckelt die Bahn Zahn für Zahn in 40 Minuten zur Bergstation. Der Gipfel reckt sich nur 1701 m in den Tessiner Himmel, aber von der Aussichtsplattform blicke ich über die majestätischen Gipfel der Schweizer Alpen – vom Gran Paradiso zum Monte Rosa, vom Matterhorn zur Jungfrau, vom Gotthardmassiv zum Bernina. 

Die Bergstation ist Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Wanderungen für jedes Konditionslevel. Ein Hingucker auf dem Berg seit 2017: die „Steinblüte“ von Mario Botta, dem Stararchitekten der Region, mit Selbstbedienungs- und Fine-Dining-Restaurant.

Offenlegung: Die Reise unterstützte Ticino Turismo durch Unterkunft und Anreise. An die Veröffentlichung waren keinerlei Vereinbarungen/Bedingungen geknüpft, und der Artikel spiegelt meine eigene Meinung wieder.

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