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Isarstrände, Alpenblick und Industriekultur: Auf dem Isarradweg von München zur Floßrutsche im Mühltal

Alpenblick von der Ludwigshöhe

Für geniale Alpenblicke musst du von München aus nicht weit fahren. Diese Radtour führt dich direkt aus der Stadt auf dem Isarradweg zur Ludwigshöhe bei Kleindingharting, wo die Alpenkette von den Chiemgauer zu den Ammergauer Alpen vor dir liegt. Unterwegs hast du Gelegenheit zum Baden im Deininger Weiher, zu einem Abstecher zum Kloster Schäfftlarn und Brotzeiten in mehreren berühmten Biergärten. Ein letzter Höhepunkt: die Floßrutsche am historischen Wasserkraftwerk Mühltal – ein Event für Fotografen.

Infokasten und GPS-Daten

Unterwegs auf dem Isarradweg

Ausgangspunkt der Tour ist die Brücke beim Tierpark Hellabrunn. Vom kleinen Kiosk auf der gegenüberliegenden Seite vom Zoo radelst du isaraufwärts auf dem Isarradweg. Links passierst du bald schon auffällige rote Backsteingebäude: die Reste des ehemaligen Betriebswerksgeländes der der alten Isartalbahn.

Bis zum Bau der Bahn hatten Flößer, von denen später noch die Rede sein wird, den Transport von Waren zwischen München und dem Alpenvorland übernommen. Mit dem Fernreisefloß konnten Betuchte sogar einmal wöchentlich von München über die Isar die Donau hinab bis nach Wien schippern. Mit der Erfindung der Eisenbahn ging die Ära der Flößer zuende. 1891 nahm die Isartalbahn von Thalkirchen aus ihren Betrieb auf, 1892 wurde die Strecke nach München hinein verlängert. Sie brachte Ausflügler ins bis dahin recht isolierte Oberland rund um Wolfratshausen. In die andere Richtung versorgte die Bahn München mit Holz, Getreide und Milchprodukten. 1938 übernahm die Deutsche Reichsbahn die hoch verschuldete Lokalbahn-Aktiengesellschaft. Während der NS-Zeit erhielt die Munitionsfabrik in Geretsried ein Anschlussgleis. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahm die Bahn den Betrieb wieder auf, doch die Strecke verlor zusehends an Bedeutung. 1964 fuhren die letzten Fahrgäste von Thalkirchen bis zur Endstation an der Schäfftlarnstraße.

Wo Eisenbahner einst die Züge im Lokschuppen warteten, sind längst Firmen eingezogen. Der kreisrunde Vorplatz erinnert noch an die Drehscheibe für die Lokomotiven. Die Bahntrasse ist heute Teil des Isarradwegs und Revier der Radler.

Isartalbahnhof in Thalkirchen
Isartalbahnhof in Thalkirchen

Wir halten uns Richtung Großhesselohe/Pullach und passieren verwunschene Grundstücke und alte Villen, die von gewachsenem Wohlstand zeugen. Manch nostalgisches Träumchen, das ein ganz klein bisschen Sozialneid aufkommen lässt.

Weitblick über die Isarauen

Wo der Isarradweg vorerst endet, geht es weiter quer durch den Ort, dann biegst du in einer Kurve wieder auf die Radlertrasse in Richtung Großhesseloher Brücke ein. Diese sorgt in 31 m Höhe für eine grandiose Aussicht über die Isarauen. Du überquerst die Brücke und hältst dich danach links. Über eine Eisenbahnbrücke gelangst du wieder links auf die Hochleite, biegst aber bald in den Schilcherweg ein.

Du überquerst die Geiselgasteigstraße und rauscht schnurgerade durch den Perlacher bzw. Grünwalder Forst. Im Grünwalder Ortsteil Geiselgasteig taucht rechter Hand das riesige Gelände mit den Studios der Bavaria Filmproduktion auf, eines der größten europäischen Filmstudios.

Manche Kulisse – großstädtischen Häuserzeile, Blockhütten oder ein Wikingerschiff – kannst du schon im Vorbeifahren erspähen. Gedreht werden neben deutschen Serien auch internationale Großproduktionen. Die Top-Attraktion nach der Eröffnung für Besucher 1981 war das 55 Meter lange U-Boot aus dem Kinohit „Das Boot“ von Wolfgang Petersen. Regelmäßig gibt es Filmsets aus den aktuellen Produktionen zu sehen. Außerhalb der Pandemie herrscht hier reger Betrieb.

Biergarten mit Geschichte

Eine beliebte Verpflegungsstation am Wegesrand ist mit der Nussbaum Ranch bald erreicht. Du kannst aber auch noch ein Stück weiterfahren zur Kugler Alm in Oberhaching. Sie liegt direkt neben der Bahnstrecke nach München, auf der Rückseite lockt aber ein schattiger Biergarten mit frischer Gartenküche. Außerdem gibt es hier – nicht ganz unwichtig – eine Aufpumpstation fürs Radl. Wer es feiner mag: Neben dem Biergarten betreibt die Kugler Alm das Fine-Dining-Restaurant Franz Xaver.

Die Kugler Alm hat aber nicht nur gute Küche, sondern auch Geschichte zu bieten: Vor rund 120 Jahren wurde der Gleisarbeiter Franz Xaver Kugler hier zum Unternehmer. In einer Kantine verkaufte er seinen einstigen Kollegen Bier und Brotzeiten, konnte bald expandieren und eine Ausflugsgaststätte eröffnen: die Kugler Alm. Dass hier auch das Kultgetränk „Radler“ erfunden wurde, ist allerdings Legende. Oder geschicktes Storytelling.

Ein königliches Gestüt und eine wehrhafte Kirche

Du fährst quer durch Unterhaching weiter und biegst rechts in den Flößerweg ein. Am Ende der Siedlung geht es nochmals rechts in die Laufzorner Straße. An der Kreuzung folgst du dem Wegweiser nach Laufzorn und erreichst nach ca. 1 km das Gut Laufzorn, das die Wittelsbacher ab Mitte des 15. Jahrhunderts bewirtschafteten. Ab 1588 züchtete man nachweislich Pferde und auch heute ist Gut Laufzorn ein Gestüt.

In München und um München herum

An der nächsten Kreuzung geht es nach rechts und dann immer geradeaus nach Straßlach. Dort biegst du an der großen Kreuzung links in die Grünwalder Straße ein. An klaren Tagen kommt nun erstmals die Alpenkette in den Blick.

Links führt der Weg weiter in Richtung Großdingharting, wo die mächtige, wehrhafte Dorfkirche St. Laurentius zu einem Stopp einlädt. Den Bau soll 1492 Jörg Ganghofer vollendet haben, der auch die Münchner Frauenkirche baute. Möglicherweise ist sie jedoch viel älter. Hingucker am Eingang sind zwei Asylkreuze. Wenn es im Mittelalter einem zum Tode Verurteilten gelang, sich vom Galgenberg bis zur Kirche durchzuschlagen und die Kreuze zu berühren, wurde er freigesprochen.

St. Laurentius in Großdingharting
St. Laurentius in Großdingharting

Weiter geht es nach Kleindingharting, wo tatsächlich alles ein klein bisschen kleiner wirkt als im Nachbarort. Dann heißt es auch schon Endspurt zur Ludwigshöhe.

Alpenblick von der Ludwigshöhe

Hier oben saß wohl auch schon König Ludwig II., nach dem der Aussichtsplatz (690 m über NN) benannt ist. Wahrscheinlich war er genauso fasziniert von der Aussicht wie die Radfahrer heute rund 150 Jahre später. Ob der „Kini“ tatsächlich eine Villa auf der Anhöhe bauen wollte, wie die Legende erzählt? Dann hätte die Allee, die im 19. Jh. angelegt wurde, einen Zweck gehabt. Bauarbeiten wurden allerdings nie begonnen.


In der Ferne türmt sich die Alpenkette von den Chiemgauer bis zu den Allgäuer Alpen vor dir auf. Wie praktisch, dass ein kleines Büchlein, das an einer der Bänke baumelt, die Namen sämtlicher Gipfel verrät.

An schönen Tagen ist hier Radlertreff. Mountainbiker, Rennradler, E-Biker sammeln sich hinter der kleinen gelb getünchten Wallfahrtskapelle Maria Dolorosa am Kirchlberg auf der Wiese, um den Alpenblick aufzusaugen. Am Wochenende hat manchmal der Kiosk geöffnet und du kannst dir ein Radler zum Fernblick gönnen.

Beim Weg bergab nach Kleindingharting kommt richtig Fahrt auf. Wenn du Lust auf eine Badepause hast, solltest du allerdings aufpassen, dass du den Abzweig zum Deininger Weiher (2,4 km) nicht verpasst.

Moorige Idylle – der Deininger Weiher

Der Deininger Weiher ist ein romantischer Moorsee im Wald, der seine Existenz wie viele bayerische Seen der Eiszeit verdankt. Zu jeder Jahreszeit ist er ein wunderbares Wanderziel, im Sommer auch ein Badeparadies. Er spricht eher die stillen Genießer als Familien und Wassersportler an. So kannst du gemächlich ein paar Runden ziehen, das Picknick auf der Liegewiese auspacken oder eine Brotzeit vom Kiosk des Restaurants Waldhaus holen, bevor es auf die nächste Etappe geht.

Zurück in Richtung Isar

Kleindingharting ist ein netter Bauernort mit alten Bauernhäusern, Kirche und Maibaum. Im Ortzentrum biegst du zunächst rechts ab, dann links in Richtung Hornstein. Gleich rechts neben dem Ortsschild liegt dort eine Kapelle direkt hinter dem Maibaum. Sie diente einst als Schlosskapelle und stand früher 300 m weiter nördlich beim Schloss Hornstein, dem jetzigen Schwoaga-Hof.

Schlosskapelle in Hornstein
Schlosskapelle in Hornstein


Auf der Bank vor dem Kircherl kannst du rasten, bevor es gegenüber der Kirche auf einem Schotterweg recht steil bergab geht. Am besten schiebst du hier das Rad. Alternativ machst du einen kleinen Umweg (ca. 1 km) über die Pupplinger Au. Wenn du den direkten Weg nimmst, folgst du – am Ende des Schotterwegs angekommen – an der Kreuzung nicht dem Wegweiser Puppling, sondern fährst rechts zum Gasthaus Aumühle. Es ist berühmt für den Saibling aus eigener Zucht. Ein köstliches Mittagessen! Im Hofladen gibt es auch Geräuchertes zum Mitnehmen.

Hinter dem Gasthaus erspähst du schon den Damm zum Isarkanal, auf dem im Sommer die Flößer unterwegs sind. Wenn du magst, erklimmst du den Damm und hast Blick auf die fotogene hölzerne Brücke, die den Isarkanal überspannt. Wer sich auf dem Spazierweg am Kanal entlang ein bisschen die Beine vertreten mag, kommt zum Ickinger Wehr. Es erinnert an eine mittelalterliche Festung, ist aber nur rund 100 Jahre alt. Hier wird der Mühltalkanal von der Isar abgezweigt, der dich fortan eine Weile begleiten wird auf dem Weg zum Wasserkraftwerk Mühltal. Die Flöße, die aus Wolfratshausen kommen, werden hier in den Kanal umgeleitet.

Wenn du das Fahrrad bei der Aumühle geparkt hast, steigst du nach dem Abstecher wieder in den Sattel und strampelst am Isarkanal entlang. Wenn du in der Aumühle keinen Platz gefunden hast, hast du im Gasthaus zum Bruckenfischer eine weitere Chance auf gepflegte Stärkung.

Gasthaus zum Bruckenfischer am Isarkanal
Gasthaus zum Bruckenfischer am Isarkanal

Barocker Überschwang: Kloster Schäfftlarn

Auf der Brücke geht es links zum Kloster Schäfftlarn, das nicht direkt an der Strecke liegt, aber einen Abstecher lohnt. Die mächtige, weißgetünchte Abtei macht sich im grünen Isartal breit. Die heutigen Klostergebäude entstanden im frühen 18. Jh, ein erstes Kloster gab es hier möglicherweise schon 1000 Jahre früher. Kaum zwei Handvoll Benediktinermönche leben heute hier noch, aber menschenleer ist es trotzdem nicht, denn Schüler des Gymnasiums mit angeschlossenem Internat sorgen für junges Leben.

Klosterkirche Schäfftlarn
Klosterkirche Schäfftlarn


Besuchen kannst du die Klosterkirche, die mehrere Baumeister wie der Münchner Hofbaumeister Francois Cuvillies d.Ä. im 18. Jh. gestalteten. Ein luftig-heiteres Meisterwerk des bayerischen Rokoko, das namhafte Künstler prägten. Das Deckenfresko schuf der Wessobrunner Künstler Johann Baptist Zimmermann, Hochaltar, Kanzel und Chorgestühl stammen vom Rokokobildhauer Johann Baptist Straub.

Auch sonst ist einiges geboten. Im Klosterladen verkaufen Mönche Honig aus der eigenen Imkerei und selbstgebrannten Schnaps. Die „Schäftlarner Konzerte“ locken Musikfans. Und natürlich darf die Klostergaststätte nicht fehlen. Aber auch Gartenliebhaber kommen auf ihre Kosten. Zentrum des Prälatengartens neben dem Kloster ist ein Springbrunnen – gespeist von einer Quelle, die in der Nähe entspringt. Sie fließt im Sommer wie im Winter, kennt keinen Anfang und kein Ende und ist Symbol für Gott, heißt es – Quelle des Lebens. Der Garten blüht am schönsten im Juni, wenn Rosen und Lavendel für Farbrausch sorgen.

Klostergarten in Schäfftlarn
Klostergarten in Schäfftlarn

Nach dem Schlenker zum Kloster geht es zurück über die Isar mit ihren weißen Kieselstränden und auf dem Isarradweg immer am Kanal entlang.

Die Route der Flößer

Dann kommt auch schon bald das Wasserkraftwerk Mühltal, 1924 erbaut und heute unter Denkmalschutz, in Sicht. Am Wehr kannst du sitzen, Sonne tanken, die Berge im Hintergrund betrachten, den Enten beim Schwimmen zusehen und während der Saison auch den Flößern, die vorbeirauschen.

Ist die Isar auch nicht schiffbar, im Mittelalter war sie trotzdem ein wichtiger Handelsweg. Auf Holzflößen transportierten wagemutige Flößer Lebensmittel, Luxuswaren, Baumaterial und Kriegsgerät aus dem Alpenraum nach München und Passau oder gleich donauabwärts nach Wien und Budapest. Es waren wilde Gesellen, die ein unstetes Leben führten, aber oft zu Wohlstand kamen. Den Handel auf dem Fluss beendete die Erfindung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert (s. Isartalbahn). Deutlich größere Warenladungen konnte man auf Schienen transportieren. Im 20. Jahrhundert erlebte die Flößerei ein Revival im Tourismus. Rund 1200 Flöße pro Jahr sind in den Sommermonaten von Bad Tölz zur Floßlände in München-Thalkirchen unterwegs – mit rund 60 Leuten, Blasmusik und reichlich Bier an Bord.

Die Nutzung der Isar zur Stromgewinnung blieb im 19. Jh. nicht ohne Einfluss auf die Flößerei. Damit sie nicht vollständig zum Erliegen kam, baute man am Kraftwerk Mühlthal und anderen Kraftwerken entlang der Isar Floßrutschen. Die Rutsche im Mühltal ist mit 345 m Länge die längste Europas. Das Gefälle ist beträchtlich, so dass die Flöße mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h hinuntersausen – mit viel Gegröle natürlich. Eine Gaudi auch für die Zuschauer. Die Floßsaison dauert von Mai bis Mitte September – wenn nicht gerade Pandemie herrscht natürlich.

Das Gasthaus zur Mühle so urig wie berühmt und gleich nebenan lockt die Industriekultur des 19. Jahrhunderts. Auch von außen beeindruckt das historische Ambiente des Kraftwerks, das immer noch etwa 70 Mio. kWh (70 GWh) Strom erzeugt, der ca. 17 500 Haushalte versorgt.

Endspurt auf dem Isarradweg

Der Weg führt nun am Kapellchen vorbei in den Wald und leicht bergauf. Du folgst immer dem Hinweis Isarradweg bzw. München. Wenn du den Wald hinter dir gelassen hast, stehst du vor dem Grünwalder Friedhof. Jetzt einfach durch Grünwald radeln und im Zentrum links hinunter zur Isar radeln. Am Ende der Brücke geht es wieder links zum Flussufer.

Das letzte Stück der Tour führt auf dem Isarradweg geradeaus durch die Isarauen. An schönen Frühlings- und Sommertagen genießen hier unzählige Münchner ihre Freizeit beim Sonnen, Baden, Picknicken. Endstation ist wieder Thalkirchen, wo an der Floßlände auch Finale für die Flößer ist, die berauscht von Bier und Flussfahrt nach Hause wanken .

Eine weitere Tour auf dem Isarradweg führt quer durch München und vorbei an vielen Highlights der Bayernmetropole.

2 Kommentare

  • Marike
    3. Mai 2021 at 14:51

    Zum Kloster Schäfftlarn bin ich mal im tiefsten Schnee gewandert, unvergesslich. Welch schöner Bericht! Darf ich noch um den Wetterbericht bitten, damit ich die Alpen sehen kann?

    Antwort
    • Elke
      3. Mai 2021 at 16:59

      Gutes Wetter kann ich nicht versprechen, liebe Marike ;-). Aber auch ohne Alpenpanorama ist die Tour ein Genuss!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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