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Bayern / Chiemgau / Kunst & Kultur

Fischer und Klosterfrauen auf der Fraueninsel im Chiemsee

Campanile des Klosters Frauenwörth in Sicht

Nach dem Besuch von Herrenchiemsee erwartet dich beim Ausflug auf die kleine Fraueninsel, wenige Schiffsminuten entfernt, eine andere Welt. Der Gegensatz zur Herreninsel, die von monarchischem Größenwahn erzählt, könnte kaum größer sein. Die Nachbarinsel gibt sich bodenständig und bescheiden.

Klosterfrauen als Bildungsmanagerinnen

Zu Füßen des weißgetünchten Glockenturms mit seiner mächtigen Zwiebel liegt Kloster Frauenwörth, das Benediktinerinnen vor mehr als 1200 Jahren gründeten. Wie das Männerkloster auf der Nachbarinsel war auch Frauenchiemsee eine der geistigen Zellen des Chiemgaus. 

Den Geist des bescheidenen Nonnenklosters prägte die erste Äbtissin Irmengard, eine resolute Klosterfrau, die groß an Persönlichkeit war und zudem als Tochter Ludwigs des Deutschen und Urenkelin Karls des Großen von edler Herkunft. Heute ist sie Schutzherrin des Chiemgaus.

Im Gegensatz zum Chorherren-Stift auf der Herreninsel überlebte Kloster Frauenwörth auf der Fraueninsel die Säkularisation. Wahrscheinlich weil es so klein und bescheiden war. Heute leben hier nach wie vor Klosterfrauen. Und die sind kein bisschen weltfremd, sondern erfolgreiche Unternehmerinnen. Seele des Klosterbetriebs ist das Seminarzentrum, in dem Kurse von Yoga bis Ayurveda boomen.

Nebenan im Klosterladen kannst du bei den Schwestern ein süße Souvenirs aus den Klosterwerkstätten von Marzipan bis Klosterlikör erstehen, bevor es auf Inselerkundung geht:

Kunsthistorische Juwelen

Der weißgetünchte Campanile, der freistehende Glockenturm mit seiner Zwiebel aus Holzschindeln, ist ein Wahrzeichen des Chiemgaus. Den kostbarsten Schatz des Klosters entdeckst du wahrscheinlich erst auf den zweiten Blick: die schlichte Torhalle gegenüber vom Turm. Lange hielt man sie für ein romanisches Bauwerk. Tatsächlich stammt sie mitsamt den Engelsfresken, die erst vor rund 50 Jahren unter dicken Putzschichten zum Vorschein kamen, aus karolingischer Zeit – aus der Ära der Äbtissin Irmengard. 

In der Klosterkirche zieht es Gläubige zur Kapelle, wo seit Irmengards Seligsprechung 1929 die Reliquien der Ordensfrau ausstellt sind. Zahllose Votivtafeln erzählen von zahllosen Gebeten zur Chiemgau-Patronin. 

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Die Fischer der Fraueninsel im Chiemsee

Das Dorf auf der Fraueninsel ist herausgeputzt, aber ganz und gar nicht museal. Etwa 250 Menschen leben rund um das Kloster, nur wenige arbeiten noch auf der Insel. Jahrhundertelang prägte die Symbiose zwischen Kloster und Dorf das Inselleben. Metzger und Bäcker, Schreiner und Schmiede, Schuster und Schneider umsorgten die frommen Schwestern. Für das Geschirr, das heute bei den Besuchern reißenden Absatz findet, war die Keramikwerkstatt der Familie Klampfleutner zuständig, die inzwischen auf eine 300 jährige Familientradition auf der Fraueninsel zurückblicken kann.

Geblieben sind auch ein paar Fischerfamilien. „Ich habe einen Traumberuf“, Thomas Lex, einer von sechs Inselfischern, strahlt. „Und ich lebe und arbeitete am schönsten Platz der Welt!“ 

Dabei ist das Fischen harte Arbeit. Bei Sonnenaufgang geht es hinaus auf den See. Zurück an Land werden die Fische geputzt für den Verkauf. Der beliebteste Chiemseefisch ist die Renke. Die platten, grätenreichen Brachsen gehen am häufigsten ins Netz, und auch an Aalen besteht kein Mangel. Zander, Waller und Hecht sind dagegen eine Rarität geworden.

Was nicht in den Pfannen der Gaststätten landet, wandert in die Räucherkammer und weiter in den eigenen Laden. Besonders stolz ist Lex auf seinen Matjes von der Renke. Ich darf probieren: butterzart mit frischem Kräuteraroma – köstlich! Kein Wunder, dass Sternekoch Christian Jürgens, der auf dem Festland seinen Gourmettempel betreibt, Stammkunde ist.

Die Künstlerkolonie auf der Fraueninsel

Heute ist die Insel ein beliebtes Ausflugsziel – ein schönen Sommertagen auch ein bisschen zu beliebt. Dann drängen sich schon mal die Besucher. Lange bevor die Fraueninsel zur Touristenattraktion wurde, war sie Künstlerkolonie. An einem verregneten Frühsommertag im frühen 19. Jahrhundert legte ein Einbaum mit vier Münchner Kunststudenten in Frauenchiemsee an, heißt es. Von den Erlebnissen der Künstler berichtet eine fantasievoll illustrierte Inselchronik, in der sich Dichter wie Felix Dahn, Viktor von Scheffel, Ludwig Ganghofer und Ludwig Thoma verewigten. An Motiven mangelt es auch heute nicht auf der Insel.

Abendstimmung auf der Fraueninsel

Abends wenn die letzten Tagesbesucher wieder aufs Boot Richtung Festland gestiegen sind, kehrt Ruhe ein. Dann haben die Einheimischen und die wenigen Übernachtungsgäste die Fraueninsel für sich allein, die jetzt ihr Alltagsgesicht zeigt und einen wundersamen Zauber verströmt. 

Familien sitzen plaudernd an den Bootstegen, Segelboote gleiten vorbei. Nur das Plätschern der Wellen durchbricht die Stille und am Horizont türmen sich die Gipfel der Chiemgauer Alpen auf. 

Nachdem die Sonne mit großem Drama im See versunken ist, verteilen sich die Zuschauer auf die Wirtsgärten. Ich lasse den Tag im Gasthaus “Zur Linde” bei Weißbier und Chiemseefisch ausklingen. 

Infokasten

Hinkommen In Prien am Chiemsee legen die Schiffe der Chiemsee Schifffahrt ab. Beide Chiemseeinseln lassen sich gut kombinieren. Einen ganzen Tag sollte man sich mindestens Zeit nehmen. Am besten übernachtet man auf der Fraueninsel.

AnschauenKloster Frauenwörth ist – abgesehen von der Klosterkirche – nicht zu besichtigen. Wer sich für Seminare interessiert, wird auf der Internetseite fündig.

Weiterlesen: Hier geht’s zum Ausflug auf die Herreninsel.

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