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Reiseziele / Deutschland

Sanddorn, Dünen und Künstlerflair – ein perfekter Tag mit dem Fahrrad auf Hiddensee

Südstrand auf Hiddensee mit Mini-Leuchtturm

Die kleine autofreie Nachbarinsel Hiddensee steuert fast jeder Rügen-Urlauber einmal an. Super Idee! Der Ausflug nach Hiddensee ist ein perfektes Tagesprogramm. Und am besten erkundest du die Insel mit dem Fahrrad. Es liegt, nur durch eine Sandbank getrennt, westlich der größten deutschen Insel – ganze 17 km lang und an der schmalsten Stelle 250 m breit. Die Fähren ab Rügen fahren nach Vitte, Kloster und Neuendorf ganz im Süden der Insel und dort startest du am besten gleich zu deiner Fahrradtour auf Hiddensee. Hier erfährst du, wie ein perfekter Tag auf Hiddensee aussehen könnte.

Die beste Zeit für den Ausflug nach Hiddensee

Im Sommer kann es – zumindest in den Hauptorten Kloster und Vitte – ganz schön voll werden. Dann gesellen sich zu den rund 1000 Menschen, die auf Hiddensee leben, jede Menge Ausflügler. Den Rest der Insel musst du auch in der Hauptsaison mit deutlich weniger Besuchern teilen. Im Mai oder ab Mitte September ist es viel ruhiger und nicht weniger schön. Am besten bleibst du sowieso über Nacht, um den besonderen Charme der Insel nach Abreise der Tagesgäste zu genießen. Ein Geheimtipp ist der Besuch im Winter.

Ich nehme zusammen mit meinem Fahrrad die Fähre nach Neuendorf. Wenn du keins dabei hast, läufst du erstmal zur Verleihstation, denn die Insel ist perfekt zum Radeln. Glücklicherweise ersparen Absprachen zwischen den Vermietern mühsame Preisvergleiche. Und schon kannst du aufbrechen zu deiner Fahrradtour auf Hiddensee. Wenn du nicht gern in die Pedalen tritt, nimmst du die Pferdekutsche.

Auftakt in Neuendorf – Boddenküste und Leuchtfeuer Gellen

Das Fischerdorf Neuendorf mit seinen weiß getünchten Reetdachhäusern ist der ruhigste und ursprünglichste Inselort. Er steht komplett unter Denkmalschutz – das perfekte Domizil für alle, die absolute Ruhe suchen. 

Zum Ostseeurlaub gehört für mich das tägliche Fischbrötchen. Gleich am Hafen wartet mein zweites Frühstück. Bismarckhering oder Matjes? Die tägliche Qual der Wahl. Heute gewinnt Bismarck.

Matjesbrötchen zum Frühstück
Bismarckhering zum Frühstück

Gestärkt radle ich Richtung Leuchtturm. Ein Mini-Leuchtturm für eine Mini-Insel. Das Leuchtfeuer Gellen liegt direkt am wilden weißen Sandstrand, den ich fast ganz für mich allein habe. Puderzuckersand. Vergesst die Karibik! 

Ich lasse mich ein bisschen vom Winde verwehen, während die Ostseewellen an den Strand klatschen. Doch ein bisschen kühl zum Baden, entscheide ich. Darum erstmal weiter auf zwei Rädern über Sandpisten durchs Schwemmland mit seinen Birkenwäldern.

Blühendes Hiddensee
Ein einsames Plätzchen an der Südküste
Radweg an der Südküste
Radweg an der Südküste

Kein ganz so komfortabler, aber ein spannender Radweg durch ein wildschönes Stück Natur. Und irgendwann lande ich an der Boddenküste, wo eine Bank auf mich wartet. Zwei Fahrräder lehnen am Zaun, aber keine Menschenseele weit und breit. Nur ein paar Schwäne schwimmen vorbei. Urlaub für die Seele.

Durchs Naturparadies Dünenheide 

Im Herzen der Insel wuchert hinter den langen Sandstränden zwischen Neuendorf und Vitte die Dünenheide. Sie steht unter Naturschutz, denn sie gehört zu den letzten großen Arealen für Küstendünenheide an der deutschen Ostseeküste. 

Kriechweide, Krähenbeere und vor allem Besenheide, auch als Heidekraut bekannt, ranken sich über die Dünenwälle. Ein Traum in Violett im August und September, durch den ich mein Rad auf sandigen Wegen schiebe. 

Radweg durch die Dünenheide
Heideblüte im Spätsommer

Vitte lasse ich auf dem Weg in den Inselnorden erstmal links liegen, denn von hier bringt mich die Fähre am Abend zurück nach Scharprode. 

Kloster – Künstlerflair und Sanddorntorte

In Kloster ist deutlich mehr los als im Süden. Der Name des Ortes geht auf ein Zisterzienserkloster des Mittelalters zurück, an das nur noch Grundmauern erinnern. Kulturelles Zentrum der Insel ist Kloster nach wie vor. Die weiß getünchte Dorfkirche im Zentrum, 1332 geweiht, zeugt noch von der Zeit der Mönche. Ein Engel schwebt mir im Kirchenschiff von der himmelblauen Decke entgegen, auf der rosarote Rosen blühen. Ein kleines Schatzkästchen. 

„König“ Hauptmann auf Hiddensee

Auf dem Friedhof ruht der Mann, der Hiddensee zur Künstlerinsel machte: Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann. Seit 1885 kam er regelmäßig auf die Insel, von 1930 bis 1943 verbrachte er die Sommer im eigenen Haus. Haus Seedorn ist heute Museum. In den Wohnräumen im Originalzustand kannst du in die Welt des Dichters eintauchen, von dem die meisten wahrscheinlich nur seine „Weber“ aus dem Deutschunterricht kennen. 

Dorfkirche in Kloster
Grab von Gerhart Hauptmann auf Hiddensee

Viele von Hauptmanns Werken entstanden auf Hiddensee. „Hiddensee war das geistigste aller deutschen Seebäder“, soll Hauptmann geäußert haben. Ein super Slogan für die Tourismus-Werbung. 

Mit Thomas Mann ließ sich auf Hiddensee ein weiterer Star der deutschen Literatur blicken, doch ihm war es letztendlich wohl doch zu einsam. Vielleicht verkraftete die Insel auch nicht zwei Literaten von Weltrang. Auf Hiddensee regierte eindeutig „König Hauptmann“. Weitere Promis, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Hiddensee ihre Sommerfrische verbrachten, waren die Stummfilm-Diva Asta Nielsen (s. Vitte), Albert Einstein, Sigmund Freud oder die Puppen-Fabrikantin Käthe Kruse.

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Hauptmann ahnte wohl, dass die Künstler und Intellektuellen der 1920er- und 1930er-Jahre nur die Vorhut waren und befürchtete, sein Rückzugsort könne ein „Capri der Ostsee“ werden.

An einem Haus in Vitte entdecke ich später ein Graffiti: „Hauptmann oder Ballermann – quo vadis, Hiddensee?“ Wie so oft im Tourismus die Frage: Masse oder Klasse?

Quo Vadis, Hiddensee?
Quo Vadis, Hiddensee?

Zeit für die Mittagspause! Das Zeug zum Lieblingsplatz hat die Terrasse des Restaurants Wieseneck mit wunderbarem Sanddornkuchen (mit den Vitamin-C-Bomben der Ostsee) und Blick auf Schafweiden. Apropos Sanddorn. Wer erinnert sich noch? „Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee …“, lautet eine Zeile in Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“. Noch schöner wäre Ninas Tag auf Hiddensee gewesen, hätte Micha nicht den Farbfilm vergessen. Wie gut, dass wir den heute nicht mehr brauchen, um Hiddensee farbenfroh in Erinnerung zu behalten! Nur der Sanddorn, von einer rätselhaften Krankheit befallen, ist seltener geworden.

Dornbusch – ganz hoch oben auf Hiddensee

Einen Moment habe ich gezögert – jetzt noch in den hohen Inselnorden radeln? Bergauf? Was hätte ich verpasst, wenn ich die Zeit bis zum Ablegen der Fähre am Strand verbracht hätte! Den Dornbusch muss man sich erarbeiten. Er liegt sozusagen im Hiddenseer Hochland.

Auch der Weg zum Leuchtturm am Dornbusch führt das letzte Stück durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, in dem bedrohte Vogelarten Brut- und Rastplätze finden. 

Anders als der Leuchtturm im Süden der Insel ist sein nördliches Pendant mit 27 m Höhe eine XXL-Ausgabe und liegt fotogen auf einem Hügel. Du kannst ihn auch besteigen. Dafür bin ich zu spät dran, aber auch ohne Kletterpartie liegt mir die Boddenküste am Spätnachmittag im Weichzeichner-Look zu Füßen.

Noch Zeit zum Einkehren? Ganz in der Nähe liegt der Gasthof „Zum Klausner“ mit Biergarten und georgischer Küche. Hier spielt der Roman „Kruso“, der kurz vor der Wende spielt. Perfekte Urlaubslektüre (s.Literaturtipps)!

Finale in Vitte – Inselhauptdorf mit Flair

Inselhauptstadt kann man Vitte mit seinen 650 Einwohnern wohl kaum nennen – eher Inselhauptdorf. Sitz der Inselverwaltung auf jeden Fall. Cafés und Restaurants gibt es eine ganze Menge, auch eine Handvoll Unterkünfte. Und einen tollen Strand, wo es anders als im wilden Südwesen auch eine Infrastruktur mit Strandkörben gibt. 

Strandkorbparade am Strand von Vitte
Holzbohlen am Strand

Etwas haben ich mir für den nächsten Ausflug nach Hiddensee aufbewahrt: das Karusel, das einstige Haus der Stummfilm-Diva Asta Nielsen, das heute Museum ist. Sie verbrachte hier ihre Sommerferien ab 1929 bis zur Machtergreifung der Nazis, nach der die Dänin Deutschland fluchtartig verließ. 

Im Boddenhafen schaukeln Segelschiffe, Kutter und Jachten. So mancher sitzt hier bei Bier und Fischbrötchen, bevor er mit der Kolonie der Tagesbesucher an Bord des Schiffes geht, das zurück nach Rügen gleitet. Auch für mich ist hier das Finale der Fahrradtour auf Hiddensee. Wenn du in Neuendorf ein Fahrrad gemietet hast, radelst du zur Verleihstation noch ein Stück weiter. So endet ein perfekter Tag auf Hiddensee.

Hafen von Vitte auf Hiddensee
Hafen von Vitte auf Hiddensee

Infokasten

Hinkommen: Hiddensee ist weitgehend autofrei. Du erreichst die Insel von Stralsund (3 Stunden) und von einigen Häfen auf Rügen aus: Schaprode, Wiek, Dranske, Breege. Die meisten Besucher kommen über Schaprode, wo du das Auto auf einem bewachten Parkplatz abstellen kannst. Die Überfahrt dauert bis Neuendorf 30 Minuten, bis Vitte und Kloster 45 Minuten. Wer über Nacht bleibt, findet am Hafen oft einen Bollerwagen der Vermieter für den Gepäcktransport vor. 

Unterwegs auf der Insel: Für den Transport auf der Insel sorgen Pferdewagen. Am besten erkundest du sie jedoch mit dem (Miet)fahrrad. Ausleihstationen gibt es in allen Fährhäfen. 

Literaturtipps für den Ausflug nach Hiddensee

  • Rainer Moritz: Zum See ging man zu Fuß. Wo Dichter wohnen. Spaziergänge von Lübeck bis Zürich, 2019. Literarische Spaziergänge zu Wirkungsstätten von Dichtern. Einer davon führt nach Hiddensee zu Gerhard Hauptmann.
  • Lutz Seiler: Kruso, 2015. Inselabenteuer auf Hiddensee und Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft. Der preisgekrönte Roman schlägt den Bogen vom Sommer 89 bis in die Gegenwart. 
  • Mathias Christmann: DuMont Reise-Taschenbuch Rügen mit Hiddensee, 2020. Ganz neu und super informativ.

Weiterlesen: Hier geht es zum Artikel über Rügen.

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16 Kommentare

  • Miriam
    8. März 2021 at 19:43

    Liebe Elke,
    Auf Hiddensee war ich noch nie, aber da ich bisher tatsächlich nur eine einzige deutsche Insel kenne (Helgoland), steht Insel-Hopping in Deutschland weit oben auf meiner Bucketlist. Von Hiddensee hab ich schon öfter mal gehört, aber ich wusste nicht, dass man so viele Dinge unternehmen kann. Eine Radtour durch die Dünen wäre auch genau meins – und Leuchttürme liebe ich sowieso.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

    Antwort
    • Elke
      8. März 2021 at 20:03

      Liebe Miriam,
      ja, Hiddensee ist eine supertolle Insel! Lohnt sich definitiv. Wenn du noch Infos brauchst, melde dich gern.
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Travelsanne
    9. März 2021 at 6:51

    Das hört sich fantastisch an! Wir waren letzten Sommer auf Rügen und wären zu gerne noch nach Hiddensee gefahren. Danke fürs Mitnehmen.
    Liebe Grüße von Sanne

    Antwort
    • Elke
      9. März 2021 at 7:21

      Liebe Sanne, vielen Dank für den Kommentar! Ja, Hiddensee ist wunderschön – unbedingt beim nächsten Mal einplanen! Liebe Grüße, Elke

      Antwort
  • Marike
    9. März 2021 at 7:11

    Ach ja, liebe Elke, ein Sehnsuchtstext. Ich hab den Farbfilm vergessen und muß wieder hin, nach Hiddensee!

    Antwort
    • Elke
      9. März 2021 at 7:22

      Unbedingt, liebe Marike! Ich habe auch schon wieder Sehnsucht nach dee Ostsee … Liebe Grüße, Elke

      Antwort
  • Sina Dieterle
    9. März 2021 at 9:50

    Rügen ist einfach wunderbar… Für Hiddensee hat bei meinem letzten Besuch leider die Zeit nicht gereicht. Ich hoffe aber, dass es irgendwann noch klappt. Dann werde ich hier nochmal in deinen Tipps nachlesen.

    Liebe Grüße von Sina

    Antwort
    • Elke
      9. März 2021 at 9:56

      Liebe Sina,
      ich liebe Rügen auch sehr! Hoffe, du schaffst es beim nächsten Besuch bis nach Rügen – es lohnt sich wirklich sehr.
      Liebe Grüße von Elke

      Antwort
  • Lisa
    9. März 2021 at 9:59

    Liebe Elke,
    ich muss ja leider beschämend sagen, dass ich, als Rüganerin, erst einmal auf Hiddensee war. An den Besuch kann ich mich aber kaum erinnern. Aber über den Dornbusch habe ich mal einen Vortrag in der Schule gehalten. Beim nächsten Heimatbesuch steht Hiddensee ganz oben auf der Liste!
    Liebe Grüße
    Lisa

    Antwort
    • Elke
      9. März 2021 at 10:02

      Liebe Lisa,
      so ist das oft – das, was vor der Haustür liegt, lässt man links liegen. Im letzten Jahr habe ich sooo viele tolle Orte in meiner bayerischen Wahl-Heimat entdeckt!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Angela
    10. März 2021 at 10:12

    Ach Hiddensee! An dieses Inselchen habe ich echt mein Herz verloren. Da kommst du an und hast allen Alltagsstress vergessen und es ist einfach nur schön und ruhig und zum Genießen.
    Danke fürs Mitnehmen!
    Liebe Grüße
    Angela

    Antwort
    • Elke
      10. März 2021 at 11:15

      Liebe Angela,
      mir geht es genauso. Die Insel hat eine besondere Magie! Wie gern hätte ich da ein Ferienhäuschen wie einst Gerhart Hauptmann …
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Gabriele Schneider
    21. Juli 2021 at 7:29

    Liebe Elke, vielen lieben Dank für die tollen Tipps. Mein Mann und ich sind Rügenfans, leider haben wir es noch nicht geschafft nach Hiddensee zu fahren, aber dass steht ganz oben auf unserer Luste für das nächste Jahr.
    Viele Grüße Gabi

    Antwort
    • Elke
      21. Juli 2021 at 7:31

      Liebe Gabriele,
      dann drücke ich fest die Daumen, dass es im nächsten Jahr klappt. Hiddensee ist wirklich eine kleine Trauminsel!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Bea
    10. September 2021 at 23:31

    Wenn mich etwas stört, dann ist es das Wort „perfekt“… Es passiert immer etwas, das das sterile perfekte lebendig macht und Hiddensee ist auf jeden Fall sehr lebendig!
    Ansonsten gefällt mir dein Bericht sehr gut.

    Antwort
    • Elke
      11. September 2021 at 7:16

      Liebe Bea,
      perfekt ist ein sehr schwieriger Begriff, sehe ich genauso.Aber für mich war’s tatsächlich ein perfekter Tag auf Hiddensee – rundum traumhaft!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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